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Mutige TV-Serie: Pakistans "Glee"-Version will mit Musik Tabus brechen

Homosexualität. Jugendträume. Ein Islamist, der sich in ein christliches Mädchen verliebt. Mit modernem Plot und einheimischer Musik will die pakistanische Serie "Taan" der Jugend Hoffnung machen.

Hitzige Debatten könnten Pakistan bevorstehen, sollten von September an die erste 26 Episoden von "Taan" im nationalen Fernsehen laufen. Die Musicalserie berührt kontroverse Themen wie Homosexualität, Extremismus und Intoleranz gegen Minderheiten.

Der Titel in der Nationalsprache Urdu heißt übersetzt "Note". Gesungen wird viel - so wie in "Glee", der Erfolgs-Musicalserie aus den USA, die als Inspiration diente. "Taan" spielt an der fiktiven Hayat Haveli Musikschule in Lahore. Mit Cover-Versionen von Hits des Landes spielen und singen sich die Darsteller durch die Handlung.

"So etwas wurde noch nie zuvor in Pakistan versucht", sagt der Autor und Produzent der Serie, Nabeel Sarwar. "Zum ersten Mal haben wir Musik mit Schauspiel verheiratet." Es geht aber auch um die Verbindungen von Moral und Moderne, Realismus und Idealismus in dem tiefkonservativen islamischen Land.

Selbstzensur der TV-Sender

Eine der Geschichten handelt von einem Talibanrebellen, der zunächst einen Anschlag auf die Musikschule plant, sich dann aber in eine christliche Mitschülerin verliebt. Zart geknüpfte Bande werden auf die Probe gestellt, als sie von seinem extremistischen Hintergrund erfährt.

Wie die pakistanischen Zuschauer auf solche Geschichten reagieren, ist abzuwarten. Momentan verhandeln die Produzenten mit mehreren Sendern über eine Ausstrahlung. Fernsehserien unterliegen in Pakistan keiner staatlichen Vorzensur, allerdings überprüft jeder Sender die Inhalte selbst auf Problematisches. Die Zensurbehörde kann öffentlich gezeigte Inhalte verbieten, wenn sie ihrer Meinung nach nicht den ethischen Richtlinien entsprechen. So wurde kürzlich die Ausstrahlung eines indischen Films verboten - eine Romanze zwischen einem Hindu und einer Muslimin.

Streitthema Homosexualität

In "Taan" wird die Homosexualität eines Charakters angedeutet. Zuschauer könnten dies als Provokation auffassen. Nicht zum ersten Mal könnte dann Entrüstung in Gewalt umschlagen. Seit 2001 sind nach Angaben von Präsident Asif Ali Zardari mehr als 49.000 Menschen bei extremistischen Gewalttaten gestorben.

Kritiker fürchten, dass "Taan" eher Spannungen erzeugen könnte, als sie zu lösen. "Ich glaube an die Meinungsfreiheit, aber wir sollten auf unser Umfeld achten, wenn wir etwas sagen oder zum Ausdruck bringen", sagt der Kunstkritiker Jamal Shah. "Ich denke, wir sollten bestimmte Anliegen darstellen, aber sie nicht aufbauschen, weil das mehr Angst erzeugt als dass es die Menschen informiert."

Das Produktionsteam gibt sich unbesorgt. "Wir haben keine Angst, da "Taan" ein künstlerisches Erzeugnis ist und als solches gesehen werden sollte", sagt Regisseur Samar Razar. Die ausgewählten Themen sollten im zeitgemäßen Zusammenhang betrachtet werden.

Maßnahme gegen die "Nichts-zu-verlieren-Haltung"

Hauptstütze der Serie ist ihre Musik. Für 100 der Top-Hits aus Pakistan haben die Produzenten die Lizenzen erworben. Die Idee mit der Musik als Teil des Drehbuchs kommt von der US-Erfolgsserie "Glee". Bei "Glee" wollen sich die Mitglieder eines Schulchors an die Spitze des Landeswettbewerbs singen und haben nebenbei mit der Gesellschaft und dem Erwachsenwerden zu kämpfen.

Auch wenn die Grundidee importiert sein mag, bringt "Taan" eigene Geschichten und zudem einheimische Musik mit. Auch folgt die Serie der pakistanischen Fernsehtradition, Unterhaltung mit Information zu kombinieren. "Taan" sei für ihn auch der Versuch, "sich der wachsenden Verzweiflung und der 'Nichts zu verlieren'-Haltung, die sich immer häufiger unter der pakistanischen Jugend breit macht, entgegenzustellen", sagt Autor und Produzent Sarwar.

Sajjad Malik und Farrukh Azeem, DPA / DPA
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