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Dschungelkönig Peer Kusmagk im Interview: "Das gefährlichste Tier im Dschungel ist der Mensch"

Am Freitag startet das sechste Dschungelcamp. Zeit für den amtierenden Dschungelkönig Peer Kusmagk zurückzublicken. Ein Gespräch über Königsprivilegien, Christian Wulff und Tipps für die Neuen.

Herr Kusmagk, vermissen Sie das Dschungelcamp manchmal?
Die Isolationshaft und die Mangelernährung meinen Sie?

Also sind Sie nicht jeden Abend ins Luxushotel gefahren, wie das Gerücht besagt?
Den Mythos kann ich leider nicht bestätigen. Ich glaube, dass die Sendung schon das realste Reality-Format im deutschen Fernsehen ist.

Sind Sie noch unter Vertrag?
Nein. Man ist nach Ende der Show noch kurze Zeit gebunden, aber dann nicht mehr.

Es gibt also keine Klausel, die Sie verpflichtet, die kommenden Jahre nur positiv zu berichten?
Nein. Aber es gibt für mich auch gar keinen Grund, schlecht über das Dschungelcamp zu reden. Wer sich darauf einlässt, ist sozusagen selbst schuld. Es geht ja auch gar nicht mehr darum, irgendwelche ekeligen Sachen zu essen, sondern um den tiefen Einblick in die Seele der Protagonisten. Das fand ich spannend.

Aber welcher Mensch bei gesundem Verstand lässt sich freiwillig darauf ein?
Sie reden mit einem. Es gibt ganz unterschiedliche Motivationen: Es gibt welche, die pleite sind, und es gibt welche, die Profilneurosen pflegen. Und dann gibt es auch immer solche wie mich oder in der neuen Staffel den Ailton, die denken: Ich habe da nichts zu verlieren. Das ist mit Sicherheit eine Erfahrung fürs Leben. Ailton geht es sicher nicht ums Geld, und mir ist es damals auch nicht ums Geld gegangen. Aber wann hast du denn schon mal die Möglichkeit, zwei Wochen lang ohne Handy, ohne Radio, ohne Zeitung zu sein? Das fand ich ein interessantes Experiment. Und dich dann auch noch auf eine komplette Extremsituation einzulassen...

Hat man da wirklich nichts zu verlieren?
Es kommt auf jeden selbst an. Nicht, wenn man einigermaßen normal tickt und nichts Böses im Schilde führt. Wenn man 24 Stunden unter Beobachtung steht, kann man nicht mehr alle Seiten seiner menschlichen Psyche und Seele verbergen. Aber wenn man nichts zu verbergen hat, hat man auch nichts zu verlieren.

Ist das Exhibitionismus oder Naivität?
Ich glaube es ist eine Mischung. Aber mit einer größeren Portion Naivität.

Haben Sie im Nachhinein irgendetwas bereut?
Nein. Weder in Australien, noch in dem Jahr danach. Natürlich macht man Sachen, wo man sich danach fragt: War es wirklich wichtig, eine Autogrammstunde in Bochum zu geben? Aber die Leute haben sich gefreut.

Wie intensiv waren die Nachwehen denn?
Wenn man wie ich vorher sein gemütliches, beschauliches, heiles Kreuzberger Leben geführt und zwei Läden hochgezogen hat, in denen man sich sehr wohl fühlt, dann ist das schon eine ganz schöne Fallhöhe. Du bist zwei Wochen weg, dann kommst du zurück nach Deutschland, und plötzlich bist du für die nächsten sechs bis acht Wochen einer der bekanntesten Deutschen. Natürlich wird die Popularität von Woche zu Woche weniger, aber die Zeit unmittelbar nach dem Auszug muss man schon aufpassen, dass man die Bodenhaftung nicht verliert. Ich bin froh, dass meine Familie und Freunde mich immer wieder daran erinnert haben, wer ich eigentlich bin. Denn die Medien und die Leute auf der Straße lassen dich einfach denken, dass du wirklich König Peer bist. Dabei hat man ja nicht wirklich etwas geleistet. Man wird für ein Spiel ausgezeichnet, ein mediales Spektakel, für Sympathie. Ich wäre wahrscheinlich stolzer gewesen, den Raab zu schlagen.

Was war Ihre beste Erfahrung als Dschungelkönig?
Erstmal ist jede Erfahrung im Leben gut, aber ich habe im letzten Jahr Sachen erlebt, die ich wahrscheinlich nie wieder erleben werde: zum Beispiel, dass der Lufthansa-Pilot persönlich aus dem Cockpit kommt und mich begrüßt. Ob das richtig oder falsch ist, weiß ich nicht. Aber man kann jetzt auch nicht sagen, dass es sich schlecht anfühlt. Oder wenn dich die Kohlenschlepper - ich habe damals noch in einer Wohnung mit Kohleheizung gewohnt - mit "Ihre Majestät" ansprechen und fragen, wo sie die Kohle abladen dürfen, die sie sonst einfach irgendwo hingeschmissen haben. Das sind absurde Momente.

Und die negativste Erfahrung?
Ich habe im Dschungel sehr mit mir gekämpft und habe viel geweint, meine Konflikte mit mir selbst ausgetragen. Kreuzberg ist ein Bezirk mit ziemlich harter Straßensprache, und irgendwelche Jugendlichen auf der Straße meinten dann halt: "Alter, bist du nicht die Heulsuse ausm Dschungel, du Asi?"

Und wie haben Sie reagiert?
Da stand ich drüber. Die fanden halt Sarah Knappik sexier.

Haben Sie noch Kontakt mit Ihren Ex-Kollegen?
Ich habe eigentlich mit allen noch relativ guten Kontakt. Keinen tiefen freundschaftlichen, aber Mathieu Carrière kommt mich besuchen, ich telefoniere mit Rainer Langhans...

Worüber?
Der hat mir im Camp viel gegeben und beigebracht, menschlich wie spirituell. Und man redet darüber, wie sich die Welt verändert und wie sie sich wieder normalisiert.

Wem würden Sie davon abraten, ins Camp zu gehen?
Jedem, der nicht mit sich im Reinen ist oder der psychische Probleme hat. Und jedem, der irgendwelche Leichen im Keller hat. Denn eins ist klar: Wenn du mal irgendwann in einer Kneipe einem eine geknallt hast, dann steht das am zweiten Dschungelcamp-Tag in der "Bild"-Zeitung.

Haben Sie Tipps für die neuen Kandidaten?
Mein einziger Tipp wäre, keinen Hehl daraus machen, warum man teilnimmt. Wenn du das machst, weil du die Kohle brauchst, dann sag's doch einfach. Ich habe nie verstanden, was an der Wahrheit das Problem ist. Sich da hinzusetzen und zu sagen: Eigentlich geht's mir finanziell total gut, und es war schon immer mein Wunsch, Känguruhoden zu essen, ist doch bescheuert.

Welche Lehre haben Sie mitgenommen?
Dass das gefährlichste Tier im Dschungel immer noch der Mensch ist.

Und wie kommt man am besten mit der Bestie klar?
Indem man nicht lügt. Warum lügt man denn in dieser Branche? Doch nur zum eigenen Vorteil. Das sehen wir auch gerade bei Wulff.

Ist Wulff auch Teil der Entertainment-Branche?
Wenn er den Chef der größten deutschen Boulevardzeitung anruft, um Einfluss zu nehmen, schon, oder?

Würden Sie noch mal ins Camp gehen?
Ja. Warum nicht?

Sophie Albers
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