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Erdogan-Gedicht: Böhmermann wandte sich per Twitter an Kanzleramtschef Altmaier

ZDF-Moderator Jan Böhmermann muss für sein Erdogan-Gedicht nicht nur Kritik, sondern auch Ärger mit der Justiz einstecken. Bei Kanzleramtschef Altmaier soll er um Beistand gebeten haben.

Für sein Erdogan-Gedicht wurde Jan Böhmermann scharf kritisiert

Für sein Erdogan-Gedicht wurde Jan Böhmermann (l.) scharf kritisiert. Bei Kanzleramtschef Peter Altmaier bat er um Beistand.

Das Erdogan-Schmähgedicht von Jan Böhmermann zieht Konsequenzen nach sich, mit denen der ZDF-Moderator wohl nie gerechnet hätte. Abgesehen von der öffentlichen Kritik an seinen Versen ermittelt die Staatsanwaltschaft Mainz gegen den Komiker. Der hat, wie nun bekannt wurde, bei Kanzleramtschef Peter Altmaier um Beistand gebeten.

Nach Informationen des "Spiegel" soll Böhmermann dem Politiker am Sonntag eine private Nachricht auf Twitter geschrieben haben. "Ich möchte gerne in einem Land leben, in dem das Erkunden der Grenze der Satire erlaubt, gewünscht und Gegenstand einer zivilgesellschaftlichen Debatte sein kann", schrieb er demnach.

Den Kanzleramtschef bat er dem "Spiegel" zufolge nicht um Hilfe, sondern um "Berücksichtigung meines künstlerischen Ansatzes und meiner Position, auch wenn er streitbar ist". Altmaier habe geantwortet, er werde sich noch am Abend melden - das habe er jedoch nicht getan.

Jan Böhmermann ist "erschüttert"

Von der Debatte um seine Person fühlt sich Böhmermann zutiefst angegriffen. Bei Facebook schrieb Böhmermann am Freitag: "Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe." Außerdem sagte er seine Teilnahme an der Verleihung des Grimme-Preises ab, mit dem er ausgezeichnet wurde.

Er bitte er um Verständnis, nicht in Marl feiern zu können, erklärte Böhmermann. Das Grimme-Institut bestätigte die Absage. Böhmermann wolle den ihm für eine Satire über den ehemaligen griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis zugedachten Preis aber annehmen, er verzichte nicht darauf. "Er hat im Prinzip die Öffentlichkeit abgelehnt, nicht den Preis", sagte der Sprecher.

In seinen Versen hatte Böhmermann den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan mit derben Formulierungen unterhalb der Gürtellinie attackiert, unterbrach seinen Vortrag aber mehrfach, um zu erklären, dass sowas in Deutschland nicht erlaubt sei. Das ZDF löschte den Beitrag aus der Mediathek.


kis mit AFP