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"Markus Lanz": Ex-Häftling Jens Söring spricht über 33 Jahre Gefängnis: "Sie haben mich nicht brechen können"

Für den Mord an den Eltern seiner Freundin saß Jens Söring 33 Jahre lang in den USA im Gefängnis. Bei "Markus Lanz" berichtete er von der Haftzeit, seinem neuen Leben in Deutschland und beteuerte erneut seine Unschuld.

Jens Söring bei "Markus Lanz"

Jens Söring war bei "Markus Lanz" zu Gast

1990 wurde Jens Söring im US-Bundesstaat Virginia zu zweimal lebenslanger Haft verurteilt. Der Deutsche, damals 23 Jahre alt, soll die Eltern seiner Freundin Elizabeth Haysom getötet haben. Söring hatte die Tat zunächst zugegeben, danach aber sein Geständnis zurückgezogen und seine Unschuld beteuert. Insgesamt 33 Jahre verbrachte er im Gefängnis. Im Dezember 2019 wurde er auf Bewährung freigelassen und nach Deutschland abgeschoben.

In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" sprach der heute 53-Jährige erstmals im deutschen Fernsehen ausführlich über den Prozess, die Zeit im Gefängnis, seinen Kampf um die Freiheit und sein neues Leben. Dabei beteuerte er erneut, den Doppelmord nicht begangen zu haben. Deshalb habe er auch jahrzehntelang um seine Freilassung gekämpft: "Sie haben mich nicht brechen können", sagte Söring über die amerikanischen Behörden. Die Rückkehr nach Deutschland sei "der schönste Tag" seines Lebens gewesen.

Sörings Freilassung auf Bewährung war in Virginia ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Normalerweise, erläuterte Söring, gebe es dafür zwei Voraussetzungen: "Man muss sagen, ich war es und es tut mir leid. Aber das konnte ich nicht." Sörings Entlassung aus dem Gefängnis bedeutet nicht, dass damit seine Unschuld anerkannt wird, er gilt weiter als verurteilter Doppelmörder. "Ich hätte vorzeitig entlassen werden können – aber ich konnte nicht sagen, dass ich schuldig bin, weil es nicht die Wahrheit ist", sagte er in der Sendung.

Insgesamt verbrachte Söring mehr als drei Jahrzehnte in Gefängnissen, um für den zweifachen Mord zu büßen, den er an den Eltern seiner Freundin im Jahr 1985 begangen haben soll. Mit seinem anfänglichen Geständnis habe er, so erzählt er es heute, die Frau, die er liebte, vor dem Tod auf dem elektrischen Stuhl bewahren wollen. Er selbst ging damals davon aus, dass er als Sohn eines Diplomaten bei einer Verurteilung an Deutschland überstellt und nur einige Jahre Haft in einem deutschen Jugendgefängnis verbringen würde. Doch der Plan ging nicht auf: Auch nachdem er sein Geständnis zurückgezogen hatte, wurde er in Virginia verurteilt. 

"Tod funktioniert nicht, dann musst du leben"

Bei Markus Lanz erklärte Jens Söring, wie ihn die Zeit im Gefängnis geprägt habe. Er sei jahrzehntelang nur eine Nummer gewesen, sagte der 53-Jährige, und berichtete davon, wie er einmal nur knapp einer Vergewaltigung entgangen sei. In der ersten Nacht im Gefängnis wollte sich Söring mit einer Plastiktüte das Leben nehmen, der Suizidversuch scheiterte. "Tod funktioniert nicht, dann musst du leben – und wenn du lebst, musst du kämpfen", habe er danach gedacht, erzählte Söring dem Moderator. Es habe nach einer abgelehnten Begnadigung drei Monate während seiner Zeit hinter Gittern gegeben, in denen er die Hoffnung verloren habe, erzählte er. Ansonsten habe er stets an seine Freilassung geglaubt.

Söring ist nach über 30 Jahren nach Deutschland zurückgekehrt

 

Zahlreiche Unterstützer hatten sich für Söring eingesetzt, da die Indizienlage, auf der die Verurteilung beruhte, als zweifelhaft angesehen werden konnte – unter ihnen auch der Bestsellerautor John Grisham, der selbst als Rechtsanwalt in Virginia tätig war. Ende vergangenen Jahres wurde Söring dann in Begleitung zweier US-Beamter nach Deutschland geflogen. Hier lebt er bei einer Familie, die ihn aufgenommen hat und arbeitet an einem Buch. Mit der digitalen Welt im 21. Jahrhundert komme er schon gut zurecht: "Das einzige, was ich nicht hinbekomme, ist Spotify".

Mit seiner damaligen Partnerin, die ihn des Mordes beschuldigte, hat Söring nach eigener Aussage seit dem Prozess keinen Kontakt mehr: "Ich habe ihr nichts zu sagen und sie hat mir nichts zu sagen. Es wäre schön, wenn sie die Wahrheit sagen könnte, aber das wird sie nie tun." Was das Dilemma um Jens Söring auch recht gut zusammenfasst: So lange die Frau schweigt, gibt es keine zweite Person, die seine Darstellung der Dinge bestätigt. Weshalb jeder Beobachter selbst entscheiden muss, ob er Söring glaubt – oder eben nicht ...

Quelle: "Markus Lanz"

epp