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Friedrich Küppersbusch: Fernsehen war gestern

Was macht eigentlich der ehemalige ARD-Moderator Friedrich Küppersbusch? Im stern-de-Interview lästert er über die miserable Qualitiät des deutschen Privatfernsehens und äußert sich zu Kollegen wie Charlotte Roche und Hape Kerkeling.

Von Martin Krebbers

In Deutschland hat alles seine Ordnung. Dieses Prinzip gilt sogar für das deutsche Fernsehen. Während die privaten Sender mit Dschungelcamp und DSDS Rekordquoten in der heiß umworbenen Zielgruppe der 14-19 Jährigen einfahren, laufen den guten alten ARD-Tagesthemen die Zuschauer in Scharen davon. Was bleibt, sind die Alten. Skandal-Fernsehen gegen Rentnerfernsehen. Es sei "bizarr", sagt TV-Produzent Friedrich Küppersbusch im stern.de-Interview, "dass der halbe Markt Politik und Zeitgeschehen macht, ohne Erfolg, und die andere Hälfte des Marktes sagt, das sollen die anderen machen, das interessiert uns einen Scheißdreck". In den USA, da ist sich Küppersbusch sicher, würden Sender wie RTL und Sat.1 gnadenlos untergehen, denn selbst das amerikanische Publikum erwarte mehr Journalismus.

Küppersbusch, dessen Moderationen der ARD-Magazine "Zack" und "Privatfernsehen" Legende sind, guckt privat nicht mehr in die Glotze. Stattdessen macht es Küppersbusch seinen Kindern nach und stöbert im Internet. Youtube statt "Wetten dass". Ab und zu stößt er auf der Internetplattform sogar auf seine eigenen Produktionen, etwa aus der RTL-Dokusoap "Raus aus den Schulden". Die am meisten angeklickte Sequenz ist ein kleiner Tabubruch: Schuldnerberater Peter Zwegert raucht eine Zigarette, "weil eine Familie sich so beharrlich weigert, mit ihm zu kooperieren." Der RTL-Kodex sieht vor, solche Szenen herauszuschneiden. Küppersbusch ließ sie dennoch senden. Jetzt ist sie ein Internet-Hit.

Charlotte Roche: kein C&A-Gesicht

Nicht mal Charlotte Roche schafft es, die jungen Zuschauer auf die Fernsehcouch zu locken. Die Ex-Viva-Moderatorin sei zwar für TV-Redakteure interessant, "weil die jeden Tag austauschbare C&A-Gesichter sehen", sagt Küppersbusch. Aber das Publikum akzeptiere Roche nicht im Fernsehen. Dafür hat ihr Buch "Feuchtgebiete" reißenden Absatz gefunden. Friedrich Küppersbusch gehört zu den wenigen männlichen Nicht-Lesern. Er habe zwar das Gefühl, "dass viele Frauen unter dem Schönheitsdiktat leiden", dass Roche kritisiert. Er selbst leide darunter aber nicht, kommtentiert er trocken.

Auch Hape Kerkeling, immer wieder als Nachfolger Thomas Gottschalks gehandelt, versetzt Küppersbusch nicht in Ekstase. "Der ist ja nicht nur zu bewundern, für das, was er macht, sondern auch für das, was er nicht macht", sagt er. Die Zukunft des Fernsehens liegt seiner Ansicht nach sowieso jenseits der klassischen Berieselung. "Das Fernsehen müsste sich viel mehr Gedanken machen, in welchen Nischen des Internets es überleben kann". Küppersbusch wäre nicht Küppersbusch, wenn er sich diese Gedanken nicht längst gemacht hätte. Herausgekommen ist die interaktive Talk-Sendung für N-TV. Die Zuschauer können per Internet jederzeit ihre Meinung und Fragen beitragen. "Noch verdienen wir damit kein Geld", sagt Küppersbusch, "würden aber für mein Gefühl ganz viel Wissen verlieren, wenn wir uns nicht rechtzeitig als Fernsehproduzenten darum kümmern würden."