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Kritik an syrischer Opposition: Assange bietet Hisbollah-Chef eine Bühne

Zum Auftakt seiner Interviewserie für einen russischen Fernsehsender hatte sich Julian Assange einen provokanten Gast ausgesucht: Der Wikileaks-Gründer sprach mit Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah.

Wikileaks-Gründer Julian Assange ist am Dienstag erstmals als Moderator bei einem russischen Fernsehsender aufgetreten. Sein Interview-Gast beim englischsprachigen Sender "Russia Today" war der libanesische Führer der pro-iranischen Organisation Hisbollah, Hassan Nasrallah. Der Talk-Gast war zuvor nicht angekündigt worden. Assange befragte ihn von London aus über eine Videoschaltung mit Hilfe von Dolmetschern.

Zur Entwicklung in Syrien sprach sich Nasrallah für einen Dialog und Reformen aus - und warf den USA gleichzeitig vor, das Land zu destabilisieren. Der Generalsekretär der schiitischen Bewegung betonte, seine Partei habe sich in dem Konflikt in Syrien als Vermittler zwischen der Regierung und Opposition eingesetzt. "Wir haben die Opposition kontaktiert, um sie zur Aufnahme eines Dialogs mit dem Regime zu ermutigen, doch sie haben jeden Dialog verweigert", sagte Nasrallah, der ein enger Verbündeter Syriens ist. Die Regierung von Präsident Baschar al Assad sei von Beginn an zu Reformen und zum Dialog bereit gewesen. Die Opposition dagegen sei nicht zum Dialog bereit und weigere sich, die Reformen zu akzeptieren. Sie wolle allein den Sturz des Regimes, sagte Nasrallah, der von einem "geheimen Ort" im Libanon aus sprach.

Zum Schluss stellte Assange Nasrallah eine provokante Frage zur Religion: "Sie haben gegen eine Hegemonie der Vereinigten Staaten gekämpft. Ist nicht Allah oder die Vorstellung eines Gottes die ultimative Supermacht und sollten Sie nicht als Freiheitskämpfer auch dafür eintreten, die Leute vom totalitären Konzept eines monotheistischen Gottes zu befreien?" Nasrallah antwortete, "die schöne Harmonie des Universums" könne nur von einem Gott geschaffen worden sein. Das Interview war nach Angaben des Senders das erste von zwölf geplanten Gesprächen von Assange.

Assange wehrt sich gegen Auslieferung nach Schweden

Der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks wehrt sich in Großbritannien, wo er sich unter strengen Auflagen aufhält, gegen seine Auslieferung nach Schweden. Dort wirft ihm die Justiz Vergewaltigung und sexuelle Belästigung von zwei Frauen vor. Assange befürchtet, von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, und sieht hinter dem Verfahren einen möglichen Racheakt für Veröffentlichungen von Wikileaks.

Die Enthüllungsplattform hat Ende 2010 rund 250.000 interne Mitteilungen aus US-Botschaften in aller Welt veröffentlicht. Bereits zuvor hatte die Plattform große Mengen vertraulicher Daten aus dem US-Verteidigungsministerium zu den Kriegen im Irak und in Afghanistan öffentlich gemacht.

mlr/DPA/AFP / DPA