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Deutscher Comedypreis 2011: Olle Kamellen

Nicht witzig: Mario Barth hat zum siebten Mal den deutschen Comedypreis gewonnen. Auch die anderen Preisträger waren alte Bekannte. Witzigste Frau Deutschlands ist mal wieder Cindy aus Marzahn. Schade, dass davon in Köln nichts zu spüren war.

Es hätte der beste Scherz des Abends werden können, als Komikerin Mirja Boes verkündete: Bastian Pastewka sei der beste deutsche Schauspieler. Aber das war nun ausnahmsweise mal ernst gemeint. Die Jury des Deutschen Comedypreises 2011 hatte nach reiflicher Überlegung so entschieden. Am Freitagabend präsentierte Dieter Nuhr die mehrstündige Show voller Fäkalhumor und Zoten bei RTL.

In insgesamt 15 Kategorien wurden die Besten ihres Fachs mit dem Comedypreis geehrt. Elf von ihnen wählte eine unabhängige Fachjury unter dem Vorsitz von Entertainer Thomas Hermanns aus jeweils drei Nominierten. Die übrigen ernannte der Veranstalter.

Überraschungen gab es keine - wohl ein deutliches Zeichen für die nachhaltige Qualität der Preisträger der vergangenen Jahre. So gewannen Sat.1 und Annette Frier - wie schon 2010 - mit "Danni Lowinski" als bester Comedyserie. Anke Engelkes Sat.1-Sendung "Ladykracher" erhielt zum fünften Mal eine Auszeichnung, Mario Barth erhielt seinen siebten Preis. Atze Schröder sackte die Trophäe zum dritten Mal ein, ebenso Bastian Pastewka. Zum dritten Mal in Folge hat Cindy aus Marzahn den Deutschen Comedypreis als beste Komikerin erhalten. Bester Komiker wurde Bülent Ceylan.

Anmoderiert wurden die einzelnen Verleihungen von diversen Laudatoren, die mit ihren Witzen vorzugsweise unter der Gürtellinie blieben - allen voran Chefmoderator Dieter Nuhr. Besonders gern verband er Geschlechtsverkehr mit tagespolitischen Themen zu immer neuen verbalen Entgleisungen. Scherze abseits der Intimzone fielen so aus: "Haiti hatte Cholera, das war auch nicht schön, aber wir haben E10!"

Bunga Bunga in Köln-Ossendorf

Erfolgreich passten sich diesem Niveau auch Komikerkollegen wie Olaf Schubert an, der die Voraussetzungen für einen guten Comedian pries: Man brauche "einen Kopf, der denken kann, einen Bauch, auf den man hören kann, und eine Vorhaut, die man zurückziehen kann".

Einen solchen Scherz zu toppen schien unmöglich - nicht jedoch für Dieter Nuhr, der schließlich verbal im Sexualleben des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wühlte, während Tricktechnik zwei kopulierende Paviane auf seinen Anzug projizierte. Glücklicherweise erinnerte er noch einmal daran: "Feinsinniger Humor und Quote - das muss kein Gegensatz sein."

Bin Laden statt Loriot

Das bewies dann der Lichtblick der Veranstaltung, Helge Schneider, und entführte das begeisterte Publikum kurz in eine andere Humorsphäre. Mit seiner Band unterhielt er auf eine derart konkurrenzlose Art, dass er mit dem kräftigsten Applaus des Abends gefeiert wurde.

Dass vor wenigen Wochen Jahr der vielbeschworene "größte deutsche Humorist" Loriot gestorben war, fand bis zum Schluss keine Erwähnung in der Show. Zwar deutete Moderator Nuhr mehrfach an, es sei eine bedeutende Persönlichkeit verschieden, versuchte sich dann jedoch an Gags über Osama bin Laden.

Der bis zum Schluss noch ausstehende Ehrenpreis wurde schließlich von Dirk Bach an Hella von Sinnen verliehen: "Die deutsche Unterhaltung braucht dich, meine dicke Freundin." In das Gejubel dieser "dicken Freundin" hinein erinnerte Dieter Nuhr dann doch noch mit ernstem Ton kurz an Loriot, womit der Abend schloss. Ein Abend für die deutsche Comedy, "die uns Sterblichen mit ihren Späßen immer wieder zeigt, dass der Tod auch eine Erlösung sein kann", wie Dieter Nuhr es auf den Punkt brachte. Wohl gut, das Loriot es nicht mehr erleben musste.

kmi/DPA / DPA