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Bayerischer Rundfunk sucht neuen Intendanten: Merkels Sprecher hat nur einen Gegenkandidaten

Der Chef des Bundespresseamtes in Berlin, Regierungssprecher Ulrich Wilhelm, ist offiziell Kandidat für die Nachfolge von Thomas Gruber als Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR).

Der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, hat jetzt offiziell seine Kandidatur als Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) erklärt. Einziger Gegenkandidat ist der von den Grünen unterstützte Landtagskorrespondent des BR-Hörfunks, Rudi Erhard, wie der Sender am Donnerstag in München mitteilte. Der Nachfolger des 66-jährigen BR-Intendanten Thomas Gruber soll im Mai oder Juni vom Rundfunkrat gewählt werden und sein Amt am 1. Februar 2011 antreten.

Der Jurist Ulrich Wilhelm war BR-Redakteur und dann Sprecher des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, bevor Bundeskanzlerin Angela Merkel ihn 2005 als ihren Sprecher nach Berlin holte. Das 48-jährige CSU-Mitglied gilt als Favorit, obwohl auch die bayerische FDP Bedenken gegen einen direkten Wechsel vom Amt des Regierungssprechers in das des BR-Intendanten geäußert hat.

Die vier Rundfunkräte der Grünen, der Freien Wähler, des DGB und des Schriftstellerverbands kritisierten am Donnerstag ein "abgekartetes Verfahren" und erklärten ihre Unterstützung für den Hörfunkreporter und langjährigen Vorsitzenden der bayerischen Landtagspresse, Erhard. Obwohl Wilhelms professionelle Erfahrung und seine menschlichen Qualitäten außer Frage stünden, sei er zu eng mit CSU, Landes- und Bundesregierung verknüpft.

Der Intendant wird von den 47 Rundfunkräten mit einfacher Mehrheit gewählt. Zwei Drittel der Mitglieder seien parteipolitisch unabhängig, betonte der Rundfunkratsvorsitzende Bernd Lenze am Donnerstag und verwahrte sich "gegen die Diktion, die Partei X oder Y schlage einen Kandidaten für die Intendantenwahl vor". Einige unabhängige Rundfunkräte seien empört über die Debatte, und er selbst sei verwundert, wie sehr die Wahl zu einem parteipolitischen Thema gemacht werde, sagte Lenze.

Der Ältestenrat des BR-Rundfunkrates werde am (morgigen) Freitag über den Wahltermin entscheiden, teilte der BR mit. Wahrscheinlich seien der 6. Mai oder der 17. Juni. Üblicherweise hielten die Kandidaten eine Bewerbungsrede, dann folge eine Aussprache. Der Intendant wird für fünf Jahre gewählt. Bei der letzten Wahl vor zehn Jahren hatte sich Gruber gegen Stoibers Kandidaten Gerhard Fuchs durchgesetzt. Nur acht der 47 Rundfunkräte sind CSU-Abgeordnete, die Mehrheit der Rundfunkräte sind von gesellschaftlichen Gruppen, Verbänden und Vereinen entsandt worden.

APN/DPA / DPA