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TV-Kritik

"Promi Big Brother", Tag 9: Kein bisschen Frieden: Die Bewohner rechnen mit Chethrin ab

Nicole ist raus. Aber es gibt wirklich Wichtigeres. Zumindest für Alphonso. Er will in die Fußstapfen von Nelson Mandela treten. Mindestens. Sonst noch: Silvia beichtet, Chethrin heult.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Bei Promi Big Borther gab es für Katja Umarmungen von "Daddy" Alphonso

Bei "Promi Big Borther" gab es für Katja Umarmungen von "Daddy" Alphonso

Ein bisschen Frieden. Wollte die Sängerin Nicole. Und gewann damit den Eurovision Song Contest. Das war 1982. singt auch. Und auch er hat gewonnen. Bei Deutschland sucht den Superstar 2017. Er aber will nicht nur ein bisschen Frieden. Er will ständig und überall und gefälligst Frieden. Weil sich ja sonst keiner drum kümmert. Man fragt sich, hält er sich schon für Nelson Mandela oder übt er noch. Im "Promi Big Brother"-Haus jedenfalls ist niemand sicher vor seiner selbsternannten Mission, mit Kalendersprüchen jede, aber auch wirklich jede Seele zu retten. Wehe aber, wenn eine sich nicht retten lässt. Nur Nicole Bestler-Böttcher wehrte sich, zumindest anfangs. Mit "Ich möchte dir nicht mehr zuhören, du bist immer so schlau, das packe ich nicht" hielt sie gegen den vermeintlichen König der Herzen. Nun allerdings kann ihr sowieso niemand mehr helfen: Nicole ist raus. Sie wurde von den Bewohnern zusammen mit Chethrin Schulze auf die Nominierungsliste gesetzt – und erhielt weniger Anrufe.

Man redet ja gerne, wenn man beispielsweise über Narzissmus redet, über . Weniger verhaltensauffällig ist, wenn Menschen ständig für andere da sein wollen, denn das ist sozial anerkannt. Die Frage ist nur, geht es dabei überhaupt um die, denen es nicht gut geht oder will man sich selbst beweisen, man sei sowieso der Größte, weil man so ein toller Helfer ist. 

Der Psychotherapeut Wolfgang Schmidbauer prägte den Begriff des Helfersyndroms. Merkmale sind unter anderem, dass die Betroffenen die Wünsche desjenigen, dem sie helfen wollen, mitunter nicht berücksichtigen und dass sie von den Menschen, denen sie helfen, Dankbarkeit und Anerkennung erwarten. Ferndiagnosen sind natürlich ein heißes Pflaster. Aber wenn Alphonso nach einer der zig therapeutischen Interventionen bei Katja Krasavice über sich selbst begeistert ist, mutet das doch sonderbar an. Andererseits: Mehr Menschlichkeit in diesen Zeiten schadet freilich nicht. Vielleicht brauchen wir sie so dringend, dass sie auch gespielt sein darf.

Alphonsos Sprechstunde bei "Promi Big Brother"

Hören wir doch mal rein, quasi ein , wie man verlorene Seelen durch gefährliche Gewässer navigiert. Hier sorgt sich Alphonso um Katjas Zukunft, die bitteschön nicht nur aus knappen BHs und öffentlichem Masturbieren bestehen soll.

Alphonso: "Hast du einen Beruf?"

Katja: "Das ist mein Beruf."

Alphonso: "Willst du mich verarschen?"

Und nun, in Alarmstimmung, holt Alphonso aus: "Du musst gucken, dass du regelmäßig deine Seele reinigst."

Katja: "Ich lasse meine Gefühle nicht mehr zu."

Alphonso: "Das geht nicht."

Katja: "Das ist nicht so einfach."

Alphonso: "Du machst dich kaputt."

Auch schleppt einige Pakete mit sich herum. Und gesteht, dass sie nach der Trennung von ihrem Mann kaum mehr die Familie mit Essen versorgen konnte. Die Kinder wären in der Fußgängerzone aufgetreten und hätten Flaschen gesammelt, um ein paar Euros zu sammeln. Sie selbst sei zur Tafel gegangen. Alphonso lässt sich nicht lange um eine Weisheit bitten und kommentiert: "Wir haben nicht viel, wir haben reichlich." Hingegen muss Chethrin Schulze ohne Trost von Alphonso auskommen. Sie schluchzt in die Kameras, weil sie bereits am Vortag auf die Nominierungsliste gesetzt wurde. Übrigens nicht nur von Cora Schumacher, sondern auch von Alphonso. "Was habe ich Böses getan", fragt sie sich und ob sie ein schlechter Mensch sei. Das wecke Erinnerungen an das Mobbing in der Schule. Das Gefühl, unerwünscht zu sein, sei "voll schlimm." Später motiviert sie sich, weil es sonst keiner tut, selbst. Dass sie wiederholt auf der Nominierungsliste stünde, sei ein Kompliment, die anderen hätten sie als starken Gegner erkannt.

"Mein Leben geht weiter, ich werde Moderatorin"

Gibt es gerade kein tränenreiches Geständnis, muss die Zeit anders vertrieben werden. Die Baustellenbewohner stemmen die Challenge, Wattebällchen auf mit Vaseline beschmierten Nasen zu transportieren. Kaum aufregender wird es, als Alphonso und Daniel gegeneinander antreten, um mit Jetons um die Wohnsituation ihrer Mitbewohner zu spielen. Das hat schließlich zur Folge, dass es für einige einen Bereichswechsel gibt. In der Villa sitzen nun Silvia, Cora, Katja und Umut. Auf der Baustelle zuhause sind nun Johannes, Daniel, Chethrin, Alphonso und Johannes. 

Sollte Chethrin erneut nominiert werden und womöglich rausfliegen, sollte sich niemand sorgen. Verkündet sie doch: "Mein Leben geht weiter, ich werde Moderatorin." Mit ihrem Liebesleben scheint es allerdings nicht so richtig weiterzugehen. Daniel, der Auserkorene, scheint nicht anzubeißen. Dazu Katja: "Die rennt ihm zu sehr hinterher." Gut, dass hier jeder Bescheid weiß, wie der andere gefälligst zu leben hat.

Katja Krasavice bei "Promi Big Brother"