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DSDS - Deutschland sucht den Superstar

DSDS-Mottoshow Die sich zum Affen machen


Sarah Engels fliegt bei der ersten DSDS-Mottoshow raus. Aber es gibt Schlimmeres: Norman hat Textpatzer, Anna-Carina ist immer noch ungeküsst und Marvin bewegt sich einfach nicht. Und wo ist eigentlich Superstar Guttenberg?
Von Sylvie-Sophie Schindler

Mensch, wo sind Sie denn, Herr zu Guttenberg? Ohne Sie geht doch nichts. "Deutschland sucht den Superstar" - kurz DSDS - geht in die nächste Runde. Das ist Ihre Show! Sie sind doch ein Superstar, oder? Also, nichts wie hin zur "Ich-gebe-nicht-auf-Community". Hier treffen Sie auch andere Selbstdarsteller. Hier können Sie endlich zeigen, was in Ihnen steckt. Und das Beste: hier darf schamlos abgekupfert werden - keinen stört's. Schnappen Sie sich einfach einen x-beliebigen Song. Wie wäre es beispielsweise mit Elton Johns "Sorry Seems To Be The Hardest Word"? Und noch ein Tipp in Sachen Bühnen-Look: Lassen Sie Ihre Top-Gun-Sonnenbrille bitte in der Schublade.

Bis die finalen Outfit-Fragen des Herrn zu Guttenberg umfassend geklärt sind, mal ein Blick in den legendären Gesangs-Contest, der bereits zum achten Mal läuft. Die zehn DSDS-Finalisten - vier Mädels, sechs Männer - zeigten am gestrigen Samstag, was sie stimmlich und sonst wie drauf haben. Gegen 35.000 Bewerber hatten sie sich bisher durchgesetzt. Nun wurde weiter ausgesiebt. Die Zuschauer, die per Telefonvoting abstimmten, waren sich am Schluss der Sendung einig: Sarah Engels muss gehen. Ein Schock für die Hürtherin. Es gab Tränen, Schluchzen, das Vollprogramm eben. Zu vermuten ist, dass Sarah, die mit Mariah Careys "When You Believe" angetreten war, mit ihrem Charakter aneckte. Ihr Image als Streberin und Angeberin kam wohl einfach nicht an. Die Juroren hingegen waren begeistert. "Fantastischer Auftritt. Du warst bisher die Beste hier."

Der deutsche Justin Bieber

Die RTL-Show stand diesmal unter dem Motto "Megahits". Nicht überraschend: Songs von Mikrofon-Diven wie Whitney Houston gehörten genauso dazu wie Dieter Bohlens Verbalinjurien. Mit dem DSDS-Altmeister in der Jury saßen Patrick Nuo und Fernanda Brandao. Die brasilianische Sängerin übrigens stand kurz im Verdacht, mit dem Silvio-Berlusconi-Gen infiziert zu sein. Hemmungslos flirtete sie mit dem minderjährigen Sebastian Wurth, der als deutscher Justin Bieber gehandelt wird. "Wenn du willst, können wir zusammen an der Körperhaltung arbeiten", turtelte die 27-Jährige den 16-Jährigen an. Dann aber räumte sie doch ein: "Du bist mir zu jung."

Um gleich bei Sebastian Wurth zu bleiben: Stimmt schon, an seine Choreografie müsste er eigentlich noch ran. Doch Dieter Bohlen ernennt ihn zum Ausnahmefall: "Es wäre ein Schock, wenn du plötzlich eine ausgearbeitete Choreografie präsentieren würdest." Denn gerade das sei doch sein Pluspunkt: "Du spielst uns nichts vor." So kam auch sein Song daher. Sebastian präsentierte "You Raise Me Up" von Westlife ohne großes Tamtam und Wow-Effekte. Und er schaffte mit seiner Stimme das, was bei DSDS absolute Mangelware ist: wahre und gefühlvolle Momente.

