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"Wetten, dass ..?" im Quotentief: Die ermattete Familienshow

Plumpe Witze, maue Quote: "Wetten dass ..?" schwächelt wie nie. Doch die Zuschauerentwicklung über die drei Stunden zeigt: Die ZDF-Show ist noch nicht am Ende. Und dann ist da noch Michelle Hunziker.

Von Kathrin Buchner

Allzeittief beim ZDF: Es war die niedrigste Einschaltquote in der Geschichte von "Wetten, dass ..?". Nur 7,8 Millionen Zuschauer wollten Gottschalks Revival-Party für ältere Semester sehen. Mit einem Marktanteil von 25,3 Prozent brachte der Showmaster die Führung noch ins Ziel, doch die Konkurrenten sind in Sichtweite. Verheerend ist vor allem der Abstand zur Sendung im Januar dieses Jahres, als das ZDF-Flaggschiff sich über die Marke von zehn Millionen retten konnte.

Diesmal wurde die familientaugliche Unterhaltungsshow allerdings kräftig in die Zange genommen. RTL konkurrierte mit Dieter Bohlen und "DSDS", bei der ARD gab es Olympia-Berichterstattung. Dort fieberten fast sechs Millionen Zuschauer nach 22 Uhr bei der Entscheidung im Viererbob mit. Noch im Januar gelang es Gottschalk, Bohlen deutlicher auf Distanz zu halten: mit zehn gegen 7,09 Millionen Zuschauern. Bei der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen hat "DSDS" dagegen die Nase deutlich vorn. Nur 20,2 Prozent der jüngeren Zuschauer sahen "Wetten, dass ..?", während 27,8 Prozent die Castingshow verfolgten. Und das, obwohl Bohlen mit diesem Wert erstmals unterhalb der 30-Prozent-Hürde blieb und das bisher schlechteste Ergebnis der neuen Staffel hinnehmen musste.

Quotenmisere und Qualität stehen nicht zwangsläufig in Relation

Doch woran liegt das Quoten-Fiasko? An der Qualität der Sendung? Gottschalk, der einst so spritzig mit flotten Sprüchen parierte, wirkte fahrig und überfordert. Kaum ein Gag gelang ihm, er verlor sogar die Kontrolle über seine Gäste. Den aufgedrehten Schauspieler Matthias Schweighöfer stutzte er wenig charmant zurecht: "Du stiehlst mir die Show." Sophia Loren musste sich einen plumpen Witz Gottschalks über die Ohrstöpsel anhören: "Ich dachte, es sei ihr Hörgerät." Kevin Costner zeigte ihm die Allüren eines abgehalfterten Hollywoodstars. Die Bühnendekoration für seine Gesangseinlage hatte ihm nicht gepasst, und so verschwand Costner alsbald nach seinem Auftritt. Vorher leistete sich Gottschalk aber noch einen drastischen Fauxpas, der tief blicken ließ in die mangelnde Vorbereitung des Moderators: Er sang ein Hohelied auf Costners "Waterworld", der als einer der größten Rohrkrepierer der Kinogeschichte gilt. Noch einen drauf setzte er bei der Baggerfahrer-Wette: "Wenn Frau Käßmann noch entgegenkommt, dann wird es natürlich ganz schwierig." Für diesen Witz entschuldigte er sich sogar via "Bild"-Zeitung.

Dennoch: An mangelnder Qualität der Sendung kann die Quotenmisere nicht liegen. Die Zahlen der Fünf-Minuten-Auswertung, die stern.de vorliegt, belegen: Die 19- bis 49-jährigen Zuschauer schalteten zwar erst später ein, blieben dann aber konstant bis zum Schluss dabei. Lag die Quote in dieser Zielgruppe um 20.15 Uhr lediglich bei 1,26 Millionen Zuschauern, erreichte sie um 21.45 Uhr mit 2,92 Millionen den höchsten Wert - just nachdem die Übertragung des spektakulären Eisschnelllauf-Halbfinales mit Anni Friesinger beendet war.

Das heißt: Es liegt weder an Gottschalk noch an der Besetzung der Gästecouch, wenn die Sendung schlechte Quoten hat. Vielleicht ist die Zeit der Samstagabendshow für die gesamte Familie einfach vorbei.

Immerhin einen Lichtstrahl am Horizont gibt es für Gottschalk: Michelle Hunziker hat bereits eine Verlängerung ihres Vertrags unterschrieben. Die 33-jährige Schweizerin wird bis Herbst 2011 den alternden Showmaster mit ihrem sonnigen Gemüt und dem tiefen Dekolletée dabei unterstützen, die Zuschauer bei der Stange zu halten.

Mitarbeit: Mark Stöhr