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Dschungelcamp 2015, Tag 9: Weine nicht, wenn der Regen fällt

Die Minderleister im Camp feiern weiter fröhliche Urständ. Maren wird zur Analphabetin, Aurelio gibt den memmenhaften Manipulator. Nur Walter Freiwald zieht einsam seine Kreise auf dem Weg zur Krone.

Von Ingo Scheel

Sorry seems to be the hardest word. Aber nicht für Walter. Der entschuldigte sich bei Maren für seinen verbalen Ausrutscher vom Vortag.

Sorry seems to be the hardest word. Aber nicht für Walter. Der entschuldigte sich bei Maren für seinen verbalen Ausrutscher vom Vortag.

War das ein Zungenkuss? Oder teilten die beiden sich da zwischen ihren Mündern, ja was eigentlich, einen Ravioli oder Gnocchi? Und mampften sie, mit Speichel im Mundwinkel, aufeinander zu, um sich im letzten Moment tatsächlich zu küssen? Nein, die Rede ist hier nicht vom Dschungelcamp. Den Hingucker des Samstagabends, sieht man einmal von Sonja Zietlows Oberteil ab, hatte RTL in den Werbeblock verlegt. Thomas Gottschalk und Günther Jauch machten da Werbung für ihre Sendung "Die 2 - Gottschalk und Jauch gegen alle" und irritierten mit ungehemmtem Kumpel-Geknutsche kurz vor der Geisterstunde.

Wer weiß, hätte das Geschehen im Dschungelcamp für mehr mediale Hornhaut gesorgt, man hätte das locker weggeblinzelt. So aber, eingelullt vom Stelldichein der Minderleister, ist man einfach nichts mehr gewöhnt. Totalverweigerung. Drückebergertum. Absagen, Ausreden, Abbrüche, die Devise seit neun Tagen. Jüngstes Beispiel: DMA. Die Memme Aurelio. Der sollte gemeinsam mit Sara Kulka auf Schatzsuche gehen und in der Dunkelkammer eine Nacht lang durchhalten. Ein bisschen an der Uhr drehen. Das wäre ihr Preis gewesen. Aber nichts da - mit einem Psycho-Manöver, bei dem selbst Mola Adebisi noch etwas hätte lernen können, hatte er das Kammerfräulein Kulka schon Richtung Abbruch manipuliert, noch bevor das Licht ausging. Vom Lightwolf zum Leitwolf binnen fünf Minuten. Dazu noch sein Angebot für einen Burger zu strippen - ein kurzes Aufflackern alter Bachelor-"Qualitäten".

Dschungelcamp-Tagebuch (9): Walters Eier, Marens Wut und üble Lästereien

Walter zeigt Gefühle

Doch während es für die frisch geschasste Patricia Blanco im Hotel schon wieder Schampus und Sushi gab, ging das Hungern im Camp also weiter. Für einen weiteren Zonk sorgte das einstige Buchstaben-Girl Gilzer ausgerechnet beim, man ahnt es schon, Buchstabieren. Maren und Benjamin hatte man für die Dschungelprüfung "Un-Glücksrad" in ein Drehgestell geschnallt, das zu gleichen Teilen von Takeshis Castle, Glücksrad und Duran Durans Video zu "Wild Boys" inspiriert war. Auf Zuruf sollten dann Worte buchstabiert und Bälle im Körbchen versenkt werden, unterbrochen von kurzen Köpfchen-unter-Wasser-Phasen.

Nicht wenige Zuschauer werden schamvoll den Gang zum Kühlschrank oder ans Naschfach angetreten haben, so jammervoll scheiterte Frau Gilzer an Worten wie 'Hartwich', 'Zietlow' und 'Känguruh'. Zwei Sterne, das war es. Die Diät konnte weitergehen. Vielleicht hätte man Maren, dem zähen Leder, mehr zumuten sollen. Das sah schon ziemlich lässig aus, wie entspannt sie sich nach der Prüfung da ohne Not Tarantulas Cousine über den Arm krabbeln ließ.

Weniger gute Nerven hatten da ganz andere. Der völlig aufgelöste Rolfe Scheider etwa, der den Regen, den Hunger und fehlende Nachtruhe beklagte. Und seine "fettige Decke", was immer damit gemeint war. Sein süßes Versprechen, den Dschungel verlassen zu wollen, machte er dann aber doch nicht war. Mehr kam von ihm aber auch nicht mehr. Er könnte ja zumindest mal wieder eine von seinen Brillen kaputtsitzen. Und während Tanja Tischewitsch ein paar Andeutungen über einen anonymen Sugar Daddy machte, den sie jüngst datete und der sich nach dem Camp wohl auf einen weiteren Griff in die Auslage freuen darf, redete Walter Freiwald wieder einmal Tacheles und sorgte für einige der anrührendsten Momente in der Geschichte des Dschungelcamps ever, ever, EVER.

Freiwalds autobiografischer Exkurs

Erst seine offenkundig von Herzen kommende Versöhnung mit Maren, schließlich die Liebeserklärung an seine Frau, begleitet von den anrührendsten TV-Tränen seit Sinead O’Connor, gefolgt vom autobiografischen Exkurs in seine kaputte Kindheit: "Meine Eltern immer am Wochenende eine Pulle Korn und rein damit, bis zum geht nicht mehr. Und ich lag im Schlafzimmer und roch diese Kotze, weil die immer gebrochen haben", erzählte Freiwald seinen offensichtlich schockierten Camp-Kollegen. "Das ist ein Trauma. Ich war irgendwie drei oder vier. Es war sehr schwer. Ich bin mit 17 zu Hause raus, ich konnte es nicht mehr ertragen." Dass der einstige Gameshow-Clown auf eine Jugend, irgendwo zwischen Roehler, Matzerath und Bukowski, zurückblickt - schwere Kost, die dem leichtgewichtigen Format eine durchaus authentisch-reizvolle Note verlieh.

Er wolle König werden, er sei bereit und dafür angetreten, unterstrich er im Anschluss erneut. Und wer erwartet hatte, dass Freiwald die Zeit im Camp wie einst sein Boss Harry Wijnvoord auf einer Backe abliegen und wegdösen würde, sah sich zum wiederholten Male getäuscht. Das königliche Wappen, es könnte am Ende dieser Staffel ein großes "W" zieren. König Walter. Klingt doch. Ach ja, rausgeworfen wurde auch, ein Bewohner musste das Camp verlassen. Der Dings. Den Namen schon wieder vergessen. Müsste ich nochmal nachgucken.