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+++ TV-Kritik +++

Dschungelcamp 2018: "Nutten, Koks und frische Erdbeeren"

Wir lassen uns das Anrufen nicht verbieten: Tina York ist im Finale, yeah! Für den Sieg wird es trotzdem nicht reichen, dafür hat sie zu wenig gerissen. Klarer Favorit ist jemand anders.

Von Mark Stöhr

Tina York versucht, Jenny Frankhauser aufzumuntern: "Vielleicht machst du ja mal für Extensions oder so was Werbung."

Tina York versucht, Jenny Frankhauser aufzumuntern: "Vielleicht machst du ja mal für Extensions oder so was Werbung."

Wir lieben die Heldenreise. Ganz unten muss sie beginnen, in der Dunkelheit der deprimierendsten Doofheit. Kein Moos, schiefe Zähne, nie . Doch dann hat das Schicksal plötzlich gute Laune und hält dem Loser das große Los hin. Er muss nur zugreifen – aber er raucht erstmal eine und dann noch eine und dann gehen ihm die Zigaretten aus und es ist mitten in der Nacht und im Automaten fällt dauernd das Geld durch. Drama! Verzweiflung! Vandalismus! Doch der Loser rappelt sich auf. Er weiß: Es gibt immer eine 24-Stunden-Tanke am Ende der Straße.

So werden Helden geboren. Und deshalb gewinnt Daniele Negroni heute mit hoher Wahrscheinlichkeit das . Er reiht sich damit ein bei den Verlierertypen auf dem Thron – hard-working Flitzpiepen wie Joey Heindle und Menderes Bağcı, die mit null Perspektive starteten, von einem Katzenjammer in die nächste Krise stürzten und sich schließlich bis ganz nach oben durchbissen. Vom Horst zum Hero, darauf stehen wir. Erst Wüste, dann Wirtschaftswunder.

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Nur Trümmerfrau zu sein, reicht nicht

Das ist auch der Grund, warum es am Ende nicht schaffen wird. Nur Trümmerfrau zu sein, reicht nicht. Die 63-Jährige war von Anfang die ratzende und rührende Alte im Camp und geht genau so wieder raus. Sie legte keine Reise hin, sondern hatte Rückenschmerzen. "Ich wollte ja gar nicht ins Dschungelcamp", erzählte sie. "Aber mein Manager sagte: Das ist deine große Chance, in dieser Medienlandschaft mal hallo zu sagen." Hallo zurück – bitte keine neue Single.


Dass es David Friedrich gestern beim Voting erwischte, war durchaus überraschend. Er ließ sich in der Dschungelprüfung klaglos unter Tonnen von sauekligen Fleischabfällen begraben, was normalerweise als Demütigung reichen sollte, um es unter die letzten Drei zu schaffen. Vielleicht ist der Typ einfach zu slo-mo. Kein Putschist, kein Butcher, nicht mal Bachelor, sondern nur Bacherlorette. Als Viertplatzierter tritt er in die Fußstapfen von üblen Camp-Legenden: Helena Fürst, Jay Khan, Jimmy Hartwig und – man glaubt es kaum – Thomas Häßler, dem Weltmeister im Null Bock und Nikotin. Gegen Häßler ist Daniele nichts als ein lausiger Gelegenheitsraucher.

Deutsche Meisterin im Mimimi

Was nur sehen die Leute in Jenny Frankhauser, der dritten Finalistin? Das Normalo-Mädchen, das einem im Kosmetikstudio auch genauso gut die Hornhaut von den Fußsohlen hobeln könnte – und dem man sich als Zuschauer deshalb besonders nahe fühlt? Die Katzenberger-Schwester ist vor allem deutsche Meisterin im Mimimi. Gestern wieder: "Ich habe Ohrenschmerzen, eine Blasenentzündung und die Hängematte ist Gift für meinen Rücken." Wenn sie nicht jammert, sagt sie Sachen von stupender Belanglosigkeit. Was man halt so plappert, wenn man mit einem Hobel hantiert oder im Supermarkt Waren über den Scanner schiebt. Ganz süß: "Ich habe noch nie was gewonnen." Auch putzig: "Ich wollte schon immer mal Prinzessin werden." Wird nur leider auch diesmal nichts.

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Jenny Frankhauser

Ab in die "Sondermüll-Deponie" geht es für Jenny Frankhauser und David Friedrich. Die Katzenschwester und der Camp-Beau müssen das Abendessen für die letzten vier Verbliebenen im Urwald klarmachen.

Alle Infos zu "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" im Special bei RTL.de 

MG RTL D


Beim Late-Night-Talk mit Tina York am Lagerfeuer beklagte sie zum tausendsten Mal ihr Schicksal als Schatten-Schwester. Supergähn. Die zauselige York, ja ebenfalls mit einem schweren Schwester-Trauma geschlagen, gab sich kämpferisch ("Ich bin ich und Mary ist Mary. Und Mary ist großartig. Und ich bin es auf meine Weise, eben anders. Ende, Punkt, Aus") – und kratzte für Jenny den ganzen Optimismus zusammen, der ihr nach 40 Jahren musikalischer Erfolgslosigkeit noch geblieben ist: "Vielleicht machst du ja mal für Extensions oder so was Werbung."

Was aus ihr nach dem Dschungelcamp wird, ist offen. Während der mögliche Sieg schon zu Kopf gestiegen ist, noch ehe die Krone darauf platziert wurde ("Ich hänge mir eine goldene Klobrille um den Hals und gehe damit zum Opernball"), träumt Tina wahrscheinlich von einem Auftritt im ZDF-Fernsehgarten. Völlig unvermittelt entfuhr ihr gestern ein rätselhafter Ausruf: "Nutten, Koks und frische Erdbeeren." Was wollte sie uns damit sagen? Heißt so der Song, den sie nach dem Dschungel veröffentlichen wird? Könnten wir knapp akzeptieren.

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