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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 10: Honeys schwere Halskrausen-Intoleranz

Er kam, sah und kniff: An Tag 10 im Dschungel verweigert Alexander "Honey" Keen die Gruppen-Dschungelprüfung. Selbstdiagnose: dicker Hals. In der Folge zoffen sich die Camper endlich. Kader Loth punktet mit beißendem Zynismus.

Von Simone Deckner

Dschungelcamp Tag 10: Alle hassen "Honey"  Alexander Keen

Wir hatten die Hoffnung auf "Konfro" (Helena Fürst) ja fast aufgegeben. Hatten uns auf dem Sofa in die dicke Fleecedecke eingerollt, zum fünften Mal Hanka Rackwitz' Biographie "Ich tick' nicht richtig" durchgearbeitet und unsere Augenlider mit schwarzem Scriptol angepinselt, damit wir uns einmal im Leben wie Kader Loth fühlen - alles armselige Versuche, die äußere Leere zu füllen, die wir beim Zuschauen der so genannten "Schtars" (Gunter Gabriel) bislang haben. Denn: Die tun nicht viel, außer überall herumliegen wie Wollmäuse oder mit pathetischem Gehabe den familiären Zusammenhalt beschwören wie in einem schlechten Mafiastreifen, der ohne Robert De Niro auskommen muss.

Dann passierte es an Tag 10 unverhofft doch noch: Kaum war der selbsternannte Camp-Psychologe Markus Majowski nach einer Aggro-Attacke ("Anzeige ist raus!") aus dem Dschungelcamp geflogen, verkrachten sich die verbliebenen neun Dschungelbewohner aufs Herrlichste. "La Familia am Arsch" pestete etwa erstaunlich angstfrei Hanka in den Dschungel. "Selbst inszeniert", meckerte Florian Wess und meinte den wiederholt beschworenen Teamgeist der Camper.

Krupphusten-Hintergrund bei Honey

Der Auslöser für den Groll saß derweil seelenruhig im Busch und zog eine Zigarette nach der anderen durch: Alexander "Honey" Keen. Mister Hessen hatte zwar morgens noch die Hände der anderen "La Familia Grande"-Mitläufer abgeklatscht, aber als es darauf ankam, schnöde die Teilnahme an der Gruppenprüfung verweigert. Die Folge: null Sterne, wieder nur Bohnen mit Reis.

"Nein, das kann ich nicht", hatte Honey gesagt, als er wie sich, wie alle anderen, in eine Art Schwitzkasten stellen und buchstabieren sollte. Honey bekam Schnappatmung, innerlich. "Das ist zu eng", beschied er den Rangern, die ihn ins Prüfungsgerät einpassen wollten. Für das Männermodel jedoch kein Wunder, denn: "Mein Hals ist einfach breiter als der von den anderen." Der Hessen-Hulk entwickelte spontan eine schwere Halskrausen-Intoleranz.

Da konnten Hanka und Florian noch so sehr drängen ("Versuch es doch wenigstens!") und Gina-Lisa noch so sehr betteln ("Och Schatz, bitte!"), es nutzte nichts: Dem 34-Jährigen war zudem plötzlich wieder eingefallen, dass er ja unter Bronchitis leidet und deshalb zu so einer gesundheitsgefährdenden Prüfung unmöglich antreten kann.

Dschungelcamp, Tag 10: Massendschungelprüfung und einer traut sich nicht - das Camp tobt
Da sitzen sie. In Erwartung der Massendschungelprüfung. Okay, alle gucken skeptisch. Aber einer scheint so gar nicht in Laune zu sein für 'ne kleine Qual...

Da sitzen sie. In Erwartung der Massendschungelprüfung. Okay, alle gucken skeptisch. Aber einer scheint so gar nicht in Laune zu sein für 'ne kleine Qual...


