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TV-Kritik zu Deutschland gegen Spanien "Jetzt sind wir drin" – die Weltmeister im ZDF fühlen die WM

Im Zweiten ist man jetzt erst so richtig im Turnier angekommen: ZDF-Moderator Jochen Breyer (l.) und Fußball-Experte Jörg Kramer
Im Zweiten ist man jetzt erst so richtig im Turnier angekommen: ZDF-Moderator Jochen Breyer (l.) und Fußball-Experte Jörg Kramer
© ZDF / Michael Braunschädel
"Ein wildes Spiel", das hatte sich ZDF-Experte Christoph Kramer gewünscht. Am Ende zeigte Deutschland gegen Spanien eine starke Partie, und nicht nur Sandro Wagner ging zufrieden ins Bett.

Als alles vorbei ist, da übernimmt Tom Cruise das Steuer und startet in seine Mission Impossible. Wer auch immer für die Programmplanung an diesem Abend im ZDF zuständig gewesen sein mag, kaum vorstellbar, dass dieser angesichts der fußballerischen Gemengelage süffisant anmutende Blockbuster rein zufällig dort platziert wurde. Als jedoch Lalo Schifrins legendäre Titelmusik gegen 22.45 Uhr erklingt, ist die eigentliche Mission des Tages schon erfüllt. Unmöglicherweise? Ein bisschen schon. 

Mission Impossible, kaum ein Filmtitel hätte zu diesem WM-Spieltag wohl besser gepasst, war die Mannschaft von Hansi Flick nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen Japan doch bereits immens unter Druck. Im Zweiten Deutschen Fernsehen, das diesmal in Sachen Katar an der Reihe, hielt man den Puls bereits am Nachmittag hoch, zeigte mit Drohnenaufnahmen und CCTV-mäßigen Effekten aufgepimpte Mannschaftsbusfahrten, jazzte die Abwesenheit des bei der PK vorm Spiel traditionell geforderten Nationalspielers zum Boykott  hoch und versuchte Oliver Bierhoff im Interview aus der Reserve zu locken. Der jedoch erwies sich im Vergleich zum Japan-Spiel als erstaunlich gut erholt und blickte optimistisch entspannt nach vorn.

Das Trio Merte/Kramer/Breyer hat die Nase vorn

Ähnliche Stimmung im ZDF-Studio bei Gastgeber Jochen Breyer, die Gäste bei ihm das traditionelle Tandem: Per Mertesacker, der so cool wirkte, als sei er kurz vor der Sendung noch einmal in die Eistonne gestiegen, dazu Christoph Kramer, der am Ende der ersten WM-Woche noch denselben Grinse-Elan verströmt wie zu Beginn. Das ZDF hatte ihm den Wunsch von der Taktiktafel erfüllt, die Nationalelf schließlich bot ihm, zumindest in Teilen, das, was er sich vom Kick gegen Spanien erhofft hatte: ein wildes Spiel.

Überhaupt die Taktiktafel: So oldfashioned die Mannschaftskabinen-Requisite auch sein mag – nach einer Woche WM hat das ZDF, hat das Triple Merte/Kramer/Breyer die Nase vorn. Mit dem Zweiten sieht man bislang besser, oder anders gesagt: Schwer vorstellbar, dass in diesen Tagen irgendwo der Satz "Komm’ schnell, Schatz, Esther und Basti sind gleich dran" erschallt, respektive fiebrig an den Nägeln gekaut wird, wenn Jessy Wellmer die Talkrunde im Ersten dirigiert. Da machen zwar alle von Hitz, the Hammer, über Almuth Schult bis zu Sami Kheidira, einen soliden Job, richtig wild, um es mal mit Christoph Kramer zu sagen, wird es jedoch nicht.

Der socken-lose Look irritiert

Anders im ZDF, wo Merte und Kramer sich gegenseitig schon mal flachsen, der eine dem anderen die Wunschelf madig macht, umgekehrt breit gegrinst wird beim Zuhören: Ach, ich mag es, wenn Per in den seriösen Modus schaltet, so ironisch-ehrlich kommentiert Kramer sein Lachen, während er dem einstigen Nationalmannschaftskollegen zuhört. Das mit dem breitbeinigen Sitzen mag immer noch irritieren, der socken-lose Look bei Mertesacker und Breyer ebenfalls, dennoch: Hatte das Erste zunächst noch die Nase vorn, scheint dort so langsam ein wenig Wüstensand ins Getriebe gerieselt zu sein, im Zweiten dagegen ist man jetzt erst so richtig im Turnier angekommen.

Sandro Wagners Schauzer, ein unübersetzt durchgewunkenes Interview mit Spaniens Morata, Thomas Müller, der nach dem ersten Punktgewinn fast schon wieder zur gewohnt kumpeligen Überheblichkeit zurückgefunden hat, Kramers Vision, dass das ganz weit gehen wird und Mertesackers Gefühlslage, dass man jetzt richtig im Turnier drin ist – irgendwie passte es an diesem Abend im Zweiten. Und während Tom Cruise also in die bereits erwähnte Mission Impossible startete, hatte Sandro Wagner gefühlt bereits die Bartbinde auf dem Nachtschränkchen: Als deutscher Supporter geht man zufrieden ins katarische Bett. Hoffen wir, dass es gegen Costa Rica kein böses Erwachen gibt …  jetzt, wo man doch grad so richtig drin ist.

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