HOME

"Kill the President"-Satire: Ist dieser Sketch von 2007 die Vorlage für Böhmermanns Schmähgedicht?

Jan Böhmermanns Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Erdoğan ist zur politischen Affäre mutiert. In den USA gab es bereits vor neun Jahren einen sehr ähnlichen Sketch - allerdings regte sich dort niemand auf.

Ein Sketch der US-TV-Serie "The Whitest Kids U Know" aus dem Jahr 2007 mit Trevor Moore

Ein Sketch der US-TV-Serie "The Whitest Kids U Know" aus dem Jahr 2007 mit Trevor Moore: Hat sich Jan Böhmermann hier Inspiration geholt?

Die Affäre um Jan Böhmermann und sein Schmähgedicht auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan eskalierte schnell zum Politikum. Die Kanzlerin verurteilte das Werk des Satirikers ungefragt und versuchte die Wogen mit der Türkei in einem Telefonat mit Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu zu glätten. Doch alles half nichts: Die Türkei hat offiziell Strafverlangen eingereicht. Erdoğan will, dass Böhmermann mit seinem Gedicht vor Gericht landet. Die Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt bereits. Nun hängt es an der Bundesregierung, die ein Verfahren ermächtigen müsste. Die Entscheidung steht noch aus. Dass man mit so einem Thema auch entspannter umgehen kann, zeigt ein Beispiel aus den USA, das bereits neun Jahre zurückliegt.

In dem Land, das sich gerne für seine unbegrenzten Möglichkeiten feiern lässt, wird die Meinungsfreiheit noch ein Stück höher gehängt als in Deutschland. Es gibt kaum etwas, was man nicht sagen darf - bis auf ein paar Ausnahmen. Der Komödiant Trevor Moore lotete - ähnlich wie nun Herr Böhmermann - schon 2007 für seine TV-Sketchserie "The Whitest Kids U Know" diese Grenzen aus. Der entsprechende Sketch weist klare Parallelen zum "Schmähgedicht" auf - so klare, dass sich der Verdacht aufdrängt, der ZDF-Mann hat sich hier vielleicht inspirieren lassen.

"The Whitest Kids U Know" mit ähnlichem Sketch

Moore kommt dabei allerdings ohne plumpe Beleidigungen aus und geht deutlich stilvoller an die Sache heran als sein deutscher Kollege. Zu fröhlicher Hintergrundmusik fragt er die Kamera zu Beginn: "Wussten Sie, dass es illegal ist, zu sagen: Ich möchte den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika umbringen?" Dies sei einer der wenigen Sätze, die man nicht sagen dürfte. Direkt hinterher schiebt er: "Für mich war es gerade in Ordnung, dies zu sagen, weil ich Ihnen nur erklärt habe, dass man nicht sagen darf: Ich will den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika umbringen." Spätestens hier versteht jeder, worum es ihm geht. 

Moore sagt im Laufe seines Monologes noch mehrfach diesen Satz, führt weiter aus, wie genau es denn gemacht werden könnte (mit einem Mörser-Geschütz vom Rockefeller Hewitt Building, von wo man eine direkte Sicht ins Schlafzimmer des Präsidenten habe). Immer wieder unterbricht er dabei seine Ausführungen, um wild gestikulierend zu unterstreichen, dass man genau das alles niemals und unter keinen Umständen sagen dürfte. Es sei "extrem illegal".

Das interessanteste an Moores damals immerhin im TV übertragenen Sketch waren die Reaktion. Die fielen nämlich überschaubar aus. Keine Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, kein öffentlicher Aufschrei, keine gesellschaftliche Debatte über die ewige Frage "Was darf Satire?". Wer's lustig fand, hat gelacht. Wer nicht, der nicht. Davon könnte man sich auch hierzulande mal eine Scheibe abschneiden.

Medienanwalt erklärt den Fall von Jan Böhmermann