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Offener Brief: Liebe Caroline Beil,

stern-Redakteur Tobias Schmitz schreibt einen offenen Brief an Caroline Beil

Sie nehmen tapfer an einem einmaligen Experiment teil, mit dem RTL höchst eindrucksvoll demonstriert, wie sich mit Schrott Geld verdienen lässt: Fast fünf Millionen Menschen schauen sich Abend für Abend eine Sendung namens "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" an, in der es vielerlei zu bewundern gibt: zum Beispiel ein intimes Treffen von Daniel Küblböck mit 30.000 Kakerlaken, den schönen Naturbusen von Gottlieb Wendehals oder eben Sie, Caroline Beil, langjährige Moderatorin des Boulevard-Magazins "Blitz". Nun hocken Sie mit einer Horde drittklassiger Halbstars im australischen Dschungel und müssen abwechselnd Carlo Thränhardt (abgehalfterter Ex-Hochspringer), Daniel Küblböck (armer Klassenclown) und Susan Stahnke (trauriges Maskottchen aller Gescheiterten) anstarren. Sie, Caroline Beil, ertragen also ein Schicksal, für das Sie wahrlich zu bemitleiden sind.

Zum Glück haben Sie Ihren eigenen Weg gefunden, die Strapazen auszuhalten: Sie flüchten sich in die Philosophie. Erkenntnisse wie die aus Ihrem Munde gehen zu Herzen. Sie zeigen: Auch wenn man selbst nichts geleistet hat, außer auf Sat 1 ein paar Sätze vom Teleprompter abzustammeln, gibt es immer noch Menschen, die ärmer dran sind als Sie selbst. Und über die Sie sich prima das Maul zerreißen können. Über Lisa Fitz: "Falsche Fingernägel, falsche Haare, falsche Brüste", über Susan Stahnke: "Die hat was ganz Ältliches, dabei ist sie jünger als ich. Diese weiße schlabberige Haut", und über Daniel Küblböck: "Mein natürlicher Reflex ist immer Flucht. Der ist doch auch auf'm absteigenden Ast."

So gut Sie auch beobachtet haben: Man könnte Sie unter Umständen für eine intrigante Kuh halten. Oder sich Ihre eigenen großartigen Verdienste anschauen: ein Auftritt im "Playboy", ein Kiwi-Cocktail-Rezept, das Sie für die AOK beim Sommerfest des Bundespräsidenten angepriesen haben, und eine CD, von der niemand außer Ihnen Notiz genommen hat. Haben Sie sich nie gefragt, warum auch Sie im Dschungel sitzen? Neben Herrn Wendehals und Frau Stahnke? Sie Arme! Finden Sie Trost in der Philosphie, diesmal in der chinesischen. Dort heißt es: "Wer Menschenkenntnis besitzt, ist gut. Wer Selbsterkenntnis besitzt, ist erleuchtet."

Ihr Tobias Schmitz