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"The Last Watch": Die "Game of Thrones"-Doku zeigt die emotionalen Dreharbeiten - und die wahren Stars der Serie

Die letzte Staffel von "Game of Thrones" musste viel Kritik einstecken. Mit einem letzten Blick hinter die Kulissen wollen die Macher die Fans etwas versöhnen. Die Dokumentation "The Last Watch" verzichtet dabei weitgehend auf Starrummel – und zeigt die wahren Helden von Westeros.

Die "Game of Thrones"-Doku zeigt die emotionalen Dreharbeiten - und die wahren Stars der Serie

Achtung: Dieser Text verrät Inhalte der aktuellen achten Staffel von "Game of Thrones" und aus allen bisherigen Staffeln. Wer noch nicht alle Folgen gesehen hat und sich lieber überraschen lassen möchte, sollte hier wirklich aufhören zu lesen.

"Es ist wie eine Familie – nur, dass wir alle gut miteinander zurechtkommen" so erklärt Produzent D.B. Weiss beim ersten Table Read, dem gemeinsamen Lesen des Drehbuchs, für die finale Staffel von "Game of Thrones" das Verhältnis im Team hinter dem Serienhit. Die ab heute bei Sky und Sky Ticket verfügbare Dokumentation "The Last Watch" begleitete diese Familie nun durch den gesamten Dreh der letzten Staffel. Die große Stärke der Doku: Sie macht die Stars zur Nebenrolle - und zeigt uns die Helden jenseits des Rampenlichts.

Die Stars wie Emilia Clarke kommen in "The Last Watch" nur am Rande vor

Die Stars als Nebenrolle

Natürlich kann eine Serien-Doku nicht völlig auf die vorhersehbaren Einsichten in den Drehalltag der Stars verzichten. So gibt es mal einen Besuch bei Emilia Clarke beim Anlegen von Daenerys' aufwendiger Perücke oder den scherzenden Stars in der Maske. Tatsächlich sind es aber vor allem die kleineren Momente mit unbekannten Mitarbeitern, die die Dokumentation sehenswert machen.

Viele der Statisten und Setarbeiter sind selbst riesige Fans der Serie. "Ich bin die Ausdauer-Fee", freut sich ein Mitarbeiter in der begeisterten Aufregung eines Fans, nachdem er dem Regisseur David Nutter einige Mandeln bringen darf. Der Enthusiasmus von Andrew McClay, der als unbekannter Soldat dutzendfach in der Serie auftaucht (hier erfahren Sie mehr), ist durch den Bildschirm hindurch ansteckend, immer wieder darf er sich stellvertretend für die Zuschauer über die Entwicklungen am Set überrascht zeigen. "Das ist ein brennender Dothraki-Arakh", freut er sich wie ein kleiner Junge.

Im Video: Der fünfte Teil der auf sieben Bände angelegten Bücherreihe hinter der TV-Serie "Game of Thrones" wurde 2011 veröffentlicht. Seitdem warten Fans sehnsüchtig.Jetzt schaltet sich Air New Zealand ein. 

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So reagierte Kit Harington auf die emotionalste Szene

Wer wegen der Stars einschaltet, bekommt trotzdem genug zu sehen. Beim gemeinsamen Lesen des Scripts erleben wir mit, wie manche der Schauspieler auf das Schicksal ihrer Figuren reagieren. So jubeln alle am Tisch, als Arya den Nachtkönig erwischt. Vor allem "Bluthund"-Darsteller Rory McCann feiert seine kleine Wahltochter. Die Überraschung dürfte bei vielen der Darsteller echt sein. "Sie bekommen sie vorab zu lesen, ob sie es tun, müssen sie aber selbst entscheiden", erklärt die für die Verteilung der Drehbücher zuständige Mitarbeiterin.

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Einige scheinen das tatsächlich nicht zu tun. Als die Lesung beim Mord Jon Schnees an Daenerys Targaryen ankommt, reagiert Darsteller Kit Harington regelrecht geschockt, als er einige Zeilen weiterliest. Sehr zum Amüsement der neben ihm sitzenden Sophie Turner schlägt Harington die Hände vor dem Mund zusammen, wirkt den Tränen nahe. Emilia Clarke, die offenbar wusste, was kommt, nickt ihm mit mitleidigem Gesicht zu. Das Ende der großen Liebesgeschichte durch den Dolch hat wohl selbst Jon Schnee nicht kommen sehen.

Interessant ist auch ein weiteres Detail: Offenbar scheint die Planung der Folge damals noch eine andere gewesen zu sein. Während sich die Todesszene in der finalen Fassung relativ am Anfang der Folge findet, beendet der Erzähler des Table Reads sie noch mit "Das Ende von ‚Game of Thrones‘." Ob das tatsächlich so im Drehbuch stand, werden wir wohl nie erfahren: Am Ende landen alle Scripts im Schredder.

Die wahren Stars

Spannend sind auch die Blicke hinter die aufwendige Produktion. Dass der Winter kommt, ist eines der zentralen Themen der Serie. Dass es deshalb einen eigenen Schnee-Beauftragten gibt, haben wohl die wenigsten Zuschauer erwartet. "Ich bin der Schneemann", stellt sich der "Head of Snow" Del Reid ganz bescheiden vor. Während es in Staffel 1 nur um eine verschneite Waldszene ging, sei sein Job im Laufe der Serie immer größer geworden, erzählt er. Der Schnee besteht übrigens aus Papierschnipseln. die mit Schläuchen millimetergenau versprüht werden. "Es erfüllt den Zweck", so Reid trocken. Er würde es nicht mögen, Geld zu verschwenden. Am Ende bleibt eine Urkunde. "Man bekommt so ein Zertifikat, dass man Teil einer Show war, die einen Emmy gewonnen hat", erklärt Reid. "Aber das zeigt man niemandem. Das ist wie ein Gabelstapler-Führerschein."

