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Dschungelcamp-Bilanz: Wir waren Stars - und jetzt?

Es ist vorbei. Die Maden sind verdaut, zehn Promis wieder auf freiem Fuß. Doch wer sind die eigentlichen Gewinner und Verlierer der RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"? Eine Bilanz nach 16 Tagen Dschungelcamp.

Von Katharina Miklis

Das Dschungelcamp. So polarisierend. So erfolgreich. So eklig. Die RTL-Show "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" ist vorbei und hinterlässt eine Schleimspur, auf der selbst ein erfahrener Showmaster wie Thomas Gottschalk am Wochenende ausrutschte. Mit einer "Kack-Wette" versuchte er am Samstag beim großen Quoten-Duell "Wetten dass..?" vs. "Dschungelcamp" gegen die RTL-Show anzustinken. "Verfall der guten Sitten" und "Kulturlosigkeit" muss das ZDF sich jetzt vorwerfen lassen. Beim Gesamtpublikum konnte er punkten. Die junge Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schaute jedoch das Dschungelcamp-Finale.

Und das, obwohl mit Ingrid van Bergen eine Frau Dschungelkönigin wurde, die eher zum betagten ZDF als zum Privatsender passt. Van Bergen, 77 Jahre, wurde von dem überwiegend jungen Publikum zur Siegerin von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" gewählt. Eine Überraschung. Köpfchen statt Silikon-Busen. Innere Werte statt äußerem Schein. Wortwitz statt Zickenphrasen und Machogehabe. Deutschland hat gewählt. Und überrascht.

Nicht nur das Zuschauer-Votum verwundert. Auch die Entwicklungen, die einige der Camp-Bewohner im Urwald durchmachten, sind erstaunlich. Denn eines hat man wieder gesehen: Mit keiner Schönheits-Operation oder Inszenierung kann man 16 Tage lange über das wahre Ich hinwegtäuschen. Die Fassade bröckelte bei einigen schon nach wenigen Tagen. Was zum Vorschein kam, war bisweilen enttäuschend bis schockierend.

Lorielle überraschte, Bond enttäuschte

Die größte Überraschung war sicherlich Lorielle London. Kein Gekreische à la Küblböck, keine Zusammenbrüche à la Ross Anthony. Die Transsexuelle stand im Busch ihren Mann und ließ jede Dschungelprüfung nahezu stoisch über sich ergehen. Sie schluckte Känguru-Penisse, badete mit Aalen. Trotz operiertem Körper war Lorielle offen und einigermaßen natürlich.

Alles andere als offen war hingegen Eiskunstläufer Norbert Schramm. Vor Beginn der Show sah seine Freundin ihn noch ganz vorne mitspielen: "Norbert wird es ganz weit schaffen. Er ist ein Teamleader". Von wegen. Ein Mann wie ein Geist. Oder wie Sonja Zietlow sagte: "Er ist wie Petersilie: liegt am Tellerrand und stört keinen."

Diejenige, die alle gestört hat, war Millionärstöchterchen Giulia Siegel. Sie ging ins Camp, weil sie allen zeigen wollte, was für ein nettes Mädchen sie ist. Vieles hatte man ihr zugetraut: Als Tochter des Schlagerproduzenten Ralph Siegel hätte sie doch eigentlich abgehärtet sein müssen. Und dann das: Eine Phobie nach der anderen wurde vorgetäuscht, sie lästerte, zickte und beschwerte sich vehement, weil die 45 Jahre ältere van Bergen in ihren Augen bevorzugt behandelt wurde. Alle Busen-Ops, Lidstraffungen und Extensions dieser Welt konnten nicht über ihre charakterliche Hässlichkeit hinweg täuschen.

Kurz vor Schluss merkte sie selbst, dass keiner sie mehr sehen wollte und verließ vorsorglich freiwillig das Camp, um sich nicht die Blöße geben zu müssen, von den Zuschauern raus gewählt zu werden. Selbst bei der gestrigen Abschlusssendung hörte das kindische Gezicke nicht auf. "Ich war die einzige im Camp, die ehrlich war. Gundis hat versucht, mich vorzuführen, es wurde nur über mich gelästert. Die wahre Schlange war Gundis, die war richtig hinterfotzig", sagte Giulia Siegel. Von Einsicht keine Spur. Projekt Imageaufbesserung nicht geglückt. Dafür kennt sie jetzt ganz Deutschland.

