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Xavier Naidoo beim ESC: Darf dieser Mann für Deutschland singen? Bitte nicht!

Der Aufschrei ist groß: Die Nominierung von Xavier Naidoo zum ESC wird heftig kritisiert. Dabei hat die ARD vieles richtig gemacht - und doch das Wichtigste vergessen: die Fans.

Ein Kommentar von Jens Maier

Der umstrittene Sänger Xavier Naidoo singt für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 - was viele ESC-Fans sauer macht.

Der umstrittene Sänger Xavier Naidoo singt für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 - was viele ESC-Fans sauer macht.

"Darf dieser Mann für Deutschland singen?", fragte die "Bild"-Zeitung 1998. Damals hatte sich Guildo Horn mit der Hilfe von Stefan Raab gerade daran gemacht, den ESC-Vorentscheid mit seinem Song "Guildo hat euch lieb" aufzumischen. Mit fettigen Haaren und buntem Glitzeranzug war er für Ralph Siegel und das eingefahrene Schlagerestablishment ein rotes Tuch. Vom Untergang des deutschen Liedgutes war sogar die Rede. Doch allen Unkenrufen zum Trotz: Horn setzte sich durch, fuhr nach Birmingham - und wurde Siebter.

Xavier Naidoo

Sogar eine Online-Petition gegen Xavier Naidoo ist schon im Gange. Bis zum Januar sollen 120.000 Stimmen gegen ihn gesammelt werden. Bis zum Nachmittag waren es 3600.

Auf ein ähnliches Wunder scheint die ARD auch im nächsten Jahr zu hoffen. Denn wieder ist es eine umstrittene Person, die zum ESC geschickt wird. Der Sender nominierte Xavier Naidoo ohne Zuschauerbeteiligung als Teilnehmer für Stockholm. Lediglich über den Song soll das deutsche Publikum abstimmen dürfen. Seit Bekanntgabe geht ein Aufschrei durch soziale Netzwerke. Doch nicht die Direktnominierung an sich, sondern vor allem die Personalie wird heftig kritisiert. Zu Recht.


Eine fatale Fehlentscheidung

Xavier Naidoo nach Stockholm - das ist eine fatale Fehlentscheidung. Dabei scheint die ARD und ihr Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber objektiv alles richtig gemacht zu haben. Die letzten sechs Alben von Naidoo belegten Platz eins der Charts. Er füllt derzeit mit den Söhnen Mannheims ganze Arenen. Und er kann - im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern - live singen. Ja, Naidoo ist mit das Beste, was Deutschland an musikalischer Bühnenkompetenz zu bieten hat. Und doch hätte er nie nominiert werden dürfen.

Denn Naidoo ist ein unlösbarer Problemfall. "Wir wussten, dass Naidoo polarisiert", sagt Thomas Schreiber. Die Frage sei, ob "alle Hassäußerungen, die es in den sozialen Netzwerken gibt", eine sachliche Grundlage hätten. Doch da irrt er. Das ist gar nicht die Frage. Schreiber scheint davon auszugehen, dass sich alles Gerede über angebliche Homophobie, über Antisemitismus und Naidoos Rechtslastigkeit entkräften lässt. Das mag sogar gelingen. Bloß, nützen tut es gar nichts.

Es wäre leichter, VW ein gutes Image zu verpassen

Es wäre leichter, VW vom Vorwurf des Betruges reinzuwaschen, als Naidoo in Stockholm als Mann der "Liebe, Freiheit, Toleranz und des Miteinander" zu verkaufen. Das mag sogar sein. Das Problem ist, es wird niemand glauben. Das öffentliche Urteil über den Sänger ist längst gefallen. Es wird sich bis Mai nicht revidieren lassen. Zu viele Interviews, zu viele Aussagen, zu viele wirre Thesen sprechen gegen den Sänger.

Wie finden Sie die Nominierung von Xavier Naidoo für den ESC?

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Die ARD hat die fatale Wirkung ihrer Entscheidung unterschätzt. Und noch schlimmer: Sie hat die vielen, vielen ESC-Fans vergessen. Diejenigen, die in Stockholm vor der Bühne stehen werden und mit ihrem Kandidaten mitfiebern wollen. Diejenigen, die bei Käseigel zuhause vor dem Fernseher sitzen und ihrem Teilnehmer die Daumen drücken wollen. Und diejenigen, die sich von der Euphorie für einen Sympathieträger mitreißen lassen wollen. Mit Naidoo schwer vorstellbar.

Auch wenn dem Mannheimer hoch anzurechnen ist, dass er den Mut aufbringt, nach Stockholm zu fahren. Dass er das Risiko auf sich nimmt, dort auf der Bühne nicht nur als Mensch, sondern als Künstler zu scheitern: Über ihn entscheidet nicht der Verstand, auch keine Jury - sondern das Herz. Das der vielen ESC-Fans hat längst gesprochen. Darf dieser Mann für Deutschland singen? Bitte nicht!