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TV-Kritik

Dschungelcamp Tag 2: Der Greis ist heiß und für Gisele fängt das Drama gerade erst an

Ein bisschen Beichte, ganz viel "Oh Gott", Risotto wider Willen und Tommy im siebten Himmel. Was der knackige Auftakt versprach, löste der zweite Tag ein. Im Camp knirscht es bereits.

Von Ingo Scheel

Dschungelcamp 2019, Tag 2: Giselle leidet weiter und sorgt am Ende für eine Überraschung

Wenn das so weitergeht, dann muss RTL ab der nächsten Folge am unteren Bildrand eine medizinische Warnung einblenden. Das zerebral unglaublich zermürbende IMMER-WEITER-Mantra-Ping-Pong zwischen Bastian Yotta und, wie er sie nennt, Schisselle gleich zum Auftakt von Tag 2 ging genau jene zehn Sekunden zu lang, in denen das mentale Fass dann schneller überläuft, als der Currywurstmann irgendetwas mit "Scheiss" davor sagen kann. Ein gehirnwaschender Grundton, eine Art Sendesignal, eine Stimmenfrequenz, die Glas, Bubinga-Holz und die Seele zerschneiden kann. Nur anhand von Schwingungen. Gefährlich, das Ganze.

Überhaupt "Schisselle": Die Nummer mit den Namen und wie man sie ausspricht - keine ganz einfache Sache. Schon am ersten Tag hatten sich Yottas Anfeuerungen für Evelyn angehört, als wollte er einer abgewickelten Fluglinie einen 'Miracle Morning' bescheren: Air Berlin! Air Berlin! Air Berlin! Ums mit Basti-Fantasti zu sagen: Sehr geil! Weniger geil, aber auch nicht so schlecht, wie es Gisele, die man instinktiv viel lieber Gisela nennen möchte, am Ende begreinte, lief es in der Dschungelprüfung für die Dauerkandidatin in spe. 

Alf-Stimme Tommi Piper hat ein Auge auf Evelyn Burdecki geworfen und schmeichelt ihr am Feuer 

Alf-Stimme Tommi Piper hat ein Auge auf Evelyn Burdecki geworfen und schmeichelt ihr am Feuer 

Dafür hatte sie sich extra die Haare geschoren, links und rechts nur noch Stoppelfelder, in der Mitte die Matte. Da sollte wohl über die äußere Amazone auch die innere geweckt werden. Spätestens seit Britney Spears jedoch weiß man: Der spontan am Kopf angesetzte Langhaar-Rasierer bedeutet zumeist Arbeit für den Psychologen. Im Camp hatte Doc Yotta den Job übernommen - siehe oben - und ganz wirkungslos blieb das tatsächlich nicht. Als Gisela nach der Bück-und-Beschwerde-Folter - "oooh Goootttt" - den "Kanal Fatal" verließ, in dem Kakerlaken, Krokodile und vor allem eigene Komplexe zum Zuhapsen bereit lauerten, hatte sie immerhin fünf Sterne deluxe erhaschen können. 

Dschungelcamp 2019: Trotz "Miracle Morning": Das Wunder blieb bei Gisele aus
Dschungelcamp 2019

"Es geht mir von Tag zu Tag und in jeder Hinsicht immer besser und besser und besser": Auch den zweiten Morgen im Dschungelcamp beginnt Bastian Yotta mit seinem "Miracle Morning"-Ritual. Und alle machen mit. Alle bis auf einen: Yottas Intimfeind Chris Töpperwien verweigert seine Teilnahme. Vielleicht ist der aber einfach nur schlauer als der Rest und macht sich nicht vor Kameras zum Affen. Denn zumindest bei Gisele sollte das erhoffte Wunder ausbleiben: "Ich möchte einmal eine Prüfung bewältigen", sagte sie am Morgen.

Gisele war "enttäuscht von sich selber"

Manch anderer wäre da mit stolz geschwellter Brust ins Lager zurückgekehrt. Nicht so Gisele. Die stapfte, den Körper mit einer Art Popelkotze verkleistert, zu den Ihrigen zurück und stieg in den Tümpel zur Säuberung, "enttäuscht von sich selber". Also in exakt jenem Zustand, der den geneigten RTL-Zuschauer zum Zauberknochen greifen lässt, um Giseles Endziffer an den Sender zu übermitteln. Erste Ausstiegsgedanken äußerte sie bereits leise, das dürfte in den nächsten Tagen, spätestens ab der dritten Prüfung in Folge - also morgen - sicher noch lauter werden.

Dabei taugt sie durchaus auch zu mehr als zur Nervensäge, wenigstens für ein, zwei Minuten. Wie sie da dem Piper, kaum dass sie sich auf dessen Pritschenrand gekauert hatte, eine Alk-Beichte entlockte, hatte kompetente Camp-Klasse. Wobei - wer den Piper kennt, der weiß: Einen langen Monolog, ob tragisch, trivial oder tumb, bekommt man bei ihm auch schon, wenn man nur nach der Uhrzeit oder dem Salzstreuer fragt. Dennoch - seine Geschichte von der alkoholkranken Ehefrau, für die er morgens liebevoll eine Scheibe Brot aufs Brettchen drapiert, bevor er mit Hundschi Gassi geht, obwohl die Gattin ja nur wenig Hunger, dafür aber ganz viel Durst hat, rührte auch das härteste Realityherz. Wenn auch nur kurz, denn wenig später geriet Pipers Hymne an Air Berlin, Verzeihung, Evelyn, dann doch etwas zu speichelnass. Die Hübsche! Die Schöne! Dieser entzückende Körper und wie sie sich vom Bett erhebt: Titten-, Entschuldigung, Titel-reif ist sie!

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Der Zickenkrieg der Kerle geht weiter

In punkto Titel steht der Kampf zwischen Currywurst- und Mucki-Mann noch bevor, der Warm-up kann sich dennoch sehen lassen. Wie da eine Spinne an der Laterne beim Töpperwien die innere Gisele weckte und der Bastian schließlich - ganz Miracle Worker - das haarige Biest unter dem hysterischen Greinen seines Widersachers davon trug, das war strong, healthy und full of Energy. An anderer Stelle lautete das Motto eher "I’m tired, I’m weak and already auf Reserve". Das Sibyllchen war noch dabei, den ersten Tag zu verdauen, Kukident musste nachgelegt werden und der geschwächte Körper sich ein wenig erholen. Es bleibt abzuwarten, wie lange das gut geht. Spätestens seit Bata Illic wissen wir: Wer schon auf dem Weg ins Lager gestützt werden muss, wird es eher nicht mit Krone auf dem Haupt verlassen.

Der Rest im Themen-Häcksler: Domenico möchte gefragt werden, bevor Doreen seinen Reis ins Risotto schüttet. Gisele hadert mit einer Wegwerf-Gesellschaft, der echte Beziehungen egal sind. Peter sagt "Gott ist Liebe", Leila hielt das Fire low, die Brüstung bedeckt, und wenn sich Evelyn weiter im roten Einteiler nach der Creme bückt, dann dreht Domenico durch. Die nächste Dschungelprüfung geht, es hatte sich abgezeichnet, an Gisele. Wird schon werden, denn der Miracle-Morlok Yotta ist sich ganz sicher: "Wir haben hier eine Supertruppe". Und das obwohl ihm Gisele doch "a little bit lost" vorkommt. 

Und jetzt alle: Oh Gooottt!

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