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Momente der TV-Geschichte Abgeschaltet. Als Margarethe Schreinemakers von der Bildfläche verschwand

Margarethe Schreinemakers
Margarethe Schreinemakers in den Sekunden, bevor sie ihr Sender Sat.1 vom Netz nahm.
© Fotoreport SAT.1/ / Picture Alliance
Es war ein ungeheuerlicher Vorgang im deutschen Fernsehen: Um zu verhindern, dass sich Margarethe Schreinemakers in einer privaten Steuersache äußert, drehte Sat.1 seiner Moderatorin kurzerhand den Saft ab.

"Jetzt ist der Moment gekommen, auf den viele von Ihnen sicher gewartet haben. Und ich, das kann ich Ihnen garantieren, wahrscheinlich noch sehr viel mehr.": Mit diesen Worten kündigt Margarethe Schreinemakers am 22. August 1996 in ihrer Sat.1-Show "Schreinemakers live" ein Thema an, das ihr sehr am Herzen liegt. Doch ehe sie es ansprechen kann, verschwindet sie überraschend von der Bildfläche.

Ein im deutschen Fernsehen ungeheurer Vorgang. Das war bislang erst einmal vorgekommen: 1986 hatte der Bayerische Rundfunk eine Folge von Dieter Hildebrandts Satiresendung "Scheibenwischer" aus dem gemeinsamen Fernsehprogramm der ARD ausgeblendet.

Damals waren es politische Gründe, die zum Abbruch führten. Und diesmal? Dazu gibt der nun live zugeschaltete Sat.1-Journalist Ulrich Meyer Auskunft, der einen "Situationsbericht" abliefert und auf Schreinemakers Auseinandersetzung mit den deutschen Steuerbehörden verweist. Gegen die Moderatorin wurde damals wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung ermittelt. Schreinemakers sah sich unschuldig verdächtigt und vermutete eine Racheaktion des damaligen Finanzministers Theo Waigel. Dessen frühere Ehefrau war kurz zuvor in ihrer Sendung aufgetreten und hatte dabei auch über die Scheidung gesprochen.

Margarethe Schreinemakers hat Äußerungen angekündigt

Und so kündigt sie vorab an, in ihrer Sendung zu der Causa Stellung zu nehmen. Doch die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzulegen, bekommt sie nicht. Denn das Wort hat nun Ulrich Meyer, der brav das Senderstatement verliest: "In steuerliche Angelegenheiten der Moderatoren mische sich der Sender grundsätzlich nicht ein", heißt es da. "Eine andere Frage sei allerdings, ob den Moderatoren in den von ihnen selbst gestalteten Sendungen ein Forum eingeräumt werden solle, ihre eigenen Angelegenheiten zu thematisieren."

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"'Wir sind der Auffassung, dass eine Moderatorin dieses Thema nicht zum Gegenstand der Sendung machen kann und darf'", zitiert Meyer die Sat.1-Geschäftsführung. "Dies widerspreche dem journalistischen Grundsatz, das eigene Medium nicht für persönliche Belange zu benutzen."

Gleichzeitig verspricht Meyer im Namen von Sat.1, "Schreinemakers live" werde in der kommenden Woche regulär wieder ausgestrahlt. Der Sender hält Wort: Noch bis Ende des Jahres läuft die Show weiter.

Auch wenn Margarethe Schreinemakers im Konflikt mit Sat.1 den Kürzeren gezogen hat - langfristig ist sie als Siegerin aus der Angelegenheit hervorgegangen: Die Ermittlungen wurden 1998 eingestellt, die Moderatorin arbeitete seither für zahlreiche Sender, darunter RTL und ARD.


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