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"heute show": "Ruh' dich doch aus, wenn du tot bist": Oliver Welke knöpft sich Internetfirmen vor

In modernen Internetfirmen herrschen Zustände wie im alten Ägypten: "Ohne Druck auf die Belegschaft läuft gar nichts, das war schon beim Pyramidenbau so", meint Oliver Welke in der "heute show".

Ruhe in Frieden: Der Betriebsrat von Deliveroo in Köln. "Millionen Deutsche werden um den Mindestlohn beschissen", so lautete eines der Themen der "heute Show" am 3. Mai 2018.

Ruhe in Frieden: Der Betriebsrat von Deliveroo in Köln. "Millionen Deutsche werden um den Mindestlohn beschissen", so lautete eines der Themen der "heute Show" am 3. Mai 2018.

Den Tag der Arbeit in dieser Woche und den 200. Geburtstag von Karl Marx hat die "heute Show" zum Anlass genommen, sich die Themen Mindestlohn, Ausbeutung und Arbeitsbedingungen bei Internetfirmen vorzunehmen. "2,2 Millionen Deutsche werden um den Mindestlohn beschissen", wetterte Moderator  in der ZDF-Sendung am Freitagabend.

Denn viele Menschen könnten von ihrem Arbeitslohn nicht einmal mehr ihren Lebensunterhalt bestreiten. Arbeit gäbe es nur noch befristet "und zu der Hundertausende aufstocken, was echt ein Skandal ist, aber kaum einen juckt, weil uns viel mehr interessiert, dass jetzt mit dem kleinen Typen von Tokio Hotel rumknutscht."

Als besonders zynisch prangerte der Moderator der "heute show" eine jüngste Preisverleihung an. Der Axel-Spinger-Preis ging an Jeff Bezos, Chef der Firma . "Ausgezeichnet für herausragende Leistungen auf dem Feld der Steuerhinterziehung", lästerte Welke.

Eine Adelung ausgerechnet für einen "Vorzeigeunternehmer", bei dem jeder Angestellte im Logistikcenter eine Nummer und Scanner hat, wodurch sich die Mitarbeiter bestens überwachen lassen. Ein Einspieler zeigte die Arbeitsbedingungen und das Protokoll einer Mitarbeiterin, die nach einem Toilettengang "zwei Minuten inaktiv" war und sich am Arbeitsplatz mit einem Mitarbeiter unterhalten hat. Welch eine Frechheit.

"Amazon.com - Ruh' dich doch aus, wenn du tot bist"

Ohne Druck auf die Belegschaft läuft gar nichts, das war schon beim Pyramidenbau so", kommentierte Welke. Ein vom "heute show"-Team gedrehter und satirisch gemeinter Clip zeigt, wie im Versandzentrum Leipzig die Päckchenpacker, die "Picker", im Akkord arbeiten. "Wir wollen die Vollbeschäftigung" wie die Kanzlerin, sagt ein fiktiver Area-Manager vor der Kamera mit breitem sächsischen Akzent. Wir wollen, "dass unsere Mitarbeiter ständig voll beschäftigt sind." 

Dann werden Bilder aus einer "Panorama"-Sendung präsentiert, auf denen die vielen Überwachungskameras an der Decke rot umkringelt sind. Dazu heißt es aus dem Off: "Die Firma Amazon sieht sich als legitimer Nachfolger der DDR und hat deshalb überall Kameras installiert." Am Ende wird ein neuer Claim für den Internetversand eingeblendet, der besser lauten sollte: "Amazon.com - Ruh' dich doch aus, wenn du tot bist."

Plattform-Kapitalismus: Die "Fahrradsklaven von Deliveroo"

Auch werden Lieferdienste wie Deliveroo und Lieferando aufs Korn genommen. In Köln hatten sich die Auslieferer in einem Betriebsrat organsiert, doch wurden die Verträge dieser Angestellten nicht verlängert. "Da fahren fast nur noch Freelancer für noch weniger Geld", erzählt Welke. Dabei wirbt das Unternehmen mit dem Spruch: "Fit bleiben und damit Geld verdienen - besser geht's für mich nicht."


Der Fall hat die Redaktion zu weiteren Beispielen für den Plattform- angeregt. Wie wäre es mit Vorschlägen für weitere Start-ups: So könnten Rettungssanitäter bei einem Blaulichteinsatz in der Organkühlbox gleich noch Sushi mitbringen. Das könnte sich dann "Sanitäterando.de" nennen. Oder wie wäre es mit "Tinterando.de": "Man könnte nebenbei noch Pizza ausliefern, wenn man sowieso zum Knattern in der Beethovenstraße ist", meint Welke.

Und Autofahrer, die mit einer Dachbox auf ihrem Auto unterwegs sind, arbeiten nebenbei als freiberufliche Bestatter. Das Unternehmen sollte sich dann "Leichenrando.de" nennen.

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo