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Stern Logo "Bauer sucht Frau" - Landwirte suchen ihr Liebesglück

Erfolgsgeheimnis von "Bauer sucht Frau": Tröstender Blick auf Liebes-Tölpel

Heute Abend bittet RTL zur Landlust-Partie: Wieder werden bei der neuen Staffel von "Bauer sucht Frau" Millionen dem tolpatschigen Liebeswerben einiger Landwirte zusehen. Warum eigentlich?

Von Bernd Gäbler

Seit die Sendung "Bauer sucht Frau" im Jahre 2005 auch in Deutschland startete, sind die Repräsentanten der Bauern sauer. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner missfällt, dass Bauern "wie einsame Trottel" dargestellt werden. Und Gunther Hiesland von der Landjugend beklagt: "Der Sender verfälscht das Bild des Bauern." Aber in dem Format, das "Doku-Soap" heißt, steckt eben wenig Doku. Darauf kommt es auch gar nicht an. Wichtig ist, dass es die Menschen, die da gezeigt werden, tatsächlich gibt. Der Erfolg von "Bauer sucht Frau" hat auch nichts mit der stressfreien Stille des Landlebens, der natürlichen Alternative zur urbanen Hektik, gar der Entschleunigung in Zeiten rasender Globalisierung zu tun - Faktoren, die viele als Basis des Erfolgs der Zeitschrift "Landlust" ausmachen. Nein, hier sind Rindvieh und Stall, Hof und Acker nur die Folie für das Eigentliche: Es geht um die Liebe.

Schier unerschütterliche Alliterationen

Wichtig ist das Bäuerliche bei "Bauer sucht Frau" nur, weil dadurch eine Gegenwelt charakterisiert wird, die eins garantiert nicht ist: hip und cool. Das Personal ist ganz anders als sonst, wenn es um die Liebe geht, sei es in TV-Serien oder in romantischen Komödien. Da geht es flott und schick zu. Die Menschen, die sich da umkreisen, sind attraktiv und helle. Ganz anders der "raubeinige Rinderwirt" Bernhard, der "fesche Friese", "schüchterne Schwabe" oder "gemütliche Gemüsebauer", wie die Kandidaten mit schier unerschütterlichen Alliterationen charakterisiert werden.

Manche sind so furchtbar naiv, dass man sie gleich vor den bösen Fernsehleuten in Schutz nehmen möchte, die nicht zögern, Quietschgeräusche unter die Bewegung ihrer unförmigen Körper zu legen. Sie zeigen weidlich, wie sich "die Frau" im Stall macht, wie der Wurstsalat feierlich angerührt wird und aus dem Entkorken des Billig-Sekts eine komplizierte Operation wird. Für ihre Sehnsucht haben diese schwer vermittelbaren Menschen kaum eine Sprache. Von ihrer anrührenden Hilflosigkeit geht meist eine sentimentale Keuschheit aus, wenn sie sich liebestrunken umständlich zur Nacht in getrennten Federbetten verabschieden - unterlegt mit möglichst gängiger Kuschelmusik. Dabei geht es doch immer nur um das Eine: einen Partner zu finden und ihn zielbewusst zu umwerben.

Trost ist der Lohn fürs Zugucken

Aber sind wir in Liebesdingen nicht alle ziemliche Trottel? Wie gerne wären wir elegant, charmant, höflich und doch magnetisierend, respektvoll und überwältigend zugleich. Durch das Zusehen können wir uns messen. Wir werden Zeuge ungelenken Liebeswerbens und können uns recht sicher sein: Nein, so trampelig wie die Gezeigten sind wir wohl doch nicht. Dieser Trost ist der Lohn für unseren Voyeurismus. Wir können Mitleid empfinden oder Scham für die, die sich da aneinander abmühen. Wie sie sich Herzchen zeigen und Tiere streicheln.

Wir können es unmöglich finden, wie das Fernsehen Menschen von geringem Verstand vorführt. Wir können die TV-Strategen durchschauen, wie sie mal eben Melanie vom Schwesterformat "Schwiegertochter gesucht" in die Welt der Äcker und Auen implantieren und Tine Wittler dabei helfen lassen, einen Hof wieder auf Vordermann zu bringen. Wir können uns über Inka Bause erregen, jene ehemalige Ost-Schlagersängerin, ohne deren forsches Führen "Bauer sucht Frau" kaum so perfekt funktionieren würde. Roboterhaft hartnäckig und unbedingt ironiefrei imitiert sie Lockerheit im Dauerton, bis man am Ende fast bereit ist zu glauben, ihr ginge es um das Glück der mit 150 Euro Tagessatz entlohnten und gründlich gecasteten Kandidaten.

Da ist ein Glück, das wir gönnen können

Und tatsächlich: Nichts wäre diese Sendung, bestünde sie nur aus dem Scheitern. Die Häme würde wohl überhand nehmen. Aber nicht nur für den italienischen Holzbauern Maurizio öffnet sich die Tür zum Glück. "Pferdewirtin Berit" und der "Schweißer Stefan" wurden ein Paar, Willi und Karola ebenso - warum sollen es da in der neuen Staffel nicht auch der "romantische Bio-Bauer Johannes", der "blonde Tierfreund Holger" oder "Lämmes, der ehrliche Schäfer" schaffen? Kommt es nach allen Hindernissen, Missverständnissen, Rückschlägen und Demütigungen zum Happy End, dann brechen bei Regie, Musik und Inka Bause regelmäßig alle Dämme. Zu Klängen von Richard Clayderman, Foreigner oder den Tremeloes werden Schmalz und Kitsch in schier unerträglicher Überdosis verabreicht.

Die "Bauer sucht Frau"-Welt ist eine gemachte Welt, zu deren Konzept aber die Hoffnung gehört, dass es einzelnen der bäuerlichen Exemplare gelingt, aus ihrer Show auszubrechen. Das ist der Augenblick: Wenn Josef und Narumol plötzlich strahlend voneinander schwärmen, spürt der Zuschauer, dass sie andere geworden sind, weil sie sich haben. Selbst wenn es durch diese absurde Sendung zustande gekommen ist - da ist ein Glück, das wir beiden von Herzen gönnen. Der Mensch ist böse und voyeuristisch, hämisch und herablassend - aber er will auch Trost und Teilhabe am Glück. Auch so ist er gestrickt. Darum ist "Bauer sucht Frau" erfolgreich.

P.S.: Werden Sie heute Abend einschalten oder lässt Sie die Suche nach dem bäuerlichen Liebesglück kalt? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook.