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Neue Fernsehsendung "17 Meter": Aufregend wie ein Girokonto

Auf MTV waren sie amüsant, doch ihre Premiere auf der Samstagabendbühne von ProSieben ging daneben. Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt waren eigenartig verkrampft, ihre Show "17 Meter" wirkte lieblos und unverständlich. Doch der Fehler liegt nicht bei den beiden Jungstars.

Von Katharina Miklis

Es hätte ja klappen können, denn auf MTV waren Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt wirklich witzig. In ihrer Show "MTV Home", in der die beiden Promis empfingen, über Musik plauderten und sich gegenseitig zu absurden Wettstreiten herausforderten, war das Gespann so entspannt, wie man es nur sein kann, wenn man keine Intendanten zufriedenstellen oder Quotenerwartungen erfüllen muss. Die Sendung wurde nach zwei Jahren grundlos eingestellt. Aber das war nicht das Problem. Viel schlimmer: Joko und Klaas waren so gut, dass ProSieben und Endemol auf die beiden aufmerksam wurden - und ihnen eine Samstagabendshow anboten.

Jetzt haben die zwei Um-die-Dreißiger einen Zweijahresvertrag bei der zweitgrößten Fensehschmiede der Welt ("Big Brother", "Wer wird Millionär?"), große Werbeverträge (Sparkasse, Gilette), eine Primetimeshow und ein großes Problem: Sie sind nicht mehr witzig. Und das liegt nicht unbedingt an ihnen selbst sondern an der extrem lieblosen Show "17 Meter", die am Samstagabend auf ProSieben ihr Debüt feierte.

Es sollte eine Mischung aus "Wer wird Millionär?" und "Schlag den Raab" werden: Zwei Mannschaften treten gegeneinander an, müssen Fragen beantworten und dabei einen schweißtreibenden Hindernisparcours aus 17 Metern überwinden. Kika trifft Jackass. Dass Joko und Klaas sich auf MTV gerne in pupertären Jungsspielchen nach dem Motto "Wer hat den längsten?" duellierten, wird zurzeit nicht nur in den Werbespots für die Sparkasse, in denen sie jungen Leuten Girokonten schmackhaft machen sollen, breitgetreten. Es ist auch Prinzip der Sendung: Jedem Moderator wird ein Team zugeordnet. Wer hat den besten, schnellsten, klügsten Kandidaten? Wessen Teammitglied gewinnt am Ende 25.000 Euro?

Schulsport mit "Zonk"

Die Geschicklichkeitsspiele erinnern an Schulsport und laufen immer nach dem selben Muster ab. Bälle werfen, Kopfrechnen, balancieren... Spannung? Ach was, das Experiment Primetime ist schon spannend genug. Bei "Schlag den Raab" sieht man Stefan Raab gerne bei den dümmsten Spielchen zu. Wenn aber unbekannte Normalos gegeneinander antreten, ist das so aufregend wie Bundesjugendspiele. Und in der Plastikkulisse erwartet man hinter jedem Tor eher den "Zonk" als gute Unterhaltung.

Dass die meisten Kandidaten die Show bis zum Schluss nicht kapieren, spricht nicht unbedingt für das Format. Und auch Heufer-Umlauf und Winterscheidt haben das Konzept der Sendung scheinbar nicht ganz verstanden, klammern sich krampfhaft an ihre Moderationskärtchen, die sie bei MTV niemals nötig gehabt hätten. Immerhin: 1,49 Millionen 14- bis 49-jährige Zuschauer wollten sehen, wie sich die MTV-Jungs auf ProSieben schlagen. Der Marktanteil lag bei guten 15,7 Prozent.

Sparkassen-Bankberater im Marco-Schreyel-Outfit

Fast hat man Mitleid mit den zwei Ex-Krawallos, die auf ProSieben plötzlich wie zwei Sparkassen-Bankberater im Marco-Schreyel-Outfit wirken - so mutig und aufregend wie ein Sparbuch. Das Potenzial ist da. Nachfolger von Stefan Raab? Wieso nicht? Der Fehler liegt beim Sender, der versucht, den beiden ein im Ausland erfolgreiches Format aufzudrücken, anstatt mit ihnen etwas Neues zu entwickeln, das wirklich passt. Eine große Bühne bringt große Erwartungen mit sich. Und daran sind schon viele gescheitert. Oliver Pocher, Anke Engelke, Charlotte Roche… Sobald sie zu sehr gehypt wurden, standen sie sich selbst im Weg, waren nicht mehr lustig, sondern verkrampft. Bei "MTV Home" haben sich Joko und Klaas über ihre flachen Gags beömmelt - das war lustig. Samstagabend, 20.15 Uhr, auf ProSieben ist ein flacher Gag nichts zum Amüsieren, er ist eine Katastrophe.

Am Ende gewinnt eine Blondine aus Jokos Team, weil sie weiß, dass "Mr. Big" eine Figur aus "Sex and the City" ist und es dann auch noch schafft, Bälle auf einer Schräge in ein paar Löcher kullern zu lassen, was allerdings wahnsinnig lange dauert. Joko und Klaas sind beeindruckt. Der Zuschauer wär's auch gern - schaltet dann aber doch lieber zur Klingeltonwerbung auf MTV.