Als einziger Darsteller kommt Nachtkönig Vladimir Furdik regelmäßig zu Wort. Der slowakische Stuntman und Kampfkunst-Experte kümmert sich hauptberuflich um die Choreografie der Kampfszenen. Eher zufällig wurde er zum Nachtkönig, als der vorherige Darsteller irgendwann nicht mehr zur Verfügung stand. "Es ist viel einfacher, Stuntman zu sein als Schauspieler", beichtet er beim Dreh seiner Todesszene. Auch der Rummel um die Hauptdarsteller scheint ihm befremdlich. "Wie kann man dieses Leben führen, bei dem man ständig erkannt wird?" fragt er stellvertretend für die Zuschauer, als man den Einlauf der Stars beim Dreh in Sevilla beobachtet – um dann doch festzustellen, dass alle Fans ihn auch ohne Maske sofort als Nachtkönig erkennen. Und dann doch den Trubel um seine Person zu genießen.

Ein Stück Kroatien in Belfast

Neben vielen dieser kleinen Momente geht es natürlich geht es auch um den Bombast der Drehs. Um Königsmund zerstören zu können, baute man die Vorlage, die kroatische Stadt Dubrovnik, aufwendig in Belfast nach. "Uns war schon beim Lesen des Drehbuchs klar: Wir werden dort nicht drehen dürfen", erklärt die für die Locations zuständige Deborah Riley. "Niemand würde uns erlauben, die Stadt zu zerstören." Also wurden in sieben Monaten Arbeit 17 Straßenzüge in Belfast aufgebaut, mit hohen Mauern aus Frachtcontainern von den neugierigen Blicken der Passanten abgeschirmt. Um die Häuser wie gewünscht zerstören zu können, wurden zuerst die Ruinen gebaut, die dann mit Versatzstücken in den intakten Zustand ausgebaut wurden, verriet man schon im Making-of der Folge.

Zwischendurch gibt es immer wieder Untote, die ein Sandwich verputzen, Stark-Kämpfer mit Starbucks-Bechern, Smartphone und E-Gitarre, die auf ihren Einsatz warten. Die kleinen Momente machen den Arbeitsalltag nahbarer. Der war teilweise extrem hart. 55 Nächte drehte man alleine an der Schlacht um Winterfell, immer wieder flucht irgendwer über die Belastung der ewigen Nachtdrehs. Alle sind merkbar erschöpft.

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Diese Netflix-Serie kommt dem Setting von GoT ziemlich nahe. Hier werden Andrzej Sapkowskis Hexenromanen um Geralt von Rivia verfilmt. Sapkowski fungierte auch als kreativer Berater für die Serie und in mindestens einer Episode führte Tomasz Bagiński Regie. "Es gibt eine moralische und intellektuelle Tiefe in diesen Büchern, die über das Genre hinausgeht", sagte er. "Es ist eine Geschichte über die heutigen und heutigen Herausforderungen, versteckt unter einem Fantasy-Cover. Es ist eine Geschichte über uns, über das Monster und den Helden in unserem ganzen Herzen."

Game of Thrones Faktor

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Hexer und Ritter sorgen für einen ähnlichen Look

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Trauer und Glück

Neben der Müdigkeit ist eine gewisse Melancholie zu spüren. Es ist für die Beteiligten auch das Ende einer Ära. "Es ist mein Abschied von der Nachtwache. Ich kenne diese Typen jetzt seit Jahren", sinniert McClay. "Ich will gar nicht wissen, wie es den Schauspielern geht." Die sehen das ähnlich. Als Emilia Clarke das letzte Mal ihre Perücke aufsetzt, fragt sie ihre Maskenbildnerin: "Bist du auch irgendwie erleichtert?" Beide sind sich einig: Obwohl der Abschied schwer fällt, irgendwie ist es auch Zeit, dass es vorbei ist. "Ich bin müde", erklärt die Maskenbildnerin. "So müde", pflichtet Clarke bei.

"Man hat sehr gemischte Gefühle", fasst Produktionsleiterin Bernie Caulfield völlig erschöpft zusammen. "Man wünscht sich nur: Bitte, lasst uns fertig werden. Und dann kippt es und man denkt: Nein, ich will nicht, dass das zu Ende geht." Als dann irgendwann der unvermeidbare Abschied kommt, fällt er vielen sichtlich schwer. "Ich seid für mich zu einer Art Familie geworden", erklärt Kit Harington in einer kurzen Rede vor Teilen der Crew. Auch in den Aufnahmen kommt das Gefühl eines letzten Zusammentreffens einer Familie auf. "Es ist schwer zu verarbeiten, dass ich nie wieder zu 'Game of Thrones' zurückkommen werde", sagt ein aufgelöster Andrew McClay in die Kamera.

Momente wie dieser machen es nachvollziehbar, dass die Beteiligten zum Teil sehr emotional auf die Reaktion vieler Fans auf die Staffel reagieren. Vielen Zuschauern stießen Handlungs-Entscheidungen sauer auf, auch die überhastete Erzählweise mit zu wenig Charakter-Entwicklung wurde kritisiert. Die Schauspieler zeigten sich empört. Die Kritiker sollten "sich f***en", sagte Kit Harington. Die Fans verstünden einfach nicht, wie viel Arbeit man in die Staffel gesteckt hätte, beschwerte sich Sophie Turner. Nach "The Last Watch" hat man einen eindrucksvollen Einblick in diese Arbeit bekommen. Vielleicht versöhnt es auch einige Fans.

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