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"Ich bin ein Star - Holt mich hier raus": Der Dschungel ruft wieder

Im Januar bringt RTL eine neue Staffel seiner Trash-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus" und will damit sogar gegen "Wetten, dass...?" antreten. Dabei war eine Fortsetzung für den Sender aus Gründen der Seriosität lange Zeit tabu.

Von Peer Schader

Am Samstagmorgen ist auf Pro Sieben die Abenteuershow "Survivor" zu Ende gegangen und kaum jemand hat's gemerkt. Die teure Robinsonade geriet im August zum Totalflop und musste schleunigst vom Sendeplatz um 20.15 Uhr verschoben werden. In den USA ist die Show ein Hit, in Deutschland aber hat niemand sehen wollen, wie 22 Kandidaten Woche für Woche Dschungelaufgaben bewältigen mussten, bis zum Schluss einer als Inselkönig übrig bleibt und das Preisgeld abräumt.

Am Dschungel kann's nicht gelegen haben. Denn der ist nach wie vor ziemlich beliebt. Jetzt hat RTL offiziell bestätigt, was schon seit etlichen Tagen als Gerücht durch die Boulevardpresse geistert: Nach vier Jahren Pause startet am 11. Januar 2008 die dritte Staffel der Trash-Show "Ich bin hier ein Star - Holt mich hier raus", in der so genannte Prominente für zwei Wochen im australischen Dschungel überleben müssen und dabei unappetitlich aussehende Tiere verspeisen sowie vermeintlich riskante Aufgaben bewältigen.

Wer mitmacht, soll bis kurz vor der Show geheim bleiben. Man wolle vermeiden, dass sich die Kandidaten vorher untereinander absprechen, heißt es bei RTL. Dabei wird schon eifrig spekuliert, wer im Januar nach Australien fliegt. In der "Bunten" hat Barbara Herzsprung schon mal heraus posaunt, sie werde teilnehmen. "Bild" glaubt zu wissen, dass Ex-Erotik-Star Michaela Schaffrath und Isabel Edvardsson (aus "Let‘s Dance") dabei sind. Und in der österreichischen Presse heißt es, RTL habe Rainhard Fendrich und Skispringer Andreas Goldberger als Wunschkandidaten auf der Liste. Wie wär's denn noch mit der frisch verheirateten Gülcan, Eva Herman und Roberto Blanco?

Für Werbekunden ein Graus

In Großbritannien ist zu Beginn der vergangenen Woche bereits die neunte Staffel von "I’m a Celebrity - Get me out of here" los gegangen - und zwar mit einer Quotensensation: Fast neun Millionen Briten sahen die Auftaktshow beim Sender ITV, das entsprach 38 Prozent Marktanteil. Von sowas lässt man sich nun offenbar auch bei RTL wieder verführen - allerdings ist die Rechnung nicht so einfach. Maximale Reichweite bedeutet bei der "Dschungel-Show" nämlich längst nicht maximale Werbeauslastung.

Die erneut von Dirk Bach und Sonja Zietlow moderierte Sendung ist schließlich nicht nur bei Feuilletonisten, sondern auch bei Werbekunden umstritten. Niemand wirbt gerne für seine Zartbitterschokolade, wenn einer der RTL-Promis vorher einen Wurm verspeisen musste. Für viele Mediaagenturen, die die Werbegelder im Auftrag der Unternehmen auf die Sender verteilen, ist "Ich bin ein Star" ein echter Graus und schädlich fürs Ansehen der beworbenen Produkte.

Wohl auch aus diesem Grund erklärte RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger noch im Sommer, man plane derzeit keine weitere Dschungel-Staffel. Denn deren Konzept sieht vor, dass über zwei Wochen jeden Abend eine Zusammenfassung der Tagesereignisse über den Sender geht - und dafür muss erst einmal Platz im Programm geschaffen werden. RTL könnte das richtig weh tun. Denn im Gegensatz zur privaten Konkurrenz flutscht es beim Marktführer in der jungen Zielgruppe gerade richtig gut.

Am Montagabend bringt das Magazin "Extra" nach dem erfolgreichen "Bauer sucht Frau" stabile Quoten, Dienstag und Donnerstag sind für US-Serien reserviert, am Mittwoch läuft stern TV. Wer in dieses Programm eine Schneise schlägt, vergrault womöglich die Zuschauer. Pro Sieben hat das vor drei Jahren leidvoll mit der Dschungel-Kopie „Die Burg“ erfahren müssen, das die Quoten nicht nur in den Keller rutschen ließ, sondern gleich bis ins darunter liegende Verlies. In Großbritannien ist man da offensichtlich weniger empfindlich.

Briten sind weniger empfindlich

Das erste Skandälchen hat "I'm a Celebrity" bereits vor dem Start produziert. Kurz bevor es los ging, hat es sich Malcolm McLaren, früherer Manager der Sex Pistols, noch einmal anders überlegt und seine Teilnahme an der Show abgesagt: Er fürchte sich vor Schlangen und sei sowieso kein netter Zeitgenosse, ließ er ausrichten. Vielleicht hat ihm aber auch bloß ein cleverer Manager verklickert, dass die Sendung nicht gerade das Karrieresprungbrett ist, für das so mancher Ex-Promi sie gehalten hat. Profitiert haben die deutschen Teilnehmer Costa Cordalis und Desirée Nick jedenfalls nicht davon, dass sie als Dschungelkönige aus ihren Staffeln hervor gingen.

Immerhin: Bis zum nächsten Jahr sind die Briten wieder raus aus dem australischen Dschungel, in dem auch die RTL-Show produziert wird. Dann ist Platz für ein paar deutsche Helden. Dass es im australischen Busch, durch den die Kameras dann sausen, wirklich gefährlich ist, glaubt sowieso niemand mehr. Längst weiß die Nation, dass es dort so harmlos zugeht wie im Pfadfinderlager - aber eben eines, bei dem ein paar Millionen Menschen zusehen wollen.

Und diesmal traut sich RTL sogar noch einen Schritt weiter zu gehen: Das Finale von "Ich bin ein Star" wird am 26. Januar gegen "Wetten, dass...?" laufen. Das wird ein schlimmer Abend für Thomas Gottschalk.