HOME

ESC-Pleite für Deutschland: Ann Sophies Albtraum

Letzter Platz und null Punkte: Das Ergebnis für Ann Sophie beim Eurovision Song Contest ist bitter. Bei aller Traurigkeit sieht die 24-Jährige aber auch die positiven Seiten der ESC-Erfahrung.

Von Lars Peters, Wien

Debakel beim Eurovision Song Contest: Ann Sophie bekommt null Punkte

Debakel beim Eurovision Song Contest: Ann Sophie bekommt null Punkte

Der ESC-Traum, der für Ann Sophie mit dem Sieg beim Clubkonzert in Hamburg am 19. Februar begann, hat kein gutes Ende gefunden. Im Gegenteil. So sehr sie sich auch bemühte, entwickelte sich der Traum immer mehr zum Albtraum. Erst das Manko als vermeintliche Notlösung für Wien nach dem Rückzieher von Andreas Kümmert, nun auch noch null Punkte beim Eurovision Song Contest. Letzter wurde Deutschland beim größten Musikwettbewerb der Welt zuletzt 2008. Aber man muss bis ins Jahr 1965 zurückgehen, um ein Null-Punkte-Ergebnis zu finden. Einziger Trost: Auch der Gastgeber Österreich wurde bei der Punktevergabe vollständig ignoriert.

Während sich beim Voting am Samstagabend an der Spitze ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Schweden und Russland abspielte, nahm das deutsche Drama am anderen Tabellenende seinen Lauf. Mit jedem Land, das seine Wertung abgab und dabei Deutschland links liegen ließ, sank die Stimmung im deutschen Team. Als die Hälfte der Länder abgestimmt hatte, versteckte Ann Sophie zeitweise ihr Gesicht hinter einem Fächer. Gegen Ende der Punktevergabe verschwand sie kurzzeitig aus dem Greenroom, war bald darauf aber wieder da - und sah den enttäuschenden Tatsachen ins Auge.

Bester Auftritt von "Black Smoke"

Als das Ergebnis feststand, erhielt die 24-Jährige viel Zuspruch und Unterstützung aus ihrem Team, aber auch von den österreichischen Vertretern, den Makemakes, die ebenfalls leer ausgegangen waren. Die beiden Acts hatten sich bereits im Vorfeld des ESC angefreundet und noch am Donnerstagabend gegenüber dem Stern gefordert, dass sich Deutschland und Österreicher stärker bei der Punktevergabe berücksichtigen sollten. Genutzt hat es nichts.

Ann Sophie, soviel kann gesagt werden, hatte am Samstagabend den besten Auftritt von "Black Smoke" seit dem Vorentscheid in Hannover. Die Stimme war da, die Bewegungen saßen, die Performance war rund. Und auch sie selbst hat ihren Auftritt genossen. "Es war wundervoll auf der Bühne zu stehen. Es hat super viel Spaß gemacht", sagte sie nach der Show der deutschen Presse. Und sie sei zufrieden, denn sie habe das geschafft, was sie sich vorgenommen hatte. Der Traum, einmal vor so vielen Menschen zu singen, hat sich erfüllt. Dass es trotzdem nicht mit den Punkten geklappt habe, könne daran gelegen haben, dass der Song "Black Smoke" nicht ESC-typisch sei, mutmaßte die Hamburgerin.

Steherqualitäten hatte Ann Sophie seit dem Kümmertgate immer wieder bewiesen. Und auch nach dieser herben Niederlage bleibt sie professionell - und sogar optimistisch. Mit der ihr eigenen Jetzt-erst-recht-Haltung sieht sie auch das Positive an der Situation: Sie habe durch die Teilnahme am ESC mehrere Tausend neue Fans gewonnen und will weiter Musik machen. Sie will auch in Zukunft ihre Kunst betreiben, weil sie sie liebe. Bei aller Traurigkeit, die jetzt natürlich in ihr sei, freue sie sich darauf, im nächsten Jahr vielleicht nicht als ESC-Moderatorin auf der Bühne zu stehen, aber doch auf einer anderen.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Vielleicht wird das ja auch im Fernsehen der Fall sein. Denn der verantwortliche ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber kündigte an, dass man weiter hinter Ann Sophie stehe und mit ihr arbeiten wolle. Auch er zeigte sich enttäuscht von dem Ergebnis, denn "der Song und die Performance waren besser als die null Punkte", so Schreiber. Voreilige Schlüsse auch in Bezug auf die Zukunft des deutschen ESC-Vorentscheids wollte er nicht ziehen. Vielmehr sollen die Votingergebnisse analysiert werden. Das geht recht einfach: dank der hochtransparenten Bekanntgabe der Jury- und Zuschauerergebnisse aller Länder lässt sich z. B. erkennen, wo und bei wem Ann Sophie doch punkten konnte. Und da wird deutlich, dass Ann Sophie in vielen Ländern nur knapp die nationale Top-10 verpasst hat.

Diese Analyse können sich die ESC-Verantwortlichen Schwedens und Italiens im Gegensatz zu Deutschland schenken. Sie haben höchst erfolgreiche nationale Musikwettbewerbe, deren Sieger in den letzten Jahren immer wieder beim ESC reüssieren konnten. Auch in diesem Jahr. Aber wie bei der Fußball-WM gilt auch beim ESC: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Womöglich steht Deutschland im nächsten Jahr schon wieder auf dem Treppchen - und Ann Sophie erfolgreich auf einer Bühne. Nach dem harten Weg von Hamburg nach Wien ist ihr zu wünschen, dass ihr Traum endlich ein gutes Ende findet.