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Der Kandidat und die Wahrheit: Die vielen Lügen des Donald Trump - alle sind besonders schlimm

Melania Trump kupfert bei ihrer Lobrede auf Gatte Donald Trump bei Michelle Obama ab. Was tut der Präsidentschaftskandidat? Bläst wie immer zum Gegenangriff - und nimmt es, wie immer, mit der Wahrheit nicht so genau.

Von Niels Kruse

Donald Trump und Ehefrau Melania

Seht her, meine Frau: Donald Trump auf dem Republikaner-Parteitag mit Gattin Melania

Ein bisschen peinlich war es ja schon, auch wenn es am Ende nur um ein paar Passagen ging, die auch noch wie aus einem Album für Kalendersprüche klangen: "… dass du hart dafür arbeiten musst für das, was du im Leben willst". Und so weiter. Das sagte Michelle Obama bereits vor acht Jahren und Melania Trump, Frau des frischgekürten Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump, fast wortgleich jetzt auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner. Große Aufregung. Melania kupfert bei Michelle ab! Doch das Trump-Team kontert: Nix da von wegen Plagiat, stattdessen sei das "ein typischer Angriff von Hillary Clinton" gewesen.

Donald Trumps einzige Strategie: Gegenangriff

Nun ja. Beide Reden sind gut dokumentiert, und man braucht kein Redenschreiber zu sein, um die offenkundigen Ähnlichkeiten zu erkennen. Das Trump-Team jedenfalls tat, was es bei derartigen Vorkommnissen immer tut: abstreiten und zum Gegenangriff blasen. Ganz gleich, wie offensichtlich die Vorwürfe sind, es gilt stets die Trumpsche Devise: 'Was interessiert mich mein Geschwätz von gerade eben?'

Der Immobilien-Milliardär brüstet sich mit vielem, unter anderen damit, "die weltbeste Erinnerung" zu haben. Leider steht das im krassen Widerspruch zu seinem Hang (oder dem seines Teams), irgendwelche Behauptungen hinauszufeuern, sie nur kurz später zu widerrufen oder zu leugnen, sie je gemacht zu haben. Jeder, der etwas anderes behauptet, ist schlicht ein Lügner.


Zwei Dutzend Beispiele von "ich war's nicht"

Die US-Seite "Politifact" sammelt und dokumentiert seit einigen Monaten Trumps Zurückrudereien und Ausreden und bewertet sie auf einer Skala von "Fast richtig" bis zu "glatt gelogen". Beinahe zwei Dutzend Beispiele sind zusammengekommen, vier davon lesen Sie hier:

  • "John McCain war kein Kriegsheld"

Hintergrund: McCain, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Republikaner war im Vietnamkrieg mehrere Jahre Kriegsgefangener. Für Donald Trump sei McCain kein Kriegsheld, weil er finde, wahre Kriegshelden würden gar nicht erst gefangen genommen.

Diese Aussage wollte Trump nie gemacht haben. Später sagte er nur noch, der Satz sei aus dem Zusammenhang gerissen.

Politifacts Urteil. So gut wie falsch. Trump habe die Aussage durchaus so getätigt und sich beim Zurückrudern auch noch selbst falsch zitiert. 

  • Frauen sind "fette Schweine, Hunde, Schlampen und ekelhafte Tiere"

Hintergrund: Trumps Streitereien mit den TV-Moderatoren Megyn Kelly und Rosie O’Donnell. Von Kelly auf die Aussage angesprochen, sagte Trump zunächst, er habe nur Rosie O’Donnell gemeint, um auch das später zu widerrufen.

Politifact-Urteil: Falsch. Genau diese Worte habe er benutzt, um sowohl O’Donnell als auch andere weibliche US-Journalistinnen zu beleidigen.

  • "Ted Cruz ist eine Pussy"

Hintergrund: Cruz war Trumps härtester Konkurrent im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, die Beleidigung soll bei einem Auftritt in New Hampshire gefallen sein. Ein Bloomberg-Reporter hatte darüber berichtet und wurde von Trump aufgefordert, sich zu entschuldigen.

Politifacts Urteil: Trump liegt falsch. Es liegt ein Video von der Wahlkampfveranstaltung vor, auf der zu hören ist, wie er das Wort Pussy sagt.

  • "Ich würde ihnen gerne in die Fresse hauen, das kann ich Euch aber sagen"

Hintergrund: Mehr als einmal kam es auf den Veranstaltungen von Donald Trump zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern des Milliardärs. Mehrfach soll Trump die Menge angeheizt haben, einmal sagte er über die Gegendemonstranten sinngemäß: "Früher konnte man noch zurückschlagen. Da wären sie auf einer Trage abtransportiert worden. Ich würde ihnen gerne in die Fresse hauen, das kann ich Euch aber sagen. Später darauf angesprochen, leugnete Trump, diese Worte benutzt zu haben.

Politifact-Urteil: Es gibt ebenfalls ein Videomitschnitt von genau dieser Äußerung.

Geheimnisse des US-Präsidenten: Warum Donald Trump ungern Hände schüttelt


Donald Trump - König der Lügner

Die US-Seite zählt im Übrigen auch, wie es die Präsidentschaftskandidaten mit der Wahrheit im Allgemeinen halten - anhand ihrer Wahlkampfaussagen. Erschreckendes Ergebnis: Die meisten Kandidaten - egal ob Demokraten oder Republikaner - lügen mehr oder weniger frech, doch der Spitzenreiter in den Unterkategorieren "falsch" und "Lüge" heißt: Donald Trump.