HOME

Serienclub: Lerchenberg: Sascha Hehn lernt einen zweiten Gesichtsausdruck

Vor zwei Jahren überraschte das ZDF mit dem zaghaften Versuch, Selbstironie zu zeigen. Nun geht die Sitcom "Lerchenberg" in die zweite Staffel. Die ist tatsächlich noch lustiger geraten als die erste.

Sascha Hehn

Szene aus "Lerchenberg": Sascha Hehn verspricht Roberto Blanco eine Rolle auf dem "Traumschiff"

Es muss ziemlich genervt haben, dieses ständige Genöle, US-Serien seien doch so viel besser als deutsche. Jedenfalls hat man sich beim ZDF vor ein paar Jahren darangemacht zu beweisen, dass es auch anders geht. Dass auch öffentlich-rechtliche Sender gutes Fernsehen können. Und so initiierte man ein Projekt, das so etwas wie die deutsche Antwort auf die Sitcom "30 Rock" von der Komikerin Tina Fey sein sollte. 

"Lerchenberg" siedelte die Handlung im eigenen Haus an: Im Mittelpunkt steht die ZDF-Redakteurin Billie (Eva Löbau), die dem alternden TV-Star Sascha Hehn zum Comeback verhelfen soll. Die im real-existierenden Sender spielenden fiktive Geschichte spießte so allerlei Absurditäten auf, die eine öffentlich-rechtliche Anstalt so mit sich bringt. Und auch Sascha Hehn bewies Mut zur Selbstkritik. Der Vierteiler entfachte 2013 zwar keine Begeisterungsstürme, doch das ZDF erntete für diesen ersten Versuch durchaus Respekt.

Sascha Hehn als grandioser Stinkstiefel

Für die zweite Staffel haben die Autoren eine Schippe draufgelegt: Die Serie traut sich nun mehr, ist bissiger geworden. Im Vordergrund stehen erneut die tapfere Billie und Sascha Hehn, der sich selbst als grandiosen Stinkstiefel darstellt. Und auch sonst kennt "Lerchenberg" keine Freunde: Vom Intendanten bis zum Praktikanten runter wird das ZDF als hochgradig dysfunktionale Anstalt dargestellt, die von Egomanen und Opportunisten geführt wird.

Zahlreiche Prominenten machen hier mit und spielen sich selbst. Insbesondere Sascha Hehn bekommt ordentlich Prügel: Er wird dazu verdonnert zum ZDF-Coach zu gehen, um einen zweiten Gesichtsausdruck zu lernen. Was ihm gar nicht so peinlich sein muss: "Die Ferres war auch schon da." Und "der kleine Carpendale" soll sogar durchgefallen sein.

Iris Berben bricht in Tränen aus

Jeder muss zu diesem Kurs "einen persönlichen Gefühlsassistenten" mitbringen, ein Stofftier. Das helfe, "an unsere authentische Trauer ranzukommen." Iris Berben leitet die Nachhilfestunden und liefert eine köstliche Performance ab: Erst sticht sie manisch auf ihren Gefühlsassistenten ein, dann bricht sie hysterisch in Tränen aus und presst das zerfetzte Meerschweinchen an ihre Brust. 

In den vier Folgen der zweiten Staffel wirken unter anderem Roberto Blanco, Sven Voss und Andrea Kiewel mit. Für einen Höhepunkt sorgt Jan Böhmermann, der einen irren Auftritt im "Aktuellen Sportstudio" hinlegt. "Lerchenberg" liefert kurzweilige, amüsante Unterhaltung, die jedoch gerne etwas bissiger hätte sein dürfen. Der Vierteiler wird das deutsche Fernsehen nicht revolutionieren, zeigt aber, dass auch der verknöcherte öffentlich-rechtliche Rundfunk ab und an gescheite TV-Serien hinbekommt.


Das ZDF zeigt die erste Folge der zweiten "Lerchenberg"-Staffel am Freitag, 18. September, um 23 Uhr. Die restlichen drei Folgen werden am Montag, 21. September, ab 0.10 Uhr versendet.