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TV-Kritik

"Anne Will": CDU und Grüne - wo sind da die Unterschiede?

Wie viel Grün steckt in Schwarz? Wolfgang Schäuble und Cem Özdemir zu Gast bei Anne Will: Diskutierten hier zwei künftige Koalitionspartner? Vielleicht. In vielen Punkten waren sich die beiden Politiker sehr einig.

Von Andrea Zschocher

Für die "Anne Will"- Zuschauer wurde klar: so viele Unterschiede gibt es zwischen den Parteien gar nicht

Für die "Anne Will"- Zuschauer wurde klar: so viele Unterschiede gibt es zwischen den Parteien gar nicht

"So langsam muss man sich mal entscheiden, wen man wählen will", eröffnete ihren Talkabend mit dem Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und dem Parteivorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir. Ob die Wahl nun überhaupt auf CDU oder die Grünen fällt, ist selbstverständlich die Entscheidung des Einzelnen. Allerdings ergab eine Forsa-Umfrage, dass jeder zweite Deutsche sich dafür ausspricht, dass die Grünen an der kommenden Regierung beteiligt sind. Auch unter den Unionsanhängern können sich 49 Prozent der Befragten eine Koalition vorstellen. Das warf für Will die Frage auf: "Wie viel Grün steckt in Schwarz"?

Anne Will: Mögliche Koalition von Schwarz-Grün?

wollte den ganzen Abend über nicht auf diese Frage antworten, während Wolfgang Schäuble nicht müde wurde, darauf zu verweisen, dass am Ende die Wähler ihre Entscheidung treffen werden, egal was das Ergebnis dieser Talkshow sei. Für die Zuschauer aber wurde klar: so viele Unterschiede gibt es zwischen den Parteien gar nicht. Beide Parteien wollen, wie selbstverständlich alle zur Wahl stehenden, mit der größtmöglichen Mehrheit gewinnen. Schäuble erklärte, dass die daraus entstehende Verantwortung, das Vertrauen der Wähler nicht zu enttäuschen, aber über den Eitelkeiten einzelner Politiker stehen müsse. Der "demokratische Respekt" sollte walten, wenn es um mögliche Koalitionspartner ginge, weswegen er zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Prognosen abgab, wer am Ende mit wem ins Gespräch gehen wird. Es war dem CDU-Mann nur der allgemeine Ratschlag zu entlocken, dass man von den eigenen Vorstellungen nur so viel umsetzen kann, "wie die Wähler einem zugestehen".

Dabei sprach der Politiker vor allem davon, dass 2013 schon einmal die Möglichkeit einer schwarz-grünen Koalition im Raum stand, die von Seiten Trittins aber abgelehnt wurden. Statt, wie von angeboten, einfach "ja" zu sagen, weigerten sich die Grünen. Ob dies im konkreten Fall auch 2017 wieder passieren wird, ist offen. Für Özdemir unerlässlich sei im Falle einer Koalition das Zugeständnis, dass die Verbrennungsmotoren, von denen sich insbesondere die CSU nicht trennen will, abgeschafft werden. Stand als Datum das Jahr 2030 im Raum, wurde das bereits in der Talkshow aufgeweicht. Nur auf mehrfache Nachfrage Will's rang sich der Grünenpolitiker zu einem "Ich will 2030" als Bekenntnis durch.

Grüne für Klimaschutz – Union muss mal überlegen

Das Thema emissionsfreie Autos, die Abschaffung von Verbrennungsmotoren und nachhaltige Automobilindustrie war für Özedmir das bestimmende Thema des Abends. Sehr bemüht und mit teils kruder Argumentation wie dem Hinweis, dass sein siebenjähriger Sohn auf Höhe eines Auspuffrohres stehen würde, brachte der Grüne wieder und wieder das Thema aufs Trapez. belächelte diese Versuch. Der Politiker, der seit 1972 politisch arbeitet, wird in seiner Laufbahn sicher schon einiges gehört und gesehen haben. Auch er ließ sich aber nicht zu einem klaren Statement verleiten. "Die Verbraucher kaufen die Autos, die sie kaufen", sagte der Finanziminister und stahl sich so aus der Verantwortung. Denn klar ist ja auch: Verbraucher können nur das kaufen, was auf dem Markt verfügbar ist. Und ein Elektroauto, was nirgendwo geladen werden kann, nützt auch dem größten Umweltfreund nicht viel. Die Infrastruktur für alternative Mobilität muss überdacht werden, damit Kunden überhaupt die Möglichkeit haben, sich an Alternativen zu orientieren.

"Lichtgestalt" Angela Merkel

Neu dürfte der Lobgesang von Özdemir auf die Bundeskanzlerin gewesen sein. Von der "Lichtgestalt" Merkel war da die Rede, der Grüne lobte die Arbeit über alle Maßen. Und er mahnte dennoch an, dass die von den Grünen abschreiben würde. Es sei also mehr grün in schwarz als umgekehrt. Cem Özdemir positionierte seine Partei als die meinungsmachende im Land, es müsse "eine Partei, die sich als Antreiber sieht" geben, eine, die auch die Art der Politik ändert. Das wäre, nach eigener Aussage, eben seine Partei.

Der grüne Politiker wünschte sich die Abschaffung der "Ressortzuständigkeiten", die würden zu permanentem Ausbremsen von Ideen führen. Nach dieser Argumentation ging es mal wieder um sein Lieblingsthema, dem Klimaschutz durch Elektromobilität und emissionsfreie Autos.

Zukunftsträchtige Politik bei Union und Grünen

Ob die Union nicht zu einer Partei wird, die "beliebig" sei, wollte Anne Will vom CDU-Mann wissen. Der erklärte, dass die Neuerungen, wie beispielsweise die "Ehe für alle" ein Lernprozess seien, bei dem die Mehrheit innerhalb der Partei ihn überstimmt hätte. Er hätte die Entscheidung mit seinen Kindern diskutiert, weil es für ihn wichtig sei mit der Zukunft zu diskutieren, nicht mit der Vergangenheit. An dieser Stelle hätten die beiden Männer auch einander auf die Schulter klatschend hinter der Bühne verschwinden können, denn auch Özdemir wurde nicht müde darauf zu verweisen, dass die Grünenpolitik auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sei und stets die Kinder und Kindeskinder im Blick habe. 


Cem Özdemir mag an diesem Abend das Gefühl gehabt haben, dass die Wahl bereits zu seinen Gunsten entschieden sei, jedenfalls verhielt er sich so. Er komplimentierte Schäuble zu seinen klugen Sätzen und Ansichten, wies dann aber darauf hin, dass die Grünen es seien, die dann die Einhaltung der schlauen Ideen überwachen müssten. Diese "besserwisserische Attitüde" ging dem Finanzminister irgendwann auf die Nerven, in wenigen Sätzen zeigte er, dass auch ohne die Grünen in der Regierungsverantwortung die Politik der letzten Jahre viele Veränderungen errungen hatte.

Am Ende von "Anne Will" war vor allem klar: die beiden Politiker haben mehr gemeinsam als sie zugeben wollten. Wahlen werden dieser Tage vielleicht auch weniger durch Gemeinsamkeiten, sondern eher durch Abgrenzung gewonnen, weswegen das Thema Auto für Cem Özdemir so zentral war. Hier konnten sich die Grünen von den Schwarzen distanzieren. Bei vielen anderen Themen ist die inhaltliche Nähe einfach zu groß. 

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