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1000. Sendung: "Bares für Rares" feiert Jubiläum – eine Lobhudelei auf die schönste TV-Show

"Sagen wir du? Dann bin ich der Horst!" Zum 1000. Mal darf Horst Lichter heute diesen Satz sagen. Seine Trödelshow "Bares für Rares" feiert Jubiläum. Viel geändert hat sich seit der ersten Sendung nicht. Doch das gehört zum Erfolgsgeheimnis.

Horst Lichter bei "Bares für Rares"

Seit 2013 moderiert Horst Lichter im ZDF die Trödelshow "Bares für Rares".

ZDF

Wenn ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler an den 4. August 2013 zurückdenkt, wird er sich vermutlich einen Sekt aufmachen. Oder noch besser: eine Flasche Champagner. Vielleicht ein rares Fläschchen Dom Perignon zum Schätzpreis von 165 Euro. Denn dieser besagte Sonntag war für seinen Sender – um im Jargon zu bleiben – ein "Träumchen". Das Zweite sendete im Nachmittagsprogramm eine neue Sendung mit kryptischem Namen: "Bares für Rares" hieß es da. Noch merkwürdiger war nur, dass der damalige TV-Koch Horst Lichter diese Show moderierte. Er sollte damit nicht nur sein Image als Trödelonkel begründen, sondern das deutsche Fernsehen revolutionieren.

Sieben Jahre und 1000 Sendungen später ist "Bares für Rares" die erfolgreichste Show im Nachmittagsprogramm. Im laufenden Jahr erreichte die Sendung pro Folge durchschnittlich 2,74 Millionen Zuschauer bei einem Gesamtmarktanteil von 21,7 Prozent – so viel schafft um 15 Uhr keine andere Sendung. Die Werte erreichen "Wetten, dass ..?"-Niveau. Und das, obwohl die Show von den Kritikern verrissen wurde.

Kritiker haben "Bares für Rares" zerrissen

Die "Berliner Zeitung" bezeichnete das "in seiner biederen Berechenbarkeit so dösig[e]“ Format als "heftiges Gefeilsche klischeehaft freakiger Bieter“. Medienjournalist Stefan Niggemeier ätzte: "Weniger als bei 'Bares für Rares' ist selten im Fernsehen passiert." Er bemängelte vor allem den immer gleichen Ablauf der Show. Doch gerade das ist eines der Erfolgsgeheimnisse von "Bares für Rares". Es passiert das Erwartbare. Keine Katastrophen. Keine Streitereien. Dafür das gute Gefühl, im Keller oder auf dem Speicher vielleicht auch noch ein Schätzchen liegen zu haben.

Seit der ersten Sendung 2013 hat sich quasi nichts verändert. Verkäufer bringen Gegenstände zu Horst Lichter, Experten bewerten sie. Die Händler bieten anschließend auf die Objekte und zahlen den Kaufpreis in bar aus. Die meisten Verkäufer sind froh, ihren alten Trödel los zu sein, und gehen glücklich nach Hause. Das geht so seit 1000. Sendungen. Nicht mal die Protagonisten haben sich verändert. Moderator Horst Lichter, die Experten Heide Rezepa-Zabel und Albert Maier, die Händler Fabian Kahl, Walter "Waldi" Lehnertz, Wolfgang Pauritsch und Ludwig "Lucki" Hofmaier – sie alle sind seit der ersten Stunde dabei. Inzwischen gehören sie zum allnachnmittäglichen Inventar in deutschen Haushalten.

Das "Unsere kleine Farm" der TV-Shows

Warum gucken sich so viele Menschen eine Sendung an, die immer gleich ist? "Bares für Rares" befriedigt den Wunsch nach Eskapismus wie kaum eine zweite Show im deutschen TV. Im Mittelpunkt steht Horst Lichter als immer freundlicher und empathischer Gastgeber. Seine kumpelhafte Art kommt an, denn sie ist nicht aufgesetzt, sondern authentisch. Der Horst, er ist wie er ist. Ein Duzkamerad und rheinische Frohnatur. Wenn einer Günther Jauch bei der Wahl zum Bundespräsidenten gefährlich werden könnte, dann er.

Gruppenfoto der "Bares für Rares"-Experten

"Bares für Rares" ist nie bösartig und immer herzlich. Und noch besser: Am Ende sind alle glücklich: die Händler, die Verkäufer und die Zuschauer. "Bares für Rares" ist das "Unsere kleine Farm" der TV-Shows. Herrlich. Dann mal auf die nächsten 1000 Sendungen. Oder wie der Horst sagen würde: "Stösschen."