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Netflix-Serie Als Charles die Queen zum Abdanken zwingen wollte: "The Crown" zeigt fiktives Treffen mit Premier John Major

"The Crown": Prinzessin Diana (Elizabeth Debicki) und Prinz Charles (Dominic West)
"The Crown": Prinzessin Diana (Elizabeth Debicki) und Prinz Charles (Dominic West) beim Urlaub in Italien
© Netflix
Bei Netflix startet die fünfte Staffel der Serie "The Crown". Sie widmet sich den Neunzigern im britischen Königshaus. Direkt zum Auftakt sorgt eine Szene für Diskussionen, die es in der Realität so nie gab.

Die Queen geht nicht in Rente – nicht Elizabeth II. Das hat sie ihrem Volk an ihrem 21. Geburtstag in einer Rundfunkansprache geschworen. "Ich erkläre vor Ihnen allen, dass ich mein ganzes Leben, sei es lang oder kurz, Ihrem Dienst und dem Dienst unserer großen imperialen Familie, zu der wir alle gehören, widmen werde", sagte sie im April 1947.

Die Vorstellung, dass sich die Monarchin mit 65 Jahren in den Ruhestand verabschiedet, scheint völlig abwegig. Doch exakt mit diesem Gedankenspiel beginnt die neue Staffel der Netflix-Serie "The Crown".

"The Crown" bei Netflix: Fünfte Staffel zeigt Ereignisse ab Sommer 1991

Zwei Jahre ist es her, dass die vierte Staffel bei dem Streaminganbieter lief, sie endete damals mit einem Weihnachtsfest auf Schloss Sandringham im Jahr 1990. Die neuen Episoden setzen zeitlich rund sechs Monate später ein, im Sommer 1991.

Die Ehe von Prinz Charles und Prinzessin Diana liegt noch immer im Argen, auch wenn sie nach außen versuchen den Schein zu wahren und sich bei einer zweiten Hochzeitsreise in Italien als perfekte Familie inszenieren. Die Queen plant derweil ihren traditionellen Sommerurlaub auf Schloss Balmoral und hat zwischenzeitlich ihren neunten Premierminister vereidigt: Nach dem Rücktritt von Margaret Thatcher ist nun der Konservative John Major im Amt.

Für die Auftaktfolge schuf Drehbuchautor Peter Morgan eine Schlüsselszene, die für Diskussionen sorgt: Der damalige Thronfolger Prinz Charles trifft sich mit Premier Major, um eine vorzeitige Abdankung der Queen zu besprechen. Als Grundlage dient eine Umfrage, laut der die Briten die Königin als "alt, abgehoben und irrelevant" wahrnehmen würden. Charles hingegen sei "jung, modern und energisch". Tatsächlich erfreute sich der damalige Prince of Wales 1991 enormer Popularität, verdankte das in erster Linie aber seiner Frau, Prinzessin Diana – in der Serie großartig verkörpert von Elizabeth Debicki. Ein Jahr später, mit der Trennung des Paares, änderte sich das schlagartig.

Die Queen wird auf eine Stufe gestellt mit ihrer veralteten Jacht

In der vierten Staffel von "The Crown" wirkte Charles noch larmoyant und unsicher, nun spielt ihn Dominic West als intriganten Thronfolger, der sich heimlich mit dem Premierminister trifft, hinter dem Rücken seiner Mutter wichtige Entscheidungen fällt und die Königin infrage stellt. Die Queen (gespielt von Imelda Staunton) hingegen erscheint seltsam unsouverän und wird auf eine Stufe gestellt mit ihrer geliebten Jacht "Britannia", die ihre "beste Zeit hinter sich hat". Die Königin sei eine "alternde Monarchin, die zu lange auf dem Thron" sitzt, heißt es in einer Szene – so wie Queen Victoria, deren Sohn Edward VII. über 60 Jahre auf seine Regentschaft warten musste. Charles gilt ebenso als der ewige Thronfolger. Und auch Premier Major (dargestellt von Johnny Lee Miller) lässt kein gutes Haar am Hause Windsor, nennt seine Mitglieder "gefährlich verblendet und nutzlos".

Das alles ist so überspitzt, dass man es eigentlich nur für Fiktion halten kann. Der echte Premierminister John Major ließ bereits über einen Sprecher klarstellen, es habe weder ein Gespräch mit "dem damaligen Prinz von Wales über eine mögliche Abdankung der verstorbenen Queen Elizabeth II." gegeben, noch hätten er und seine Frau Norma abfällig über die königliche Familie geredet.

Ein Hinweis, dass es sich bei den dargestellten Dialogen und Gehnissen nicht 1:1 um reale Ereignisse handelt, wäre dennoch wünschenswert gewesen. Den findet man trotz aller zuvor laut gewordener Kritik im Vor- oder Abspann nicht.

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