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Neuer Internet-Talk: Eva Hermans müdes Comeback

Die Autobahn wurde ihr zum Verhängnis: Die geschasste NDR-Moderatorin und Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman startet ihre eigene Talkshow im Internet. Doch die Querelen um ihre Person und der Eklat bei "Kerner" haben Spuren hinterlassen.

Von Jens Maier

Nach 53 Minuten war am 9. Oktober 2007 das Ende ihrer Fernsehkarriere besiegelt: In der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner" philosophierte sie fast eine Stunde lang über die Thesen in ihrem Buch "Das Prinzip Arche Noah". Sie rechtfertigte ihre Äußerungen über das Mutterbild in der Nazizeit, sprach von einer gleichgeschalteten Presse und äußerte schließlich den Satz, für den "Bild"-Kolumnist Franz Josef Wagner sie eine "blöde Kuh" gescholten hatte und der als Eklat in die TV-Geschichte eingegangen ist: "Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf", sagte Eva Herman, wurde anschließend von Kerner aus seiner Sendung geschmissen und aus der deutschen Fernsehunterhaltung gleich mit. Im Internet meldet sie sich jetzt mit einer Talkshow zurück.

Für das Familienportal "Familyfair" moderiert die 50-Jährige ab sofort wöchentlich die Sendung "Das Eva-Prinzip". Die Internetseite wird vom Hamburger Verein "Familie Direkt" betrieben. Mitbegründer sind unter anderem der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb, und der Geschäftsführer der Stiftung "Ja zum Leben", Manfred Libner. Beide vertreten äüßerst konservative Positionen und stützen damit die Thesen, die Herman in ihrem ersten Buch "Das Eva Prinzip" aufgestellt hat. Dass ihre Talkshow den gleichen Titel trägt, ist deshalb kein Zufall.

Talk mit "Klaus" Dall

Auch in Hermans Internet-Talk soll es um das Thema Familie und Werte gehen. Mit prominenten Gästen werde sie über aktuelle familienbezogene Themen reden, hieß es vorab in einer Pressemitteilung. Eine erste Kostprobe gibt es seit vergangener Woche zu sehen. Doch statt knallharter Thesen wirbt Karl Dall dort für sein Buch. Der Komiker ist einer der ersten Interviewpartner und wird auf der Website als "Klaus Dall" angekündigt. Ansonsten wirkt die Aufmachung der Sendung für Web-Verhältnisse professionell.

Zwar besteht die Kulisse aus weißen Ikea-Schränken, auf denen neben Vasen auch Geschirr des schwedischen Möbelherstellers platziert wurde, doch das Studio kann durchaus mit denen von privaten Fernsehsendern konkurrieren. Wer erwartet hatte, dass die Sendung wirkt, als habe sie ein Praktikant im Hobbyraum zusammengeschraubt, wird positiv überrascht. Sowohl der Einspieler, als auch die Musikuntermalung und die Schnitte wirken hochwertig - ganz im Gegensatz zur Moderatorin. Bei Eva Herman haben die Querelen um ihre Person offenbar Spuren hinterlassen.

Deutlich rundlicher als noch vor zwei Jahren sieht sie aus, wenn sie die Internet-Zuschauer stehend zu ihrer Sendung begrüßt. Und auch die Leichtigkeit, mit der Herman einst durch die NDR-Talkshow führte, ist Vergangenheit. Verkrampft, mit verkreuzten Beinen und aufgestützten Händen, stellt sie ihre Fragen - besser gesagt, liest sie ab. Im Interview mit dem Buchautor Carlos A. Gebauer wirkt sie mit dem Thema Wirtschaft und Kapitalismus vollkommen überfordert. Ganz selten geht Herman, die früher vor einem Millionen-Publikum Live-Sendungen moderiert hat, auf eine Antwort ein.

Die Fragen könnte jeder vorlesen

"Ein spannendes Gespräch sieht anders aus", sagt der Münchner Moderatoren- und Sprach-Trainer Michael Rossié. "Das Format lebt vom Gast und nicht von Eva Herman. Die vorbereiteten Fragen könnte jeder stellen", lautet sein vernichtendes Urteil. Noch dazu leiste sich Herman manchen sprachlichen Schnitzer wie zum Beispiel "das unglückliche Amok-Attentat" oder dresche mit Phrasen wie "der Ruf wird laut" oder "wie ich Ihren Worten entnehme" auf den Gesprächspartner ein. "Das klingt schrecklich nach Schriftdeutsch und nicht nach einem lockeren Gespräch über Themen, die die Welt bewegen", sagt Rossié.

Offenbar will sich Herman bewusst mit unkritischen Fragen aus der Schusslinie bringen. Das ist vielleicht auch besser so. Denn über ihre Motivation, bei "Familyfair" mitzuarbeiten, sagt sie unter anderem: "Diejenigen, die gegen die schöpfungsgemäße Aufteilung von Frau und Mann argumentieren und deswegen ohne Not Millionen Kleinstkinder in 'moderne' Fremdbetreuung bringen, bedauere ich, denn sie kämpfen gegen Naturgesetze." Ein Satz, der nicht nur Feministinnen auf die Palme bringen wird und der beweist, dass Eva Herman ihre geistige Haltung nicht geändert hat.

Noch hält sie sich mit Statements dieser Art in ihrer Internet-Talkshow zurück. Sollte es dazu kommen, wird allerdings keiner da sein, der sie aus der Sendung wirft. Das müssen dann die Zuschauer übernehmen, indem sie nicht mehr klicken. Denn während ihr Skandal-Auftritt bei Johannes B. Kerner bis heute fast 900.000 Mal in der ZDF-Mediathek online abgerufen wurde, kann Herman von ähnlichen Quoten nur träumen.