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Dschungelcamp, Tag 1: Mein Gott, Walter!

Limbotanzen mit Schafshoden im Mund? Das Dschungelcamp legte die Ekel-Latte zum Auftakt der neunten Staffel gleich hoch. Doch der eigentliche Star war ein heruntergewirtschafteter Teleshopper.

Von Mark Stöhr

Jammerte schon am ersten Tag: Walter Freiwald

Jammerte schon am ersten Tag: Walter Freiwald

Gebt dem Mann bitte Zigaretten. Stellt ihm einen Automaten direkt neben die Pritsche, damit er Tag und Nacht nur den Arm ausstrecken muss. Bewegung ist Gift für Walter Freiwald. Damit kommt er nicht klar. Das bringt ihn um. Sein Körper ist nur noch so eine Art Körper. Die Haut hängt schlaff an den Knochen herunter wie eine Fahne, die schon lange keinen Wind mehr gesehen hat. Aber in Walter wohnt so viel Witz, so viel Wehleidigkeit, so viel Frust und Finsternis. Walter darf nicht gehen. Also gebt ihm seine Kippen und am besten gleich noch was zum Kiffen dazu. Das ist gut für seinen kaputten Rücken.

Der 60-Jährige im Körper eines 120-Jährigen ist schon am ersten Tag im Dschungelcamp komplett hinüber. Als er auf dem Weg vom Luxushotel zum Camp ein paar Meter schwimmen musste, soff er fast ab. Als er dabei noch mit einer Qualle kollidierte, kannte der Jammer keine Grenzen ("Mein halber Arm ist voller Nesseln. Mich hat es voll erwischt, ich muss dringend verarztet werden!"). Vor dem Marsch durch die Wildnis forderte er im Ton eines Ultimatums seine Schuheinlagen ("Ich riskiere doch nicht, dass der Fuß durchbricht"). Beim Einstieg in den Helikopter schließlich stieß er sich den Kopf und sackte wie von einer Klitschko-Faust getroffen bewusstlos zusammen. Was für eine großartige Zirkusnummer.

Dschungelcamp-Tagebuch (1): So sieht es im Dschungelcamp-Dorf aus

"Am Anfang ist Arschleckerei"

Walter Freiwald erfindet sich nach seiner Karriere als Teleshopping-Trantüte im Urwald gerade neu: als hochkomplexer dadaistischer Charakter. Bei dem Mann passt nichts zusammen. Er ist völlig unberechenbar. Wenn er nicht über Schmerzen klagt, trinkt er seinen Kollegen das Wasser weg. Oder lässt sich bei dem Versuch erwischen, einen Slip seiner Frau ins Camp zu schmuggeln. Ein Stinkstiefel, Choleriker und Fetischist. Kurzum: ein Supertyp.

"Wir sind doch Primaten", warf "Weird Walter" irgendwann zwischen Quallen und Quasseln nonchalant ein. Der Typ ist nicht nur Staubsaugervertreter, sondern auch noch Philosoph. Denn der Begriff Primaten meint ja nicht nur Menschen, sondern auch Affen. Als auch die Show-Affen zweiter und dritter Ordnung, die in den kommenden zwei Wochen um das Lagerfeuer im australischen Fernsehdschungel herumlungern und immer schlechtere Laune kriegen werden. Zum Auftakt herrschte unter den Campern naturgemäß ein Klima der Euphorie und Solidarität. Oder wie es Sarah Kulka besser ausdrückte: "Am Anfang ist Arschleckerei. Tiere schnuppern sich ja auch erstmal gegenseitig am Arsch." Doch wie gelang den Kandidaten ihr Einstand? Und was ist nach dem ersten Eindruck von ihnen zu erwarten? Ein erstes Fazit.

Sara Kulka und Aurelio Savina müssen die erste Dschungelprüfung machen

Sara Kulka und Aurelio Savina müssen die erste Dschungelprüfung machen

Abgehalfterter Womanizer und Witwenschwarm

Cool sind: Aurelio Savina. Der abgehalfterte Womanizer und Witwenschwarm ist so rührend 90er. Ungebrochen männlich, dafür aber auch eine Bank. In der Dschungelprüfung würgte er einen Cocktail aus pürierten Grillen, Mehlwürmern und Kotzfrucht in sich rein und ließ sich ohne Wimpernzucken mit einer Panade aus Kakerlaken-Resten und Fischabfällen bestreichen. An seiner Seite überzeugte Sarah, deren Gossen-Gequatsche zwar weh tut ("Die labert mich voll aggro zu"), die aber immer in Aktion ist und Angebote macht. Einmal hatte sie sogar einen Larissa-Marolt-Gedächtnis-Moment. Beim Feuermachen hielt sie ein Stück Holz in die Höhe und sagte den irren Satz: "Das ist meines Erachtens Holz."

Potenzial haben: Rebecca Simoneit-Barum. Die "Lindenstraße"-Evi hat das Zeug zur Camp-Psychoanalytikerin. Sie ist schlau und hat dieses überartikulierte Theater-R. Außerdem scheint ihr ihre Figur völlig egal zu sein. Pluspunkt. Rolfe Scheider trat bislang vor allem als aufgedrehter Hampelmann in Erscheinung. Da muss mehr Struktur rein. Geholt wurde er als Wohlfühlonkel, bei ihm besteht aber auch die Gefahr, dass er in die gefürchtete Dschungeldepression abrutscht und nur noch wie ein nasser Sack auf der Pritsche abhängt. Maren Gilzer hatte mit ihrer "Brechmigräne" einen schwierigen Start. Aber vielleicht startet sie nach ihrer Genesung voll durch? Sie sagte einmal zu viel: "Meine Zeit ist noch lange nicht vorbei."

Streber-Söhnchen Jörn Schlönvoigt

Es nerven: Jörn Schlönvoigt. Ist der tatsächlich so naiv und glaubt sich selber das Geschwätz vom "grenzgängerischen Abenteuer", das er erleben will? Findet alles toll, ist super vorbereitet und will nichts falsch machen. Ein Streber-Söhnchen wie aus dem Bestellkatalog für Schwiegermütter. Der kotzenden Maren drückte er den Zivi-Spruch rein: "Es wäre besser, wenn du in die Toilette brichst, sonst lockt das die Ratten an." Aber was haben wir erwartet: Wer Schlager singt, kann nicht ganz normal sein. Ebenfalls schwer auszuhalten ist Patricia Blanco. Hasst ihren Vater, trägt aber noch seinen Namen. Ganz viele offene Rechnungen, ganz schlechte Vibes. Außerdem hat sie ihren Nasenhaarschneider vergessen.

Sind egal: Tanja Tischewitsch, Benjamin Boyce und Angelina Heger. Wer sind diese Leute? Ein Gedanke, der wahrscheinlich auch Walter Freiwald umtreibt, wenn er nicht gerade an Zigaretten denkt. "Die jungen Leute kennen mich", sagte er gestern. "Vielleicht liegt das daran, dass ich so jung geblieben bin." Träum weiter, Walter, aber bleib noch ein paar Tage.