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Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly: Die Trump-Feindin verabschiedet sich aus dem Trump-Freundesland

Megyn Kelly legte sich beim Trump-freundlichen Sender Fox News mit Donald Trump an. Nun wechselt die Star-Journalistin den Arbeitgeber. Kelly passte mit ihrer kritischen, aber fairen Art nur bedingt zum konservativen Krawallimage von Fox News.

Portrait von Fox-News-Moderatorin Megyn Kelly

In den USA ein bekanntes TV-Gesicht: Megyn Kelly

Fox News ist in gewisser Weise Donald Trump in Form eines TV-Senders: laut, aggressiv, parteiisch bis unfair, vertrauenswürdig nur für eine Minderheit, aber dennoch sagenhaft erfolgreich. Unter allen US-Nachrichtenkanälen rangiert Fox News auf Platz eins, obwohl es die Newsstation mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt. Mittendrin in dem Getöse: Megyn Kelly. Sie ist das Aushängeschild eines Kanals, der nie einen Hehl daraus macht, das knallige Gegenprogramm zur drögen, liberalen Konkurrenz zu sein. Nun aber heißt es, sie war das Aushängeschild. Denn die TV-Journalistin verlässt den Sender und wechselt zu NBC, einem dieser drögeren und liberaleren Konkurrenz-Sender.

Wegen ihrer Beine wurde sie "Leggy Meggy" genannt

Megyn Kelly, 46 Jahre alt und ehemalige Wirtschaftsanwältin, hat mehr als zwölf Jahre für Fox News gearbeitet und war am Ende einer der bekanntesten Köpfe des Senders - was auch, aber nicht nur, an ihrer äußerlichen Erscheinung lag. Zu Beginn ihrer TV-Karriere wurde sie vor allem als attraktive Blondine eingesetzt, was ihr den Spitznamen "Leggy Meggy" (grob übersetzt: Meggy mit den langen Beinen) einbrachte. Doch schnell merkten die Verantwortlichen, dass sie deutlich mehr zu bieten hat, als ein hübsches Gesicht und ein Paar hübsche Beine. 2013 bekam sie ihre eigene Sendung, die den Durchbruch brachte: The Kelly Files. Die Sendung ist oder vielmehr war eine der meist gesehenen Politshows des Landes. Doch der Aufstieg hatte seinen Preis. Der damalige Fox-News-Chef Roger Ailes habe sie mehrfach sexuell bedrängt, wie sie in ihrer Biografie "Settle for More" schreibt. Nicht nur sie, wie sich herausgestellt hat, weswegen Ailes mittlerweile nicht mehr Chef des Senders ist.

Megyn Kelly fragt Donald Trump:


Megyn Kelly legt sich gerne mit den Großen an

Vor den Kameras legte sie sich auch gerne mit denjenigen an, die der Sender sonst so gerne hofiert: konservative Politiker wie den früheren Vizepräsident Dick Cheney und den George-W.-Bush-Berater Karl Rove. Statt die üblichen Plattitüden abzunicken, hakte Kelly gerne nach und stocherte auch in offenen Wunden herum. Dem Irak-Kriegsbefürworter Cheney schleuderte sie eisenhart ins Gesicht, wie oft er falsch gelegen habe, weswegen viele Leute hätten leiden müssen. Karl Rove warf sie am Abend der Präsidentschaftswahl 2012 vor, das schlechte Abschneiden der Republikaner schönreden zu wollen. Megyn Kelly war für Fox News der Beweis dafür, dass der Sender mehr ist, als die Fernsehen gewordene Filterblase für alte, weiße Meckerheinis. Und dann kam Donald Trump.

"Ich und meine Kinder werden seit anderthalb Jahren von bewaffneten Bodyguards beschützt", sagte sie bei der Vorstellung ihrer Biografie kurz vor Weihnachten, "das ist keine angemessene Reaktion auf meine kritischen Fragen". Den Personenschutz hat sie offenbar nötig, weil sie sich bei ihrer Arbeit mit dem Falschen angelegt hatte - Donald Trump. Zum Auftakt der Präsidentschaftswahl hatte Kelly in der ersten TV-Debatte der Republikaner 2015 unverblümt gefragt: "Sie bezeichnen Frauen als 'fette Schweine' und 'Hunde', warum sollten wir so jemanden zum Präsidenten wählen?". Der erwiderte (allerdings erst einen Tag später): "Ihr quoll das Blut aus den Augen und woher auch immer." Dass dies eine Anspielung auf die Menstruation gewesen sei, verneinte Trump zwar, aber von da an war klar: Die beiden werden so schnell keine Freunde mehr.

Waffenstillstand mit Donald Trump 

Zu dem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, dass Donald Trump sowohl die Partei-Nominierung als auch die Präsidentenwahl mit links meistern würde, doch seine hartgesottenen Fans waren damals bereits eine Macht. Es folgten Drohungen und Mordaufrufe bis Kelly im Frühjahr vergangenen Jahres um eine Art von Friedensgespräch mit Donald Trump bat. Seitdem schweigen die Waffen zwischen Kelly und dem künftigen US-Präsidenten. Auch beruflich dürfte ihr das nicht schaden. Als neues Polit-Aushängeschild von NBC wird sie die nächsten Jahre keinen allzu großen Bogen um das Staatsoberhaupt machen können.

Wegen ihrer Fähigkeiten und ihrer eher liberal-konservativen Grundhaltung wurde Megyn Kelly auch von vielen anderen Sendern umworben: CNN und ABC wollten sie, ihr Haussender Fox soll ihr bis zu 25 Millionen Dollar angeboten haben, wenn sie bleibt. Doch noch im Dezember hatte sie öffentlich klargestellt, dass sie wegen der Sendezeit ihrer Show (21 Uhr Ostküstenzeit) Gefahr laufe, das Heranwachsen ihrer drei Kinder Yates, Yardley und Thatcher zu verpassen. Wenn ihr Fox in dieser Hinsicht nicht entgegenkomme, müsse sie eben eine "harte Entscheidung treffen", so Kelly. Dazu war der Newskanal offensichtlich nicht bereit. Finanziell hatte sie damit auch ein Top-Angebot ausgeschlagen. Gerüchten zufolge soll sie nun etwas weniger als 20 Millionen Dollar im Jahr verdienen - was sie aber immer noch zu einer der bestbezahlten TV-Journalisten der USA macht.