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"Störtebeker": Ostern rollen Köpfe

Seit Jahren kämpfen die Fernsehsender zu Ostern verbissen um die Zuschauer. Pünktlich zum Fest bringen sie große Blockbuster. Die ARD sendet dieses Jahr einen millionenschweren norddeutschen Mantel- und Degenfilm.

Der Name Klaus Störtebeker regt auch mehr als 600 Jahre nach seiner Hinrichtung die Fantasie an. Der norddeutsche Seeräuber, der gegen die hanseatischen Pfeffersäcke und ihre Schiffe zu Felde zog, wurde am 20. Oktober 1401 im Alter von 31 Jahren geköpft. Der Hamburger Bürgermeister soll ihm versprochen haben, all jene seiner Männer am Leben zu lassen, an denen der Geköpfte noch vorbeilaufen konnte. An elf von ihnen, so besagt die Legende, ging er noch vorbei, bevor er zu Boden fiel. Trotzdem sollen auch sie hingerichtet worden sein.

Störtebeker, der die Reichen bekämpfte und mit den Armen seine Beute geteilt haben soll, ist jetzt Thema des gleichnamigen ARD-Zweiteilers, der am Ostersamstag und Ostersonntag (jeweils 20.15 Uhr) gezeigt wird. Nichts werde ausgelassen, versichert Regisseur Miguel Alexandre. Auch nicht die Szene der Enthauptung, auch nicht Störtebekers letzte Schritte. "Ohne diese Legende ins Bild zu setzen, hätte ich diesen Film nie drehen wollen", sagt Alexandre, der in Lübeck groß geworden ist, in einer Stadt, die von Störtebekers Raubzügen auch nicht verschont blieb.

Sieben Millionen Euro teures Stück

Auch Hauptdarsteller Ken Duken, unter anderem bekannt aus der ZDF-Reihe "Nachtschicht", könnte ein Nachfahrer des Piraten sein. "Generationen meiner Vorfahren waren als Seefahrer unterwegs", berichtet der in Berlin lebende Schauspieler. "Aber mein Großvater scherte aus dem Berufsbild aus." Für Duken, der am Ostermontag 27 Jahre alt wird, waren die Dreharbeiten in Litauen an der Kurischen Nehrung "die härtesten" in seinem Leben, in dem er immerhin schon 40 Filme gedreht hat. Drei Monate am Stück und fast ohne Freizeit, zwölf Stunden am Tag, wurde an dem sieben Millionen Euro teuren Stück gearbeitet.

Und nicht alles ging reibungslos vonstatten. Das Wetter spielte nicht mit, es regnete sehr oft. "Litauen heißt ja auch übersetzt: Land des Regens - das hat sich bewahrheitet", sagt Duken. "Klimaschocks" hätten die Fische getötet, Insektenschwärme hätten sich auf die Kadaver gestürzt und die Arbeiten im Wasser behindert und sogar die Sicht erschwert. Bavariafilm und Regisseur Alexandre mussten sich darüber hinaus mit einem Serviceproduzenten vor Ort plagen, der nach ihren Angaben konkrete Abmachungen nur in seltenen Fällen einhielt.

Zehn Jahre Anlaufszeit

Für Alexandre dauerten die Arbeiten inklusive der Postproduktion sieben Monate, in denen er auch nur selten seinen fünf Jahre alten Sohn sehen konnte. Dafür durfte der Knirps auch schon den Film sehen, noch bevor das TV-Publikum daran herangeführt wird. "Eine Mischung aus Mantel- und Degenfilm sowie guter Familienunterhaltung", sagt Alexandre über seinen Film. Für ARD-Programmdirektor Günter Struve ist Duken "zwar kein anthropologischer Abdruck Störtebekers, aber man hat sofort den Eindruck: Das könnte er gewesen sein."

Bei Bavariafilm wird bereits seit zehn Jahren an der Verfilmung gebastelt. Thilo Kleine, der nach der Schleichwerbe-Affäre im vergangenen Jahr entlassene Geschäftsführer, hatte das Projekt nach vorne getrieben. Sein Nachfolger, der wie Alexandre auch aus Lübeck stammende Matthias Esche, vollendete den Zweiteiler, in dem Cleire Keim, Stephan Luca und Jochen Nickel in weiteren Rollen spielen. Bei dem Fernsehmarkt MIP TV in Cannes wurde "Störtebeker" auch den internationalen Sendern unter dem Titel "The Pirate's Heart" angeboten.

Alexandre ist inzwischen zu neuen Ufern aufgebrochen: Am 20. April beginnt er in Berlin mit den Dreharbeiten zum Drama "Checkpoint Charlie".

Carsten Rave/DPA / DPA