Klaus Störtebeker Auf den Spuren einer Piraten-Legende


Das Museum für Hamburgische Geschichte besitzt wahrscheinlich den Schädel des legendären Piraten Störtebeker. Wie über 400 seiner Kollegen wurde er um 1400 in Hamburg geköpft.

Das Museum für Hamburgische Geschichte besitzt möglicherweise tatsächlich den Schädel des Seeräubers Klaus Störtebeker. Zu diesem Schluss ist ein Team von Wissenschaftlern gekommen, das fünf Jahre lang einen aufgenagelten Schädel unter die Lupe nahm, der auf dem Hamburger Grasbrook gefunden worden war. Viele Indizien passen zu dem 1400 hingerichteten Freibeuter. Das am Donnerstag im Museum präsentierte Buch "Klaus Störtebeker - Ein Mythos wird entschlüsselt" beschreibt die kriminalistische Analyse des grausigen Fundes, an der Rechtsmediziner und Biologen genauso beteiligt waren wie Museumsmitarbeiter.

Im Jahre 1878 wurden bei Erdbauarbeiten auf dem Grasbrook, dem ehemaligen mittelalterlichen Hinrichtungsplatz, zwei menschliche Schädel ausgegraben. Nach 120 Jahren hatten Historiker, Archäologen, Anthropologen und Gerichtsmediziner begonnen, mit den neuesten wissenschaftlichen Methoden das Rätsel um den berühmten Freibeuter und die Schädelfunde zu ergründen. "Die Wahrheit ist noch viel spannender als die Legende", sagte Gisela Jaacks, Direktorin des Museums für Hamburgische Geschichte.

Über 400 Piraten verloren in Hamburg den Kopf

"Wir waren anfangs sehr skeptisch, ob es sich um Störtebeker handeln könnte", sagte der Humanbiologe an der Universität Hamburg, Günter Bräuer. Sicher war zwar, dass der Schrecken der Hanse wie alle gefassten Seeräuber am Grasbrook geköpft und der Kopf auf einem Nagel am Eingang des Hafens aufgestellt wurde. Im Mittelalter ereilte jedoch mehr als 400 Piraten dieses Schicksal.

Das Forscherteam konnte nun feststellen, dass es tatsächlich der Kopf eines 25 bis 40 Jahre alten kräftigen Mannes war, der im Zeitraum zwischen 1380 und 1450 hingerichtet wurde. Störtebeker war ungefähr in diesem Alter, als er geköpft wurde. Zudem müsse es sich um den Schädel einer bedeutenden Persönlichkeit handeln, erklärte der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel. Denn bevor der Nagel in den Kopf gerammt wurde, wurde die Schädeldecke sorgfältig präpariert. "Man hat sich viel Mühe gegeben, um den Schädel zu erhalten und der Öffentlichkeit zu präsentieren."

DNA-Probe soll Gewissheit bringen

Um sicher zu gehen, wollen die Forscher versuchen, eine DNA-Probe zu nehmen und mit Personen, die heute den Namen Störtebeker tragen, vergleichen. Schon in diesem Jahr wird eine Rekonstruktion verraten, wie das Gesicht des "Haupthelden des Museums" (Direktorin Gisela Jaacks) aussah. Besonders freuen sich die Wissenschaftler darauf, ihrer Lieblingsepisode der Störtebeker-Legende auf den Grund zu gehen: Der Pirat soll nach seiner Enthauptung ohne Kopf an seiner Mannschaft vorbei geschritten sein.

Störtebeker gilt der Legende nach als berühmt-berüchtigter Freibeuter und Anführer der Vitalienbrüder, der mit seinen Männern im 14. Jahrhundert Schiffer deutscher Hafenstädte überfiel. Um 1401 soll er hingerichtet worden sein.

DPA, AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker