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Klaus Bednarz: Doppelt interessant

Erst nahm ihn die Stasi ins Visier, dann interessierte sich angeblich der BND für die Ergebnisse. TV-Journalist Klaus Bednarz ist das Opfer in einem deutsch-deutschen Agentenkrimi.

Von Hans-Martin Tillack

Der Plan der Stasi war perfide. Er folgte der Romeo-Methode - nur dass für die DDR-Staatssicherheit diesmal eine Julia agierte. Ihre Zielperson hieß Klaus Bednarz. Im Auftrag der Stasi spionierte Renate E. aus Leipzig jahrelang den renommierten Journalisten aus. Als ARD-Korrespondent in Warschau und Moskau sowie als Moderator von "Monitor" war er für den ostdeutschen Geheimdienst von großem Interesse. Der Fall war bisher unbekannt, könnte aber jetzt aktuell werden. Denn glaubt man einem früheren Zuträger des Bundesnachrichtendienstes (BND) - dann interessierte sich noch unlängst auch der BND für Erkenntnisse über Bednarz.

Angefangen hatte alles irgendwann Mitte der Siebziger in Leipzig. Bei einem Besuch lernte Bednarz die Russischlehrerin Renate E. kennen. Prompt durfte sie den heute 64-Jährigen erst als Reiseleiterin in Moskau und dann immer wieder auch in Köln besuchen. Die Stasi erlaubte ihr die Ausreise unter der Legende des "Verwandtenbesuchs". Glückliche Fügung für die DDR-Spione: Ihre Inoffizielle Mitarbeiterin war die Schwägerin eines engen Freundes von Bednarz, der bei Köln wohnte. Dank ihr habe die Stasi zum Beispiel abgeschöpft, was der Journalist über den Stand der deutsch-deutschen Verhandlungen wusste, erinnert sich Joachim Bachmann. Er war als Major des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) beeindruckt von Bednarz’ Quellen. "Wo hatte er die Informationen her?", fragte sich Bachmann.

"Sie war auf mich angesetzt"

Vom stern darauf angesprochen, sagt Bednarz, er habe Renate E. "null von irgendwelcher Relevanz" erzählt. Und er habe auch nie ein Verhältnis mit ihr gehabt, das sei "Quatsch". Aber der WDR-Mann bestätigt: "Sie war auf mich angesetzt." Das erfuhr er bereits Mitte der 90er Jahre. Beamte des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Verfassungsschutz (LfV) hatten nach dem Mauerfall über das bayerische LfV die Stasi-Akte bekommen. "Sie trafen sich mit mir, lasen mir einen Teil davon vor", erinnert sich Bednarz.

Jahre später interessierte sich dann angeblich eine ganz andere Sicherheitsbehörde für ihn: der BND. Um Journalisten auszuspionieren, hatte der Auslandsgeheimdienst von 2001 bis Ende 2005 den Leipziger Uwe Müller beschäftigt. Der war früher Inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Und er kannte wiederum den Stasi-Major Bachmann. Als Müllers BND-Verbindungsführer Wolf Lensen von dem Kontakt erfuhr, war er elektrisiert - so erzählt es Müller. Nach seinen Worten hoffte Lensen sogar, zwei angeblich bis heute unentdeckten Stasi-Spionen in BND und Verteidigungsministerium auf die Spur zu kommen. Verklausuliert steht dies auch im offiziellen Bericht zur BND-Journalistenaffäre vom Mai 2006. Dort heißt es, ein BND-Mitarbeiter habe Müller am 4. November 2002 gebeten, einen Ex-Stasi-Mann "auf sein Wissen zu BND-relevanten Themen abzuklopfen". Dabei seien "insbesondere geplante oder tatsächlich versuchte Penetrationen" des BND selbst von Interesse. Müller fungierte fortan nach eigenen Angaben als "Mittelsmann" zwischen BND und Joachim Bachmann. Das Problem: Der heute 64-Jährige war nicht an Geld interessiert, sondern verlangte "eine offizielle Entschuldigung" für das "Unrecht", das die Bundesregierung "ehemaligen MfS-Mitarbeitern angetan" habe.

Zwei Seiten umfassender KGB-Vermerk

So unglaublich es klingt: Laut Müller schien BND-Mann Wolf Lensen zeitweise sogar bereit, darauf einzugehen. Bis Lensen schließlich absagte. Wenig später erzählte Uwe Müller dem BND-Mann nach eigener Erinnerung, dass Bachmann sich auch mit Bednarz beschäftigt habe - und dass der Ex-Major Einblick in einen zwei Seiten umfassenden KGB-Vermerk über den Journalisten hatte. Laut Müller war sein BND-Kontaktmann interessiert: "Bednarz? Das wäre mal was für unser Haus!" Der Journalist habe dem deutschen Dienst "Schlimmes angetan", zum Beispiel im April 2000 durch einen kritischen Bericht von "Monitor" über die Tschetschenien-Reise des damaligen BND-Präsidenten August Hanning.

Müller traf schließlich - nach seinen Worten im Auftrag des BND - erneut den Ex-Major Bachmann. An Lensen will Müller zumindest die Bachmann-Info weitergegeben haben, dass die Sowjets Bednarz im Verdacht gehabt hätten, "für US-Dienste gearbeitet" zu haben. Das bringt Bednarz zum Lachen. Zwar nicht die Amerikaner, aber KGB wie BND hätten versucht, ihn anzuwerben. Aber nie habe er für irgendeinen Nachrichtendienst gearbeitet. "Keine Silbe" sei davon wahr. Der BND wiederum dementiert scharf: Es sei "schlicht falsch", dass man sich für den WDR-Mann interessiert habe. Bednarz sei "zu keinem Zeitpunkt" Thema zwischen Müller und einem BND-Mitarbeiter gewesen.

Mitarbeit: Dieter Krause / print