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"The L Word" - Deutschlandpremiere: "Sorry... you're a homo"

Es geht um Frauen, um Brüste, um Lust - entsprechend sehnsüchtig hat die lesbische Community die Deutschland-Premiere von "The L Word" auf ProSieben erwartet. Direkt nach Sendeschluss quollen die Internet-Foren über.

Von Caroline Werner

"Ich möchte, dass Deutschland um 22.15 Uhr verrückt wird und ProSieben guckt. Dass sich Frauen fragen: Was ist Lust? Was ist Erotik? Kann ich so etwas auch empfinden?" Nicht jede Frau reagierte so euphorisch auf die Deutschland-Premiere von "The L Word", der ersten, ernstzunehmenden TV-Serie über und für Lesben. Aber in den Internet-Foren war zu lesen, dass sich viele zu spontanen TV-Parties verabredeten, selbst wenn sie die Serie - die in Amerika schon bald in der vierten Staffel läuft - im Orginal schon gesehen hatten. Und zwar nicht einmal, sondern eher fünf bis sieben Mal. In der Community gilt die Serie als Offenbarung.

Das Medienspektakel vor der TV-Premiere heizte die Interesse zusätzlich an. Die "F.A.Z." kam philosophisch daher ("Worüber Adorno und Hausfrauen sprechen könnten"), die "Berliner Morgenpost" räusperte sich ("Ein Buchstabe für ein Tabu"), die "Süddeutsche" ließ verlockende Details durchblicken ("Es dauert nämlich nur 24 Stunden, da haben auch Bette und Tina, die lesbischen Nachbarinnen, Jenny - oder vielmehr 'ihre Brüste' - mit Interesse wahrgenommen."). Lächelnd sah die Leserin die BZ fragen: "Kann ich meinen Mann die Lesben-Serie gucken lassen?" Ja, unbedingt - denn "The L Word" ist "ungeheuer sexy", wie Spiegel-Online meint.

"Bestimmt kommt die Outing-Welle"

Keine also, die nichts von "The L Word" wissen wollte, und erwartungsgemäß quollen die Internet-Foren der lesbischen Szene nach der Premiere über. Wer hat's gesehen? "Ich"..."ich auch"..."zum 12583023847 mal"..."Und bestimmt auch ganz viele heimlich"..."bestimmt kommt die Woche ne riesen Outing-Welle"..."gibt’s eine Wiederholung?"..."super"..."bloß wir warten schon auf die dritte staffel"..."aber jetzt hab ich echt Bedürfnisse"..."ich habs auch gesehen, aber mit Schweppes-Gesicht wegen der bescheidenen Übersetzung"..."Original ist besser"..."habs auch geguckt und die serie gleichzeitig drei Männern erklärt"..."The L-Word war ok, aber Queer As Folk rocks!"..."Frage ist, wer sich outet"..."me too. und endlich mal alles verstanden!" Die Zustimmung und Begeisterung war riesig. "Lesarion", das wohl populärste Lesbenforum im Netz stellte die Frage "Gibt es noch ein Eigenleben neben der Serie?"

Selbst die Mitglieder des "Anti-L-Word-1. Staffel-Club", von denen harsche Kritik zu erwarten war, sind sich durchaus uneins. "Es nervt schon, obwohl ich es noch gar nicht gesehen habe...", ist im Forum zu lesen. Aber die Antwort ließ nicht auf sich warten: "da bist du wohl alleine...du hast nur die erste Staffel gesehen? Dann kannst du doch ohnehin nicht richtig mitreden". Weiter unten im Thread stellt sich heraus, dass der Anti-Club mehr ironisch zu verstehen sei, denn "ich liebe diese Serie und alle die ich kenne auch...". Und wer sich trotzdem mokiert, dass "The L Word" nur "eine für Lesben adaptierte Hetenserie" sei, der nimmt sich nach Meinung der Pro-L-s "viel zu ernst und hört sich ziemlich frustriert an".

Vor dem TV-Start gab es auch ein Leben

Und nun? Die erste Aufregung ist verflogen, auch die Debatte darüber, warum ProSieben die Serie vom ursprünglich geplanten Ausstrahlungstermin im Herbst auf die WM-Phase vorgezogen hat. Nun kann "The L Word" weiter ihren Effekt entfalten, lesbisches Leben normalisieren und zugleich auf den Kopf stellen. Denn die wenigsten Lesben wollten bisher weiblich werden oder gar sexy, wild und intelligent auftreten. Die "L Word"-Ladies aber sind genau das. Sie sind "Homos" - also Menschen.

Nachtrag der Autorin, 1.6., 17.06 Uhr: Um Missverständnissen vorzubeugen: Der Schluss-Satz soll nicht "normale" Lesben ausgrenzen - sondern die L Word-Frauen eingrenzen. Sie sind feminin, anders, aber eben Menschen wie Du und ich.