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"Ist der Mann retrosexuell?": Abtreibungsparagraf: "Heute show" knöpft sich Jens Spahn vor

Weg mit dem Paragrafen 219a, dem Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche, verlangt Oliver Welke in der "heute show". Doch der neue Gesundheitsminister bremst. "Schön wenn die Welt so einfach ist, wie im Kopf von Jens Spahn", meint Welke.

"heute show"

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist für den Paragraf 219a, der  Werbung für Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Der 219a gehört abgeschafft, fordert Oliver Welke von der "heute show".

Wenn eine Frau in Deutschland, die ungewollt schwanger geworden ist, sich über Schwangerschaftsabbrüche im Internet informieren möchte, landet sich unweigerlich auf den Seiten der Abtreibungsgegner. Nur noch dort sind alle Adressen von Ärzten aufgelistet, die Abbrüche vornehmen. "Das ist die einzige Seite in Deutschland", sagt Dr. Kristina Hänel in der "heute show" vom Freitagabend.

Genaueres gibt es nur noch auf der Homepage von "fanatischen Lebensschützern", auf Seiten, die einem "Online-Pranger" gleichkommen, so auch Moderator Oliver Welke. Denn der Paragraf 219a untersagt Werbung für Schwangerschaftsabbrüche. So wurde kürzlich eine Ärztin in Gießen zu einer Geldstrafe in Höhe von 6000 Euro Geldstrafe verdonnert, weil sie auf der Website ihrer Praxis lediglich über Schwangerschaftsabbrüche informiert hatte.

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"Tierschützer hassen Babys"

Die Abschaffung des Paragrafen 219a im Strafgesetzbuch hatte bereits die SPD gefordert, ist aber bei diesem Thema nach zwei Wochen Groko inzwischen eingenickt und hat ihren Gesetzentwurf zurückgezogen. Ein Sieg für die CDU und für den neuen Gesundheitsminister Jens Spahn, der 2017 nicht nur bei einer Aufzeichnung der "heute show" länger zu Gast war, sondern von 2006 bis 2010 auch an einer Lobbyagentur beteiligt war, zu deren Kundenkreis die Pharmabranche gehörte.

Spahn will das Rad der Zeit zurückdrehen und "möchte das Informationsverbot unbedingt behalten", so Welke und er fragt: "Zurück in die 50er Jahre? Ist der Mann eventuell retrosexuell"? Der Bundesgesundheitsminister argumentiert: "Wenn es um das Leben von Tieren geht, da sind einige, die jetzt für Abtreibungen werben wollen, kompromisslos. Aber in dieser Debatte wird manchmal gar nicht mehr berücksichtigt, dass es um ungeborenes menschliches Leben geht."

"Tierschützer hassen Babys", bringt es Welke auf den Punkt und meint: "Schön wenn die Welt so einfach ist, wie im Kopf von Jens Spahn." Denn niemand wirbt für Abtreibung und verführt Frauen dazu.

Der Unterschied zwischen Werbung und Information

Laut Spahn sei es "wahnsinnig schwer abzugrenzen zwischen Werbung und Information", wie der Gesundheitsminister in einem Interview behauptet. Doch was ist daran so schwer zu unterscheiden? Information ist keine Werbung, "höchstens, wenn man doof ist", so Welke. Aber wie könnte eine Werbung in der Welt von Jens Spahn aussehen?

Die Redaktion der "heute show" hat deshalb gleich einen Werbeclip produziert, der sich in seiner plumpen Machart von den Infoseiten des Internets wesentlich unterscheidet: "Ausschabungen bei Kasupke", der "Nummer 1 im Ruhrgebiet" - frei nach dem Motto: "Alles muss raus".

Und dann legt die Satiresendung des ZDF noch musikalisch nach. Oliver Welke kündigt einen Kommentar zum Thema an, der sehr knapp ausfällt. Vorgetragen vom "heute show"-Frauenchor, der folgenden Text in Richtung Bundesgesundheitsminister und seinen Kampf um den Erhalt des Paragraphen 291a zum Besten gibt: "Halt die Fresse, halt die Fresse", singen die sechs in schwarz gekleideten Damen a cappela.

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Anmerkung: In einer früheren Version hatten wir geschrieben, dass Frau Dr. Kristina Hänel wie in der Heute Show erwähnt Gynäkologin sei. Tatsächlich ist sie Fachärztin für Allgemeinmedizin.