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Dschungelcamp 2015: Große Brüste sind nicht alles

Puh, die schlimmste Etappe haben wir hinter uns: die Briefe der Lieben. Selbst Walter heulte sich den halben Rio Grande aus den Augen. Ein Phänomen bleibt Tanja. Sie ist schon erstaunlich hohl.

Von Mark Stöhr

Darm ohne Scham: Walter Freiwald verrichtet ein zweifelhaftes Geschäft und prahlt noch damit: "Ich bin ein Star - ich hol ihn gleich raus!"

Darm ohne Scham: Walter Freiwald verrichtet ein zweifelhaftes Geschäft und prahlt noch damit: "Ich bin ein Star - ich hol ihn gleich raus!"

Nacht. Wer lässt sich so was einfallen? Ist doch Mist, wenn man nichts sieht. Und so torkelten Maren und Rebecca, unsere beiden Sexbomben der Herzen, gestern durch die Finsternis des Busches und waren blind vor Zorn. Es ging um Walter. Natürlich. Es geht immer um Walter. Der große Polarisator sorgt selbst dann für miese Stimmung, wenn er schläft. Sieht jeden Tag mehr aus wie ein klapperdürres Gestell, doch die jungen Dinger fliegen auf ihn. Maren und Rebecca kapieren das nicht. Seit wann taugt ein Wischmop zum Frauentyp?

Bei Walter bilden Frise und Fresse eine unheilige Allianz. Mister Mittelscheitel ist einfach nicht aus der Pritsche zu kriegen. Er war eigentlich der Kandidat für den Emergency Room. Maximal drei Tage gab man ihm am Anfang bis zum Abtransport. Aus dem Wrack wurde stattdessen das mumifizierte Böse. Walter reißt nichts, zieht aber alle Register. Als Briefe der Partner und Angehörigen ins Dschungelcamp gereicht wurden, heulte er nicht nur wie jeder normale Mensch. Nein. Ein Walter Freiwald macht es nicht unter einem Rio Grande, der aus seinen Augen fließt. Ein Maß an Gerührtheit über sich selbst brach sich bei dem 60-Jährigen Bahn, als hätte er gerade zwei Waschmaschinen zum Preis von dreien verkauft. Seht her, schrie jeder Liter Tränenwasser, ich kann es nicht nur fies, ich kann es auch flüssig!

Schlimmstes "Freizeit Revue"-Gesülze

Überhaupt diese Briefe. Sie sind die Pest. Schlimmstes "Freizeit Revue"-Gesülze. Man will sich die Interpunktion in diesen Machwerken gar nicht ausmalen. Groß- und Kleinschreibung wahrscheinlich nach lust Und Laune. Die Mutter von Tanja legte sich besonders ins Zeug. "Du bist meine einzige wahre Liebe", pilcherte sie wie verrückt und rastete zum Ende hin komplett aus: "Dein Lachen ist das Licht in der Dunkelheit." Mutterliebe ist manchmal nah am Wahnsinn. Selbst Porno-Pavarotti Aurelio gelangte dank Tanja inzwischen zu der Einsicht, dass "große Brüste nicht alles sind".

Die ehemalige Flugbegleiterin ist schon erstaunlich hohl. Kein Gedanke wagt sich in ihre Nähe. Man weiß bei ihr gar nicht, was die Worte bildet. Aber es sind sehr viele. Ein Auszug aus ihrem aktuellen Programm: "Ich hatte mal was mit so einem 40-Jährigen, ich war damals 20, glaube ich. Er war so total begeistert, oh du bist mein Jungbrunnen und so. Aber dann war der voll die Klette, das hat mich total genervt. Der war jeden Tag vor meiner Tür mit Blumen, hat mir immer meine Hausaufgaben für die Berufsschule gemacht und wenn ich krank war, eine Tüte mit der 'inTouch' und Hustenbonbons und so gebracht.“ Man fasst es nicht.

In touch war Tanja gestern in erster Linie mit ihrem Rauswurf. Sie bekam zusammen mit Aurelio die wenigsten Anrufe und durfte nur bleiben, weil Angelina vor ein paar Tagen freiwillig den Abflug gemacht hat. Offenbar haben auch RTL-Zuschauer eine Schmerzgrenze. Aus der zweiten Reihe drängt sich dagegen ein Kandidat immer mehr in den Vordergrund, den man gar nicht mehr auf dem Zettel hatte: Rolfe "et voilà" Scheider.

Anti-Pegida-Verhalten gegenüber Kröten

Der Casting-Fredi legte eine astreine Dschungelprüfung hin. Er tastete und robbte sich durch die "Hölle der Finsternis", an der Sara Kulka zu Beginn der Staffel noch so historisch gescheitert war. Sein Geheimnis: gesunder Fatalismus ("Et kütt wie et kütt, wie man in Paris so sagt") in Verbindung mit einem Anti-Pegida-Verhalten gegenüber den Schlammkrabben, Kröten, Skorpionen und Babykrokodilen, die ihm auf seinem unterirdischen Parcours begegneten ("So ihr Schatzi-Mäuse. Jetzt müsst ihr ein bisschen weg"). Rolfe, der Asthmatiker, bekommt allem Anschein nach rechtzeitig zum Schlussspurt noch die zweite Luft.

Für ihn spricht auch, dass sein Freund als einziger keinen Schmachtfetzen ins Camp schickte. Der Brief enthielt im Großen und Ganzen die Information, dass es dem Hund Powell gut gehe. "Er liegt viel rum." Für Rolfe war diese Nachricht "Öl auf die Flamme der Seele". Da leben zwei Geschöpfe zusammen in einer Hängematte der Harmonie. Für bissige Wischmöpse ist da kein Platz.

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