"Viele Dinge sind mir peinlich"

Die größte Enttäuschung war Ex-"Glücksrad"-Moderator Peter Bond. Bei den Dschungelprüfungen versagte er am laufenden Band. Die Schuld wurde trotzdem immer bei den anderen gesucht. Sich selbst hielt Bond immer für den größten. Selbst seine Freundin Carolin schämte sich für seinen arroganten Auftritt im Dschungelcamp: "Viele Dinge sind mir peinlich", sagte sie gegenüber der "Bild"-Zeitung, "seine Camp-Nacktbilder, die Porno-Vergangenheit, die Schulden. Vor Freunden und Familie schäme ich mich jetzt schon."

Günther Kaufmann geht als gemütlicher Balu in die Geschichte des Dschungelcamps ein, der jetzt endlich seine Schulden abbezahlen kann. Den profillosen "Marienhof"-Darsteller Michael Meziani hatte man schon vergessen, da war die Dschungelshow noch gar nicht vorbei. Gundis Zámbó überraschte lediglich mit Sex-Geständnissen (mit 12 wurde sie entjungfert) und anderen Offenbarungen (Lorielle London zeigte sie am Lagerfeuer, wie eine Frau "untenrum" aussieht). Ansonsten war sie die gute Seele des Camps. "Mausi" Lugner zeigte allen, dass sie doch keine verwöhnte Jetset-Lady und eingebildete Promi-Tussi ist, sondern eine eigentlich ganz nette Zeitgenossin. In Erinnerung wird sie trotzdem nicht bleiben. Und dann ist da noch Nico Schwanz. Der schaffte es mit ein paar flotten Sprüchen, Tarzan-Gejohle, Affentanz und Parteilosigkeit bis ins Finale.

Übertrumpft wurden sie alle von Ingrid van Bergen. Die Vegetarierin aß Känguruhoden und Skorpione am Spieß. Sie nahm es mit giftigen Schlangen wie Giulia Siegel auf und ließ sich nicht vom Machogehabe eines Peter Bond beeindrucken. Das hatte der 77-Jährigen vor dem Dschungelcamp niemand zugetraut.

Es ist ein gutes Zeichen, dass jemand wie van Bergen bei einem Trash-Format wie "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" gewinnt. Das findet zumindest die Schauspielerin selbst, in einem Interview mit stern.de. "Das zeigt, dass auch die Älteren ernst genommen werden. Wir gehören nicht zum alten Eisen. Wir lassen uns nicht ausrangieren!" Ob sie bei RTL tatsächlich vor die Kamera gelassen wird und eine Comedy-Rolle bekommt, wie sie im Interview mit stern.de hofft, bleibt abzuwarten.

Fortsetzung in Planung?

Auch möchte sich RTL heute noch nicht festlegen, ob auch im nächsten Jahr wieder zehn Prominente die Möglichkeit haben, sich von ihrer besten Seite im Dschungel zu präsentieren. "Ich bin nächstes Jahr wieder mit dabei", verriet Sonja Zietlow am Sonntag in der Abmoderation der Sondersendung "Das große Wiedersehen". Ein RTL-Sprecher betont jedoch: "Es ist noch zu früh, um eine Aussage über eine Fortsetzung zu treffen. Die Entscheidung machen wir auch in diesem Jahr davon abhängig, ob sich wieder ein interessanter Mix an Kandidaten findet, die sich dem Dschungel-Abenteuer stellen."

Und dass dieser sich finden wird, da kann man sich sicher sein. Ex-Promis, die ihre Schulden begleichen oder ihr Selbstwertgefühl aufpolieren wollen, gibt es genug. Auch wenn Sonja Zietlow und Dirk Bach am Sonntag Einschränkungen vornahmen: "Liebe Drews, Ohovens und Effenbergs, bitte nicht melden!"