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TV-Kritik

"Maischberger": Herablassung trifft auf Populismus - Schulz, Tichy und die Frage: Wozu brauchen wir noch die EU?

Bei "Maischberger" wurde diskutiert, ob die Europäische Union ihre besten Zeiten nicht hinter sich hat. Rechtspopulisten machen sich für die Stärkung der Nationalstaaten stark, auf Kosten der EU.

Von Andrea Zschocher

Maischberger - TV-Kritik - Brexit

Bei "Maischberger" konnte niemand der geladenen Gäste so richtig erklären, ob der Brexit womöglich nur der Anfang ist und weitere Länder die EU verlassen werden 

Der Brexit ist seit Wochen in aller Munde. Da sich hier aber zurzeit nichts bewegt, ging es bei Sandra Maischberger nur kurz um den möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU. Stattdessen stand die Europäische Union im Mittelpunkt der Diskussion. Maischberger fragte: "Populisten gegen Europa: Ist der Brexit erst der Anfang?"

So richtig beantworten konnte diese Frage niemand. Aber reflexartig erklärte Petra Steger von der FPÖ, dass nicht alle, die sich für den Nationalstaat stark machen, Nazis seien. Und auch der umstrittene Journalist Roland Tichy blies in dieses Horn. 

Der ehemalige Europaparlamentschef Martin Schulz sah das freilich anders. In der gesamten Sendung versuchte er immer wieder einen Einblick in die Europapolitik zu geben und Aussagen der anderen Studiogäste zu entkräften und einzuordnen. Dies geschah in oft herablassender Weise, womit Schulz den Populisten auch in die Karten spielte. Denn die fühlen sich in ihrer staatlichen Souveränität oft eingeschränkt und von oben herab behandelt. Schulz mutierte damit zum Schaubild der EU-Debatte.

Zu Gast bei "Maischberger" waren:

  • Martin Schulz (SPD),
  • Shona Fraser (britische Fernsehjournalistin),
  • Petra Steger (FPÖ),
  • Wolf von Lojewski (Fernsehjournalist),
  • Roland Tichy (Journalist)
  • Ralph Sina (ARD-Hörfunkkorrespondent in Brüssel)

Brauchen wir die Europäischen Union?

Was als Gesprächsrunde über den Brexit begann, änderte sich schnell zum Talk über die Notwendigkeit der Europäischen Union. Natürlich warf sich Martin Schulz für ein geeintes Europa in die Bresche, sprach er sich gegen rechtspopulistische Strömungen und einfache Wahrheiten aus. Auf den gezeigten Einspieler der Redaktion, bei dem der Schluss nahegelegt werden könnte, dass nach dem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU ein Eintritt Albaniens erfolgen könnte, reagierte er entsetzt. In seinen Augen sei das eine Falschinformation, weil nicht ein reiches, gegen eines der ärmsten Länder Europas einfach so ausgetauscht wird. Deswegen stellte er klar, wie langwierig Beitrittsverhandlungen für die EU sein können.

Ein wichtiger Hinweis, denn allzu oft versuchen Rechtspopulisten mit vermeintlich einfachen Wahrheiten auf Stimmenfang zu gehen. Und so erklärte die FPÖ-Politikerin dann auch gleich, dass das, so alles auch nicht stimmen würde. Um dann ihre wirren Erklärungen damit abzuschließen, dass die Türkei kein Mitgliedsstaat der EU werden soll, weil es "eines der größten muslimischen Länder" ist, und das möchte die FPÖ eben nicht in der Union haben. Das zumindest ist eine sehr einfache Wahrheit.

Gemeinsam gegen Weltmächte

Als "Nazis" wollten sie sich nicht beschimpfen lassen, immerhin seien sie ja demokratisch gewählte Politiker, die sich kritisch zur europäischen Idee äußern. Und das müsse man zum Beispiel Viktor Orban zugestehen, deswegen sei dieser noch kein Populist. Schulz warf ein, dass genau diese Länder, die jetzt nach Autonomie streben, die europäische Idee aber verraten würden. Die 27 Mitgliedstaaten seien nur gemeinsam stark und könnten den Weltmächten USA oder China nur gemeinsam etwas entgegensetzen. Einzeln seien sie zu klein. Davon wollte das vor Ort zusammengefundene Duo Tichy und Steger jedoch nichts wissen. Als der Journalist Sina dann noch um Verständnis warb, dass verschiedene Länder eben keine Geflüchteten aus muslimischen Ländern aufnehmen wollen, weil sie um die eigene Souveränität fürchten, hatte Schulz arge Probleme sich überhaupt noch zu beherrschen. 

Er habe kein Verständnis dafür, wenn Länder versuchen würden, sich aufgrund von Herkunft oder Religion für oder gegen Geflüchtete zu entscheiden. Alle Beitrittsländer der EU haben den völkerrechtlichen Vertrag ratifiziert und müssen nun diesem auch folgen. Rosinenpickerei zu betreiben sei unwürdig, unmöglich und gegen den europäisch einenden Grundgedanken. 

Und während Martin Schulz für die Erhaltung der Europäischen Union kämpfte und missmutig in die Runde blickte, schwärmte Wolf von Lojewski von all den "lieben Menschen" in Europa, die er in den verschiedenen Ländern so kennen würde. 

Spätestens da war dann der Punkt erreicht sich ernsthaft zu fragen: Was will man eigentlich selbst von diesem Europa? Das gilt es bis zur Europawahl am 26. Mai individuell herauszufinden.

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