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Eurovision Song Contest Russischer Popstar fordert Respekt für Conchita


Russland sendet gemischte Signale zum ESC-Sieg von Conchita Wurst. Während einige nationalistische Politiker schon das "Ende Europas" herbei reden, fordert ein Popstar Respekt für die Sängerin ein.

Nach scharfer Kritik aus Russland an der ESC-Teilnahme der österreichischen Dragqueen Conchita Wurst hat die Delegation des Riesenreichs um Respekt geworben. "Ob er einen Bart hat oder keinen Bart, ob er Mann ist oder Frau - das ist unwichtig, es ist ein Wettbewerb", sagte "Pop-Papst" Filipp Kirkorow am Sonntag im Staatsfernsehen. Wursts Siegerlied sei sehr schön, sagte Kirkorow. Der 47-Jährige hat den russischen Beitrag für den Eurovision Song Contest mitgeschrieben und war 1995 selbst ESC-Teilnehmer.

Nationalistische Politiker aus Russland kritisierten dagegen den Sieg der österreichischen Künstlerin, die auch aus Russland fünf Punkte erhalten hatte. Das Ergebnis zeige "Anhängern einer europäischen Integration, was sie dabei erwartet - ein Mädchen mit Bart", schrieb Vizeregierungschef Dmitri Rogosin am Sonntag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Rogosin ist für seine scharfen Ansichten bekannt. Im August 2012 hatte er Madonna indirekt als "Hure" bezeichnet, weil die Sängerin bei ihrem Auftritt in Russland die Freilassung von drei inhaftierten Mitglieder der Punkband Pussy Riot gefordert hatte.

Konservative Politiker empört über Conchitas Sieg

Noch härter formulierte der ultra-nationalistische Abgeordnete Wladimir Schirinowski: Das ist das Ende Europas", sagte Schirinowski im russischen Fernsehen. "Da unten gibt es keine Frauen und Männer mehr, sondern stattdessen ein Es", ergänzte der Politiker und fügte hinzu: "Vor 50 Jahren hat die sowjetische Armee Österreich besetzt, es freizugeben war ein Fehler, wir hätten dort bleiben sollen." Schirinowski ist allerdings auch in der russischen Politik als Demagoge verschrieen, seine zum Teil völlig überzogenen Positionen nehmen auch dort eine Randstellung ein.

Die Teilnahme von Conchita Wurst hatte bereits im Vorfeld in Russland hitzige Debatten ausgelöst, in Weißrussland sogar zu einer Petition geführt. Konservative Politiker und Kirchenkreise hatten kritisiert, eine Übertragung des ESC mit dem Transvestiten bedeute "eine eindeutige Propaganda für Homosexualität und geistliche Verderbnis". In Russland ist es gesetzlich untersagt, positiv vor Minderjährigen über "nicht-traditionelle sexuelle Orientierung" zu sprechen. Kirkorow hatte das Verbot öffentlich kritisiert.

stb/jwi/DPA/AFP DPA

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