In "Ich-bin-so-wie-ich-bin"-Manier stellte sich auch Marvin Cybulski hin. Und wenn einer wie Marvin steht, dann steht er. Bewegen? Daheim vielleicht bis zum Kühlschrank und zurück, aber auf der Bühne, das wäre dann doch zu anstrengend. Auch die Klamottenfrage muss gar nicht erst geklärt werden. Grünes Sweatshirt, Hose, Schluss. Das sieht dann aus, als wäre er gerade eben noch auf der Couch gesessen, mit Chips und Bier in der Hand. Niemand würde ihn für einen Herzensbrecher halten, trotzdem punktete er mit der Gänsehautnummer "We've Got Tonight“ von Kenny Rogers. Der Jury-Kommentar: "Teddybär mit Ausnahmestimme".

Dass viele Ärzte jammern, sie seien unterbezahlt, sollte endlich ernst genommen werden. Wie schlecht es wirklich um Medizinerhonorare steht, zeigt der Fall Marco A: der angehende Chirurg treibt sich bei DSDS herum. Also an alle Eltern: Wozu das Kind in einen Akademikerberuf drängen, wenn es dann doch nur bei DSDS landet? Aber gut, vielleicht bringt Marco Angelini es ja auch jenseits des OP-Tisches zu etwas. Besonders gut allerdings sieht es nicht aus. Das Urteil über Marco: Dieter fehlte der Star-Appeal, Fernanda mochte seine in die Stirn hängenden Löckchen.

Bohlen wieder in Nörgel-Laune

Sonst noch was? Moderator Marco Schreyl konnte keine Kritik vertragen, Kandidat Pietro Lombardo popelte vor laufender Kamera in der Nase herum, was als "authentisch" bejubelt wurde und Nina Richel, die sowieso ständig auf ihre Pfunde angesprochen wird, wurde von Bohlen angeblafft: "Du hast an der falschen Stelle abgenommen, an der Stimme." Einen ähnlichen Rüffel bekam Zazou Mall ab, die "Don't Stop The Music" von Rihanna interpretierte. "Deine Beine sind dünner als die von Rihanna, die Stimme auch", so der Nörgel-Papst.

Bleiben noch Anna-Carina Woitschack, Ardian Bujupi und Norman Langen. Und da zeigt sich auch mal der Mensch. Denn DSDS-Kandidaten leben, die atmen, die werden nicht ferngesteuert. Über Ardian, der unbedingt sein Image als Mega-Macho loswerden will, wird bekannt: er kam aus dem Kosovo nach Deutschland. Damals sein größtes Glück: seine erste Videokassette "König der Löwen". Ann-Carina Woitschack bekennt, dass sie noch nie von einem Mann geküsst wurde. Und macht ohnehin einen niedergeschlagenen Eindruck. "Wie ein eingesperrtes Tier", urteilt Bohlen. Norman Langen packt über seine Familie aus: "Mein Vater interessiert sich mehr für Frauengeschichten. Das ist ihm wichtiger als der eigene Sohn. Wir haben keinen Kontakt mehr." Harter Tobak. Die heile Schlager-Welt kommt da gerade richtig. Norman singt Hits wie "Wahnsinn" von Wolfgang Petry - und leistet damit bei DSDS Pionierarbeit. "Du darfst mich nicht enttäuschen", bläut ihm Bohlen ein. Doch Norman, der geborene Entertainer, treibt sich während seines Auftritts zwischen den Zuschauern herum, überall Hände, die ihm Rosen reichen. Sieht erstmal lässig aus, ist es aber nicht. Schon ist Normans Konzentration dahin. Die Konsequenz: zwei Textpatzer. Bohlen: "Das geht nicht."

Fazit: Im Grunde war auch diese DSDS-Show "business as usual". Doch immer nur Show, immer nur Attitüde, immer nur der schöne Schein, irgendwie bringt's das auch nicht. Man muss auch mal die Fakten auf den Tisch legen. Sagen, was Sache ist. Dieter Bohlen spricht's endlich mal aus: "Ihr macht euch selbst zum Affen bei RTL, nicht RTL macht euch dazu." Noch hat allerdings niemand geprüft, ob dieses Zitat wirklich von ihm stammt. Herr zu Guttenberg, wir übergeben.


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