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TV-Kritik "Anne Will": Pegida, Burka, Deutschpflicht - bisschen viel Gesprächsstoff

Wie viel Fremdheit verträgt Deutschland? Anne Will und ihre Gäste sprachen über das Bündnis Pegida und das Burka-Verbot. Ein bisschen viel Gesprächsstoff für eine Stunde Talk.

Anne Will soll an ihren alten Sendeplatz zurückkehren

Anne Will soll an ihren alten Sendeplatz zurückkehren

Dass es in Anne Wills Studio am Mittwochabend nicht so wirklich hitzig wurde, mag daran liegen, dass die Talk-Gäste sich alle recht einig waren - einfach deshalb, weil kein Pegida-Befürworter unter den Diskutanten war. Das hatte die ARD - wie zu erwarten - nicht hinbekommen.

So stellten sich also Andreas Scheuer (verantwortlich für den jüngst viel diskutierten und belachten Leitantragsentwurf auf Deutschpflicht in der Familie), Grünen-Politikerin Renate Künast, Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor (die "sogar Deutsch" sprach, wie sie bei einem Rede-Duell mit Scheuer ironisch anmerkte), Politikwissenschaftler Werner Patzelt und (warum auch immer) Vera Lengsfeld, DDR-Bürgerrechtlerin, Wills Fragen.

"Den Islam" mal schnell durchdiskutieren

Und die fragte so einiges zum Großthema "Islam". Es ging ihr zunächst um den Leitantragsentwurf der CSU, dass Ausländer auch privat nur Deutsch miteinander reden sollen, mit dem sich die CSU "zum Horst gemacht" habe, so Will. ("Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen", hieß es in dem Antrag.)

Dann das Burka-Verbot in der Öffentlichkeit - auch mit Blick auf das umstrittene Niqab-Hausverbot an der Bodelschwingh-Grundschule in Essen. Und schließlich noch Pegida: Wogegen demonstrieren die Befürworter des Bündnisses eigentlich? Gegen den Islam? Gegen Überfremdung - was auch immer damit genau gemeint ist? Gegen Asylbewerber in Deutschland? Gegen Flüchtlingspolitik?

Pegida-Anhänger bleiben ungehört

Tja, das war schwierig zu klären,da sich dazu in der Sendung gar kein Anhänger des Pegida-Bündnisses äußern mochte. Die Demonstranten sprechen nicht mit der Presse, und unter den Gästen in Wills Runde mochte sich auch niemand als Sympathisant zu erkennen geben: Pegida ist zu rechts, als dass man das gutheißen könnte, lautete der Tenor.

Schade eigentlich. Eine Diskussion mit Beteiligten wäre sicher lebhafter geworden als die auch bei Will schon oft gehörten Klischees. So bleiben die "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" weiter weitgehen unbekannte Wesen.

jen