Endlich Zoff im Dschungelcamp

Im Abschluss kam es im Lager endlich zur lang ersehnten Lagerbildung: In der rechten Ecke Hasskappen-Hanka, die sich selbst zwar vor fast allem fürchtet, aber nun wirklich keinerlei Verständnis dafür aufbringen kann, wenn einer wegen so einem Pipifax wie einer engen Halskrause womöglich Würgegefühle bekommt. Unterstützt wurde sie in ihrer Verachtung von Florian "die Wutrede" Wess, der zur selbigen anhob und dabei gleich ganz tief in der Moralkiste wühlte: Er sei "persönlich tief verletzt", dass ihm Honey die Chance auf sein "Erfolgserlebnis" gestohlen habe. Honey habe endlich "sein wahres Gesicht" gezeigt, als er nach der nicht angetretenen Prüfung zudem ein "total arrogantes Lachen" gelacht habe. Florian: "Du gehst über Leichen."

Lagerbildung im Dschungelcamp

An die Seite von Honey stellte sich demonstrativ und mit laut erhobener Stimme Jens Büchner. Er verstehe den ganzen Scheiß nicht, schließlich habe man in der "La Familia Grande" doch abgesprochen, dass jedes "nein" akzeptiert werde. Egal von wem. Was das denn jetzt solle? Der ganze Scheiß? Thomas "Icke" Häßler sprang seinem neuen Busenfreund vom Ballermann zur Seite: "Der Jens spricht mir aus der Seele" sagte er - ein Satz, den sich der Mallorca-Jenser vermutlich demnächst auf seine noch freie Stelle am Oberarm tätowieren lässt. Als Beweis. Derweil versuchte Teamchef und Li-La-Laune-Irokese Marc Terenzi die aufgestachelten Antagonisten mit einer eigens verordneten 15-minütigen Pause ruhig zu stellen. Funktionierte ungefähr genauso gut wie der Plan von Trumps Sprecherin Kellyanne Conway, das Wortpaar "alternative Fakten" als Ersatz für Lügen zu etablieren.

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Gina-Lisa vergibt und vergisst

"Viele Leute haben gesagt, Gina-Lisa, nimm dich in Achtung vor diesem Honey! Der will nur berühmt werden", schluchzte es mitten in die Streiterei. Was sei denn jetzt mit Zusammenhalten und so? Gina-Lisas Klagegesang gen Honey gipfelte in der Frage: "Machst du hier Show? Kann man dir vertrauen?" Gefühlte 90 Sekunden später hing sie dem bronchial Beeinträchtigten ("Ich hatte als Kind auch mal Krupphusten, weißt Du?") schon wieder an der starken Schulter. Auf Hankas neugierige Nachfrage, was das Gespräch mit dem gerade noch Gescholtenen denn ergeben habe, war Gina Lisa schon wieder tief in ihrer grell pinken Gedankenwelt entschwunden, in der nur liebe Einhörner und Menschen leben, denen sie eine zweite bis 550te Chance gibt. Sie vertraut dem Honey jedenfalls wieder. Wenig Hoffnung auf Erkenntnisgewinn.

Aber da gibt es ja noch diese Frau, die gerade erst in der Dschungelprüfung mit dem Wampen-Wüterich Markus Majowski von sich gesagt hatte: "Ich werde immer unterschätzt." Kader Loth. Die Chancen der erfahrenen Reality-TV-Darstellerin und selbst geouteten Sekretärin steigen mit jedem Tag. Sind wir hier etwa Zeugen einer Wandlung in bester Dschungeltradition? In Kaders Fall hieße das: vom oberflächlichen Roter-Teppich-Luder zur selbstironischen Durchblickerin.

Als die Diskussion um Verweigerer Honey sich gestern nur noch im Kreis drehte, fragte Kader jedenfalls mit zynischem Biss in der Stimme: "Ok, Leute. Wann wollen wir ihn umbringen? Gleich jetzt oder später?" So sprechen Dschungelköniginnen.

Dschungelcamp Tag 10: Alle hassen "Honey"  Alexander Keen