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Deutscher Fernsehpreis: Stefan Raab räumt doppelt ab

Es war kein einfacher Deutscher Fernsehpreis 2010. Die Schauspieler waren sauer, die Witze zuweilen dramatisch und die Nationalelf nicht da. Aber Kurt Krömer und Stefan Raab haben sich trotzdem gefreut.

Begleitet von Schauspielerprotesten ist in Köln der Deutsche Fernsehpreis verliehen worden.

Ulrike Kriener und Christoph Bach erhielten die Auszeichnung als beste Schauspieler. Kriener wurde für ihre Darstellung einer Frau in den Wechseljahren in der ZDF-Serie "Klimawechsel" geehrt. Ihr Kollege Bach bekam den Plexiglasobelisken für seine Rolle als Studentenführer Rudi Dutschke im ZDF-Fernsehspiel "Dutschke". Bei der Gala im Coloneum fiel auf, dass die bekanntesten TV-Namen wie Thomas Gottschalk, Veronica Ferres oder Günther Jauch fehlten. Götz George, der einen nominierten besten Film vorstellte, wurde lediglich in einer Videobotschaft eingeblendet.

Die festliche Gala, die am Samstagabend aufgezeichnet, aber erst am Sonntag ausgestrahlt wurde, wurde begleitet von Schauspielerprotesten, die sich gegen die Entscheidung der Organisatoren richteten, die Zahl der Preiskategorien zu reduzieren. Zu diesem Zweck wurden unter anderem die Auszeichnungen für das beste Drehbuch, die beste Kamera und die besten Nebendarsteller gestrichen.

Die Veranstalter, die vier großen Sendersysteme, ARD, ZDF, ProSiebenSat.1 und RTL, argumentierten, dass mit den Hauptpreisen wie bester Film oder Mehrteiler alle Mitlieder eines Teams geehrt würden. Da Verbände und Sender demnächst Gespräche über eine Neuausrichtung des Fernsehpreises führen wollen, steht offen, ob die Gala im kommenden Jahr in dieser Form noch stattfinden wird.

"Weil sie böse sind"

Der Fernsehpreis 2010 wurde in 18 Kategorien verliehen. Die ARD schnitt mit sieben Preisen am besten ab, vor dem ZDF mit vier Auszeichnungen, RTL mit zwei sowie Sat.1, ProSieben, rbb, Arte und Ki.Ka mit jeweils einem Preis.

Der "Tatort: Weil sie böse sind" gewann den Deutschen Fernsehpreis als bester Fernsehfilm. Auch die Serie "Im Angesicht des Verbrechens", eine ARD-Produktion mitfinanziert vom Kultursender Arte, wurde ausgezeichnet, und zwar in der Kategorie bester Mehrteiler und als besondere Leistung eines Ensembles. Die beste Serie war bei Sat.1 zu sehen: "Danni Lowinski" mit Annette Frier als Kaufhausjuristin freute sich über den Preis. Die beste Show war nach Meinung der Jury "Unser Star für Oslo" (ARD) mit Lenas denkwürdigem Sieg im Mai.

Ihr Entdecker Stefan Raab wurde zudem für seine besondere Leistung in der Unterhaltung geehrt. Der eiserne Vorhang zwischen Öffentlichen und Privaten sei nun gefallen, freute sich der Entertainer. Und er schien sogar ein bisschen gerührt zu sein.

Durch den eher lauen Abend führten Sandra Maischberger und Kurt Krömer.

Die Preisträger

Beste Schauspielerin: Ulrike Kriener ("Klimawechsel", ZDF)
Bester Schauspieler: Christoph Bach ("Dutschke", ZDF)
Bester Fernsehfilm: "Tatort: Weil sie böse sind" (ARD)
Bester Mehrteiler: "Im Angesicht des Verbrechens" (ARD)
Beste Serie: "Danni Lowinski" (Sat.1)
Beste Show: "Unser Star für Oslo" (ARD)
Beste Sportsendung: "Die Fußball-WM 2010" (RTL)
Beste Informationssendung: "logo! Die Welt und ich" (Ki.Ka)
Beste Dokumentation: "Aghet - Ein Völkermord" (ARD)
Beste Reportage: "Somalia - Land ohne Gesetz" (ZDF)
Beste Comedy: "heute-show" (ZDF)
Bestes Dokutainment: "Rach, der Restauranttester" und "Rachs Restaurantschule" (RTL)
Der Ehrenpreis der Stifter geht an die deutsche Fußball-Nationalmannschaft
Der Publikumspreis: "Sturm der Liebe" (ARD)
Der Förderpreis: Michelle Barthel und Carolyn Genzkow für "Keine Angst" (ARD)
Der Fernsehpreis für besondere Leistungen:
Unterhaltung: Stefan Raab (ProSieben)
Information: Volker Heise, Thomas Kufus, "24 Stunden Berlin" (rbb/Arte)
Fiktion: "Im Angesicht des Verbrechens" (ARD)

sal/DPA / DPA