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Nachrichtensendung Anti-AfD-Graffiti im Hintergrund: ARD zeigt politische Botschaft in der "Tagesschau"


Eigentlich ist die ARD zur Neutralität verpflichtet. Doch in der "Tagesschau" tauchte nun ein Graffiti mit politischem Inhalt auf. Die Redaktion reagierte schnell.

Normalerweise gilt die "Tagesschau" als die seriöse Instanz schlechthin im deutschen Fernsehen – maximal nüchtern und so neutral wie möglich. Immer mal wieder schleichen sich aber auch in der ARD-Nachrichtensendung erheiternde und kuriose Momente ein. In der 20-Uhr-Ausgabe am Montag war sogar ein kleines politisches Statement zu sehen.

Als es um die Corona-Notbremse ging, blendete die Redaktion hinter Sprecherin Julia-Niharika Sen die Ansicht einer leeren Innenstadt als Symbolbild ein. Wer genauer hinschaute, konnte darauf ein politisch brisantes Graffiti entdecken: Auf einen weißen Pfosten war ein Anti-AfD-Slogan gesprüht. Unter anderem Daniel Boschmann, Moderator bei Sat.1, teilte das Bild auf Twitter – und sandte gleich "beste Grüße an die Fotoredaktion".

"Tagesschau" entfernt Anti-AfD-Parole

Im Netz sorgte die versteckte Botschaft für weitestgehend positive Reaktionen. Einige User sahen aber das journalistische Neutralitätsgebot, dem sich die "Tagesschau" als öffentlich-rechtliche Nachrichtensendung ganz besonders verpflichtet sieht, verletzt – insbesondere natürlich die AfD selbst, die den öffentlich-rechtlichen Sendern gegenüber ohnehin extrem kritisch gegenübersteht.

Mittlerweile hat auch die Redaktion von ARD aktuell, die für die "Tagesschau" verantwortlich ist, reagiert. Online ist nun ein anderes Hintergrundbild zu sehen. Auch aus der Fassung mit Gebärdensprache wurde das umstrittene Foto entfernt. Doch auch dieser Rückzieher der "Tagesschau" sorgte für Kritik, das Portal "Netzpolitik" warf der ARD "falsch verstandene Neutralität" vor.

Auch in "Polizeiruf" und "Tatort" tauchten schon politische Statements auf

Ob der Slogan den Machern der "Tagesschau" schlicht nicht aufgefallen war oder jemand aus der Redaktion die politische Botschaft in die Sendung geschmuggelt hatte, ist unklar. Laut Rundfunkstaatsvertrag sind die öffentlich-rechtlichen Sender dazu verpflichtet, "die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit der Angebote und Programme zu berücksichtigen". 

Das gilt vor allem für Nachrichtensendungen. Doch auch bei fiktiven Inhalten hat die ARD in der Vergangenheit bereits für Aufregung gesorgt. So tauchte in einer Folge des "Polizeiruf 110" 2018 für wenige Sekunden ein Anti-AfD-Sticker im Bild auf. 2019 war dann im "Tatort" ein Graffiti, das sich gegen die AfD wendete, zu sehen. Zumindest im "Polizeiruf" wurde die Szene digital nachbearbeitet und das politische Statement entfernt.

Quellen: Daniel Boschmann auf Twitter / "Netzpolitik" / "Tagesschau" / ARD

epp

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