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"Tatort"-Kritik Stochern im Nebel


Ein Fall, der zu viel wollte: Klara Blum und ihr Kollege Matteo Lüthi tappen lange im Dunkeln. Der Versuch, Schwung in den Bodensee-"Tatort" zu bringen, ging nicht auf.
Von Laura-Lena Förster

Die beiden "Tatort"-Kommissare Klara Blum (Eva Mattes) und Matteo Lüthi (Roland Koch) stochern im "Winternebel". Zwei Tote an einem Tag. Besteht da ein Zusammenhang? Ein Mann, Maschinist auf einer Bodenseefähre, ist ertrunken - aber vorher bekam er von einem Unbekannten einen Schlag auf den Kopf. Wer den anderen Mann tötete, ist dagegen bekannt: Lüthi. In Notwehr, behauptet er. Aber stimmt das auch? Oder schoss er vorschnell, weil er mit dem Mann noch eine Rechnung offen hatte? Bei dem Toten sind jedenfalls weder eine Waffe noch Schmauchspuren zu finden ...

Ein verwirrender Fall: Wieso eine Gruppe Polizisten es nicht schafft, einen Mann, der nur wenige Meter entfernt ist, festzunehmen - rätselhaft. Wieso ein Entführungsopfer, das gerade befreit wurde, unbeaufsichtigt bleibt - erstaunlich. Wieso dieser "Tatort" trotz des hohen Tempos nicht wirklich fesselte - nun, weil er zu viel wollte.

Ging es um Selbstjustiz? Um Entführung? Um Eifersucht? Um eine Tochter-Vater-Krise? Um Eheprobleme? Oder doch wieder um Entführung? Es ging um so vieles. Leider wurde kein Konflikt konsequent erzählt.

Ganz schön viel Trubel

Viele Zuschauer finden die Bodensee-Fälle zu gemächlich. Vielleicht drehten Jochen Greve (Drehbuch) und Patrick Winczewski (Regie) deshalb so auf. Nicht gleich in Til-Schweiger-Geschwindigkeit, aber für Blums und Lüthis Verhältnisse doch recht flott. Zwei Tote an einem Tag, dazu eine Entführte - ganz schön viel Trubel.

Leider war der Weg zur Lösung, der Fall an sich, recht schnell erzählt. Der Täter stand fest, das Opfer ebenfalls. Die Spannung sollte nun - vermutlich - in der Frage liegen, ob und wie die junge Frau befreit werden kann. Keine neue Idee, kann aber klappen. Klappte in diesem Fall so geht so.

Der mutmaßliche Spannungstreiber Nummer 1, die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Eltern, kam einfach zu spät, um noch zu fesseln. Der mutmaßliche Spannungstreiber Nummer 2, das Wettrennen gegen die Zeit, war spätestens nach der Verfolgungsszene in der Innenstadt unglaubwürdig. Außerdem ahnte man ohnehin, dass die Sache gut ausgehen wird.

Die Konzentration auf einen Konflikt hätte diesen durchschnittlichen "Tatort" zu einem überdurchschnittlichen machen können. Die gescheitere Tochter-Vater-Beziehung und die Emotionen, die manchmal auch Schusswaffen von ("Tatort")-Kommissaren lenken - beides interessante Ansätze. Schade, dass ihnen nicht mehr Raum geboten wurde. Die Stimmung passte zu einem Thriller. Was sich im "Winternebel" verbarg, war aber einfach zu wenig.


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