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Ex-RBB-Chefin Patricia Schlesinger tritt zurück – doch "ein fader Beigeschmack" bleibt

Patricia Schlesinger, Intendantin des rbb und ARD-Vorsitzende
Patricia Schlesinger, Intendantin des RBB und ARD-Vorsitzende
© Hendrik Schmidt / DPA
Nach ihrem Rücktritt als ARD-Chefin hat Patricia Schlesinger auch ihr Amt als RBB-Intendantin aufgegeben. Ein längst überfälliger Schritt, urteilen die Medien – die Presseschau.

Angesichts zahlreicher Vorwürfe ist Patricia Schlesinger als RBB-Intendantin zurückgetreten. Der Rundfunkrat des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) berät am Montag in einer Sondersitzung, wie es in dem öffentlich-rechtlichen Sender weitergehen soll. Schlesinger hatte sich vor einigen Tagen bereits vom ARD-Vorsitz zurückgezogen, danach gab es Rufe nach einem Rücktritt auch als RBB-Chefin. Derzeit läuft eine externe Untersuchung der Vorwürfe.

Schlesinger war seit 2016 Intendantin des RBB, der im ARD-Senderverbund eine der kleineren Anstalten ist. Ihre zweite Amtszeit begann im vergangenen Jahr und hätte eigentlich fünf Jahre bis 2026 gedauert. So kommentiert die Presse ihren Rücktritt:

"Bild": Jetzt sind die Aufsichtsgremien am Zuge. Sie müssen von Schlesinger unser verschwendetes Gebührengeld auf Euro und Cent zurückverlangen. Bei Verdacht auf Straftaten muss der Staatsanwalt ran. Leute wie Schlesinger sind verantwortlich, dass 84 Prozent der Deutschen keine Rundfunkgebühr mehr zahlen wollen. Wer solche Abzocker gewähren lässt, zerstört ARD und Co.

"Deutschlandfunk": Allerdings bleibt ein fataler Beigeschmack. Dass sich Patricia Schlesinger das Grundgehalt als Intendantin vom Verwaltungsrat um 16 Prozent erhöhen ließ, mag formal in Ordnung sein. Auch die Frage, ob ein Luxus-Dienstwagen sein muss, kann müßig sein, wenn dem Sender dadurch keine unnötigen Mehrkosten entstanden sind. Doch nicht nur die Mitarbeitenden des RBB empört es, dass ihnen selbst Wasser gepredigt wird, während sich die Intendantin Wein genehmigt. Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen sparen. Aber auch die Bürger stehen unter Sparzwang: Viele wissen nicht, wie sie im Winter die Heizkosten bezahlen sollen.

"Tagesspiegel": Noch größer, wenn nicht sogar irreparabel ist allerdings der Schaden für das Ansehen des RBB und die Reputation des gesamten öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Nicht nur den erklärten Gegner von ARD, ZDF und Deutschlandfunk steht nun ein gewaltiges Arsenal von Beispielen zur Verfügung, was bei den Öffentlich-Rechtlichen im Argen liegt und warum dieses System nicht zu retten ist.

Die Causa Patricia Schlesinger ist ein Skandal

"Spiegel": Die Causa Schlesinger ist ein Skandal, der im öffentlich-rechtlichen Rundfunk an vergangene Zeiten erinnert, an den bestechlichen Sportmoderator Jürgen Emig oder den langjährigen MDR-Unterhaltungschef Udo Foht mit seinem dubiosen Finanzgebaren. Die Verursacher: fast immer Männer, die sich unangreifbar fühlten, die die Gremienpolitik besser durchschauten als ihr eigenes Programm. Insofern ist Schlesingers Abgang in vielerlei Hinsicht eine Enttäuschung.

"Weser-Kurier": Selbst wenn sich ein Teil des Verdachts der Verschwendung, Vorteilsnahme und Vetternwirtschaft als aufgeblasen erweisen, selbst wenn sich Schlesinger in einer Grauzone bewegt haben sollte – was sich über ihren Dienstwagen samt Chauffeur und Essenseinladungen verbreitet hat, bestätigt nicht nur die schärfsten Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Es muss bei den treusten Hörern, Sehern und braven Gebührenzahlern größtes Misstrauen wecken. Sofern man seine (Zwangs-)Kunden ernst nimmt, kann es darauf nur eine Antwort geben: eine Reform, die ihren Namen verdient, angestoßen von ARD und ZDF selbst.

"Welt": Schlesinger begründete ihn nicht etwa mit Verfehlungen, die sie sich selbst habe eingestehen müssen: den überteuerten Dienst-Audi mit Massagesitzen zum Listenpreis von 145.000 Euro etwa, den sie sich leistete, die Abendessen in ihrer Privatwohnung auf Kosten des Gebührenzahlers oder die fragwürdigen Beraterverträge, zu denen sie jüngst dem Berliner Landtag Auskunft geben musste. Sondern damit, die "persönlichen Anwürfe und Diffamierungen" gegen sie hätten "ein Ausmaß angenommen, das es mir auch persönlich unmöglich macht, das Amt weiter auszuüben". Es ist offensichtlich: Da hat jemand Maß und Mitte verloren – doch Selbstkritik? Fehlanzeige.


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