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"Wetten, dass..?": Gottschalk geht - wer kommt?

Niemand will den wichtigsten Fernsehjob Deutschlands machen. Kerkeling hat abgesagt, Lanz will auch nicht, Pilawa sagt penetrant: kein Thema. Dabei handelt es sich um einfache Arbeit bei hohem Lohn.

Gelegenheitsjob, rund 18 Arbeitstage im Jahr, deutsche Sprachkenntnisse unabdinglich, Knigge-Grundkenntnisse erwünscht, aber nicht erforderlich, wohl aber eine gute Prise Humor. Verdienst: Etwa 600.000 Euro, sechs Einsätze im Jahr. Interessenten sollten sich noch möglichst in diesem Jahr beim ZDF melden.

So könnte eine Stellenanzeige für einen der lukrativsten Posten im deutschen Fernsehen aussehen: Die Moderation der ZDF-Show "Wetten, dass..?", die nach Thomas Gottschalks letztem Auftritt an diesem Samstag vakant wird. Zu besetzen ist der Moderationsjob offenbar nur unter schwierigsten Bedingungen, denn geeignete Kandidaten sind rar.

Nach der öffentlichen Absage von Entertainer Hape Kerkeling in der Ausgabe vom 5. November in Leipzig brodelte es wieder munter in der Gerüchteküche. Markus Lanz und Johannes B. Kerner wurden erst am vergangenen Wochenende wieder ins Spiel gebracht. Lanz verkündete danach seinen Verzicht, Kerner noch nicht. Vielleicht reicht das schon als Zusage.

Warnung von Götz Alsmann

Programmdirektor Thomas Bellut gab gleich nach Kerkelings "Nein" einen leisen Hinweis darauf, dass vielleicht auch ein Duo auf Gottschalk folgen könnte. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf oder gar Anke Engelke und Bastian Pastewka? Und wie wäre es mit dem ARD-Überläufer Jörg Pilawa? Der bleibt bei seinem gebetsmühlenartigen "kein Thema".

Das Problem: So leicht der Job wirkt und so wenig arbeitsaufwendig, so leicht kann ein gestandener TV-Entertainer seinen Ruf damit ruinieren. Der Musiker und Moderator Götz Alsmann warnt vor dem Risiko, die Nachfolge von Gottschalk anzutreten. "Egal, wer es macht, es ist wahrscheinlich ein Himmelfahrtskommando", sagte der WDR-Moderator ("Zimmer frei") in der RBB-Sendung "Thadeusz".

Nichts ist in den vier Wochen seit Kerkelings Absage geschehen, zumindest öffentlich. Trotzdem steht Belluts Bekundung im Raum, noch im Dezember eine neue Besetzung für "Wetten, dass..?" finden zu wollen, damit die Sendung nach einer Überarbeitung und Neuausrichtung rund ein halbes Jahr später fortgesetzt werden kann.

Gottschalks Schuhe sind sehr groß

Kerkelings Absage traf den Sender ins Mark. Der 46-Jährige hatte als Begründung angeführt, er wolle den Rücken für andere Projekte frei haben. Aber ist das die ganze Wahrheit? Letztlich ist "Wetten, dass..?" tatsächlich eine äußerst effektive Aufwand-Ertrags-Rechnung für den Protagonisten. Und man kann noch eine Menge anderer Dinge machen.

Welcher Grund mag Kerkeling aber noch zum Verzicht bewogen haben? Vielleicht die Rolle, die die Firma Dolce Media mit Gottschalks Bruder Christoph als Geschäftsführer spielt? Sie hält die Vermarktungsrechte an der Show und hat ein Wörtchen bei der Gestaltung mitzureden. Vielleicht hat diese Vorstellung einem Kerkeling nicht geschmeckt.

Kerkelings Nichtwollen beweist aber auf jeden Fall: Der Schuh Gottschalks ist wahnsinnig groß. Und wenn schon Kerkeling zu viel Spielraum darin empfindet, geht es anderen Kandidaten erst recht so. Die wichtigste Personalie und ihre Lösung wird zwangsläufig für den Nachfolger zu einem Spießrutenlauf werden und das ZDF in Erklärungsnöte bringen - warum ausgerechnet die oder der?

Gottschalk hält sich raus

Gottschalk beobachtet, wie er sagt, den Vorgang, der in seiner medialen Präsenz an die Kanzlerwahl oder auch Bundestrainer-Ernennung ranreicht, amüsiert. "Jetzt wollen die einen, dass ich weiter mache, und die anderen reden sich die Köpfe heiß, wer denn diesen Unterhaltungsdampfer durch eine Zukunft steuern könnte, die man ihm eigentlich gar nicht mehr zugetraut hat", sagt der 61-Jährige im dpa-Interview. Er selbst werde es sich aber nicht anders überlegen.

In die Personal-Spekulationen möchte sich Gottschalk, dessen Abschieds-Entschluss nach dem Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch am 4. Dezember 2010 heranreifte, nicht einmischen. "Was den Namen eines möglichen Nachfolgers betrifft, werde ich mich vornehm zurückhalten", sagt er und schließt damit nicht aus, vielleicht doch ein bisschen mehr zu wissen. "Helmut Schmidt würde auf jeden Fall Herrn Steinbrück empfehlen."

Beim ZDF laufen die Vorbereitungen auf die letzte Show mit Gottschalk 24 Jahre nach seiner Premiere wie üblich. Als Gottschalk 1992 das erste Mal "Wetten, dass..?" verließ, saß bei der letzten Ausgabe der neue Mann (Wolfgang Lippert) schon unter den Gästen. An diesem Samstag hockt neben Rockmusiker Lenny Kravitz, Modeschöpfer Karl Lagerfeld, den Schauspielern Iris Berben, Til Schweiger und Jessica Biel sowie Sänger Meat Loaf auch TV-Moderator Günther Jauch neben Gottschalk auf der Couch...

Carsten Rave, DPA / DPA