HOME

Ann Sophie bei Markus Lanz: "Es hat mich sehr, sehr verletzt"

Sie gibt die Tapfere: Bei Markus Lanz spricht Ann Sophie über ihr Abschneiden beim ESC und über die bangen Momente bei der Wertung. Sie habe schon nach dem fünften Land gemerkt, "das wird nix mehr".

Von Jens Maier

Mit Dutt und weißem Pullover: Ann Sophie bei Markus Lanz

Mit Dutt und weißem Pullover: Ann Sophie bei Markus Lanz

Markus Lanz kriegt sich vor Lob gar nicht mehr ein. Ganz direkt müsse man das sagen: "Wunderbar" habe sie das gemacht, "toll", "grandios", "super". "Das war astrein, genial", sagt er, und "an dir lag's nicht". So als müsse er ein Kind nach verpatzten Bundesjugendspielen trösten. Ihm gegenüber sitzt kein kleines Mädchen, sondern eine erwachsene Frau. "Sie hat so tapfer für uns gesungen", stellt er Ann Sophie Dürmeyer vor. Damit meint er weniger ihren Auftritt, als vielmehr ihr Verhalten danach. Den Unterschied scheint er im Überschwang seiner Worte nicht zu merken. "Tapfer", das muss die 24-Jährige auch jetzt wieder sein. Mit wippenden Beinen und breitem Grinsen erträgt sie die Lobhudelei. Wohlwissend, dass die anbiedernden Aufmunterungsversuche des Moderators das historische Debakel nicht relativieren können.

"Es hat mich sehr, sehr verletzt, was da am Abend passiert ist", sagt Ann Sophie. Fünf Tage nach ihrem Auftritt beim Eurovision Song Contest mit "Black Smoke" ist die Sängerin zurück in ihrer Heimatstadt Hamburg. Zum ersten Mal spricht sie in der Talkshow von Markus Lanz ausführlich im Fernsehen über das, was am vergangenen Samstagabend in ihr vorgegangen ist. Es sind die ehrlichen Worte einer Gescheiterten, die mit null Punkten das schlechteste Ergebnis für Deutschland seit 50 Jahren eingefahren hat.

"Wo ist der Rotwein?"

"Ich habe schon nach dem fünften Land gemerkt, das wird nix mehr. Das war sehr skurril", sagt Ann Sophie. Aufgeregt sei sie natürlich gewesen. Nicht nur vor und bei ihrem Auftritt, sondern auch danach. Zunächst habe sie im Green Room gefiebert, doch nach den ersten Wertungen sei die Hoffnung auf Punkte schnell geschwunden. "Ich hatte so eine Vorahnung und dachte, wo ist der Rotwein? Ich habe mir dann irgendwann gedacht, es ist viel geiler mit null Punkten. Auf Mitleidspunkte hatte ich auch keinen Bock."

Da war sie wieder, die starke Ann Sophie, die das Debakel von Wien mit Humor zu nehmen versucht. "Ich hatte 35 Länder lang Zeit zu überlegen, wie ich mit dieser Situation umgehe", erklärt sie ihren gefassten Auftritt nach dem Finale. In einem Video, das sie am Tag danach veröffentlichte, nahm sie sich selbst aufs Korn. Zur Melodie des Siegertitels "Heroes" des Schweden Måns Zelmerlöw sang sie "We are the Zeros of our time" ("Wir sind die Nullen unserer Zeit"). Das Video bringt ihr viele Sympathien ein. Es ist wohl auch eine Art Kompensation. Für einen Moment fällt der Druck von ihr ab.

Ann Sophie hatte Angst vor der Presse

"Ich hatte tierische Angst vor der Presse", gibt die verletzliche Ann Sophie zu. "Wenn die dann noch draufgehauen hätte, wäre es mir richtig schlecht gegangen." Doch Häme über ihr schlechtes Abschneiden bleibt weitgehend aus. In den Analysen der Kritiker kommt Ann Sophies Auftritt gut weg, die Schuld am schlechten Abschneiden wird vor allem am Punktesystem und Lied festgemacht, weniger an ihr selbst. Trotzdem nagt dieses Ergebnis an ihr.

"Ich freue mich, wenn Leute nicht den ESC gucken. Mit denen könnte es doch noch was werden", sagt sie aus Scherz. Doch dahinter steckt eine bittere Wahrheit. Für viele wird sie auf ewig die Null-Punkte-Lady bleiben. "Ach guck mal, das ist doch die, die beim Grand Prix nix gerissen hat", könnte es dann heißen. Die Angst, als Versagerin gebrandmarkt zu sein, ist bei Ann Sophie nur zwischen den Zeilen zu hören.

"Das war astrein, genial", übertönt Markus Lanz. Und schließlich sagt sie die Worte, die er hören will: "Ich habe mich tierisch gefreut, da stehen zu dürfen. Ich habe persönlich für mich das erreicht, was ich erreichen wollte. Ich habe die drei Minuten genossen. Es war ein schöner Moment." Das Leben gehe weiter und es werden sich neue Wege öffnen. Tapfere Ann Sophie.